Sie kommen mit nahezu hundertprozentiger Zuverlässigkeit: die Eisheiligen. Mal erfolgt der ihnen zugeschriebene Kälteeinbruch etwas früher, mal ein bisschen später – in diesem Jahr pünktlich an den Gedenktagen. „Die kommenden Nächte könnten schon noch einmal kritisch werden“, sagte Bruno Stotz vom gleichnamigen Hof in Wirrensegel bei Ittendorf beim Treffen vergangene Woche. In diesen Tagen erforderte es einen kleinen Mehraufwand, denn die Erdbeeren müssen nachts abgedeckt werden. Der Boden speichert die Wärme des Tages, und unter einem schützenden Vlies bleibt Restwärme für die Nacht.

Das Netz hält Krähen von den Beeren fern. Zum Schutz vor den Eisheiligen musste Bruno Stotz zusammen mit seinen Helfern ein Vlies über die Pflanzen ausbringen.
Das Netz hält Krähen von den Beeren fern. Zum Schutz vor den Eisheiligen musste Bruno Stotz zusammen mit seinen Helfern ein Vlies über die Pflanzen ausbringen. | Bild: Helga Stützenberger

Beklagen über das Wetter will er sich aber keineswegs. Im Gegenteil. Besonders süß seien die ersten Erdbeeren des Jahres, die seit rund drei Wochen erhältlich sind. „Der April war warm und sonnig, da kommt besonders viel Süße rein“, erklärt Stotz. Die frühreifen Früchtchen tragen den verheißungsvollen Namen „Flair“.

Früh am Morgen wird mit der Erdbeerernte begonnen

Der Name ist Programm: Betritt man frühmorgens die Erdbeerfelder, die sich um Bermatingen erstrecken, ist das Feld in ein atmosphärisches Gemisch aus sich ankündigendem Regen und den letzten Sonnenstrahlen getaucht. Dunst und Feuchte liegen in der Luft, die sonnigen Apriltage sind nur noch eine leise Ahnung. Die Eisheiligen stehen vor der Tür – während in zahlreichen kleinen Wägelchen Menschen sitzen und pflücken.

Frühmorgens bei der Erdbeerernte auf den Feldern vor Bermatingen. Beim Pflücken in den kleinen Wägelchen ist Konzentration gefragt, damit keine reife Beere übersehen und keine Pflanze beschädigt wird.
Frühmorgens bei der Erdbeerernte auf den Feldern vor Bermatingen. Beim Pflücken in den kleinen Wägelchen ist Konzentration gefragt, damit keine reife Beere übersehen und keine Pflanze beschädigt wird. | Bild: Helga Stützenberger

Erntehelfer aus Polen durften trotz Corona-Krise einreisen

„Jeden Morgen beginnen wir so gegen sechs Uhr“, sagt Bruno Stotz. Bis um die Mittagszeit wandere dann Beere um Beere in die Schälchen, welche wiederum unmittelbar und quasi noch feldwarm im Verkauf landen. Besonders froh sei er um seine Erntehelfer, die entgegen aller Befürchtungen nun doch aus Polen einreisen durften.

Natürlich hätte man auch auf die vielen solidarischen Helfer aus der Region zurückgegriffen. „Wir sind aber jetzt wirklich froh, dass wir unsere Leute wieder bei uns haben“, betont Bruno Stotz. Seit vielen Jahren schon kommen dieselben Saisonkräfte auf den Hof, sind versiert in dem, was sie tun. „Und sie sind zu so etwas wie einer Familie geworden“, sagt der Landwirt. Am Abend säße man oft beisammen, wäre da nicht Corona.

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Vor der Ernte ging es für die Helfer in Quarantäne

So laute die Maxime in dieser Ausnahmesituation auch für die Erntehelfer: Abstand. Und sind sie erst in Deutschland angekommen, steht zunächst eine zweiwöchige Quarantäne an. „Die Leute wohnen bei uns in Zweier- oder Dreiergruppen zusammen und arbeiten immer im selben Team“, sagt Bruno Stotz zu den Standards und den Vorschriften des Gesundheitsamtes.

