Kunst, die nichts infrage stellt, so formulierte Anne Bösenberg in ihrer Rede, das sei fragwürdige Kunst. Ohne offene Fragen, ohne Neugier, ohne Rätsel sei sie allenfalls noch Dekoration. Bösenberg ist Bildhauerin, außerdem Kunst-Pädagogin. Am Freitagabend hat sie die Eröffnungsrede zur aktuellen Ausstellung „Traces to Climate“ des Kunstvereins in der Markdorfer Stadtgalerie gehalten. Dort sind Skulpturen und Bilder von Betty Beier zu sehen.

Ausstellung bis 30. Oktober in der Stadtgalerie

Die Ausstellung befasst sich mit den Spuren des Klimawandels aber auch den Folgen von Eingriffen in die Landschaft. „Traces to Climate“ ist bis zum 30. Oktober in der Stadtgalerie zu sehen. Die Ausstellung zeigt Fotografien, Zeichnungen und Erdschollen. So nennt Beier ihre flachen, quadratmetergroßen Gevierte, die sie in Urwäldern, auf Äckern oder Baugrundstücken aushebt, um sie dann aufwendig zu konservieren.

Detail aus einer Erdschollenarbeit von Betty Beier.
Detail aus einer Erdschollenarbeit von Betty Beier. | Bild: Jörg Büsche

Es war die zweite Vernissage des Vereins unter Corona-Bedingungen. Erneut hat sie nicht in den Galerieräumen stattgefunden, sondern dieses Mal im „Haus im Weinberg“. Sodass das Publikum ausschließlich auf seine Vorstellungskraft – und die Anschaulichkeit der von Anne Bösenberg vorgetragenen Laudatio angewiesen war.

„Bürgerschollen“ nennt Betty Beier jene Boden-Ausschnitte, auf denen sie Spuren menschlicher Zivilisation entdeckt.
„Bürgerschollen“ nennt Betty Beier jene Boden-Ausschnitte, auf denen sie Spuren menschlicher Zivilisation entdeckt. | Bild: Jörg Büsche

Überaus beeindruckt, ja angetan zeigte sich Dietmar Bitzenhofer im Anschluss an die Rede. Informativ, unterhaltsam, aufschlussreich sei die gewesen, so lobte der Bürgermeisterstellvertreter Anne Bösenberg.

Warnrufe „ganz ohne erhobenen Zeigefinger“

Bösenberg hatte zunächst Fragen gestellt: an die Arbeit, an die Methoden, aber auch an die Ziele und Wirkungen von Betty Beiers Kunst. Das akribische Herangehen, der ästhetische Wert, die Expertenschaft – etwa im Umgang mit Harzen – schilderte Bösenberg ebenso wie die Botschaften der Beier‚schen Erdschollen. Verheerungen im Regenwald spiegeln sie genauso wider wie die Folgen des Treibhauseffekts für Gletscher oder Permafrostböden. Es begegnen Anklagen, Warnrufe, „ganz ohne erhobenen Zeigefinger“, sagte Anne Bösenberg.

Andrea Kahlo-Ringendahl und Johannes Eckmann begleiten die Vernissage im „Haus im Weinberg“.
Andrea Kahlo-Ringendahl und Johannes Eckmann begleiten die Vernissage im „Haus im Weinberg“. | Bild: Jörg Büsche

Zu dieser Lakonie passte die Musik beim Vernissage-Abend im „Haus im Weinberg“. Andreas Kahlo-Ringendahl und Johannes Eckmann spielten unter anderem Kompositionen von Arvo Pärt und Ludwig van Beethoven – eindringlich, intensiv doch ohne jede Aufgeregtheit.

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