Schmälert Corona den Erdbeer-Absatz?

Man merke zwar, dass die Touristen fehlen, aber dafür würden die Menschen, die hier leben, mehr Erdbeeren kaufen, hat Hermann Klotz festgestellt. „Man will sich‘s jetzt zuhause schön machen“, schlussfolgert der Landwirt aus Gangenweiler, der unter anderem einen Erdbeerstand vor dem Proma betreibt.

Am Erdbeerstand von Hermann Klotz vor dem Proma herrscht Hochbetrieb. Unterstützung beim Verkauf bekommt er von vielen motivierten Helfern, wie hier von Franziska und Patrizia Wagner.
Am Erdbeerstand von Hermann Klotz vor dem Proma herrscht Hochbetrieb. Unterstützung beim Verkauf bekommt er von vielen motivierten Helfern, wie hier von Franziska und Patrizia Wagner. | Bild: Helga Stützenberger

Ihm selbst fehlten zwar die Einnahmen aus der regionalen Gastronomie, die er ebenfalls beliefere, aber grundsätzlich könne er nicht klagen. „Wenn das Wetter gut ist, ist auch der Verkauf sehr gut“, zieht er Bilanz aus dem sonnigen April und dem Wochenende vor dem Muttertag.

Drei Erdbeer-Rezepte

Saisonaler Anbau: Erdbeeren werden bis Ende Juni geerntet

Mit der Natur wollen beide Landwirte gehen und legen Wert auf saisonalen Anbau. Keine Folientunnels also und keine Heizung. „Bei uns beginnt die Erdbeersaison eben erst gegen Ende April und ist Ende Juni einfach vorbei“, sagt Hermann Klotz. Dann kämen die Kirschen.

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Aber jetzt kommt erst einmal die Zeit seiner „Königin der Erdbeeren„. Als besonders süße und aromatische Sorte beschreibt Hermann Klotz die Sorte „Lambada“. Und sie gilt tatsächlich unter Kennern als die edelste unter den Beeren, die ja eigentlich keine sind, sondern zu den Nüssen zählen. Die vergangenen beiden Jahre seien seine „Lambada“-Beeren leider erschlagen worden. Von nussgroßen Hagelkörnern. Das sei eben höhere Gewalt.

Kleine Erdbeerkunde

Und für welchen Preis sind die ersten Erdbeeren des Jahres zu haben?

Gegen die Natur und ihre Launen ist bis jetzt kein Kraut gewachsen. Da sind sich Hermann Klotz und Bruno Stotz einig. Mit der Natur wollen sie arbeiten und setzen ganz auf naturnahen Anbau. „An den Erdbeeren kann dann schon mal etwas Sand sein“, sagt Hermann Klotz. „Viele Menschen wollen das aber nicht und kaufen deswegen lieber im Supermarkt.“ Die Konkurrenz sei groß, aber man spreche sich unter Kollegen schon ein bisschen mit den Preisen ab. Die ersten Erdbeeren des Jahres werden zwischen 3,60 und 3,90 Euro pro Pfund verkauft. Später sinken die Preise.

Saftig-süß und nach Sommer duftend kommen die Beeren in 500-Gramm-Schälchen vom Feld direkt an den Verkaufsstand.
Saftig-süß und nach Sommer duftend kommen die Beeren in 500-Gramm-Schälchen vom Feld direkt an den Verkaufsstand. | Bild: Helga Stützenberger

„Noch bis um Ostern herum wurden im Discounter spanische Erdbeeren für 99 Cent pro Pfund angeboten“, sagt Hermann Klotz. Dann kamen aufgrund der Pandemie keine dieser oft harten, geschmacklosen Früchte mehr nach. Jetzt gibt es nur noch die saftig-süßen, die nach Sommer und Kindheit und nach Omas Garten duften. Und diese regionalen Beeren unserer Landwirte haben einfach ihren berechtigten Preis.

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