Uwe Achilles klingt keineswegs unzufrieden, wenn er über die Arbeit des Gemeinderats spricht. „Wir haben in den letzten Jahren einiges erreicht“, erklärt der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Rat. Achilles zählt die Kindergärten auf, ihre Entwicklung, ebenso die Veränderungen an der Eisenbahnstraße und Kreuzgasse oder das neue Gewerbegebiet.

Video: Jörg Büsche

Sorge über den städtischen Haushalt

Durchaus mit etwas Sorge schaut Achilles auf die Haushaltssituation der Stadt. „Nicht die Einnahmeseite, sondern die Ausgabenseite ist unser Problem“, zitiert er Kämmerer Michael Lissner. Mit der Rathaussanierung, den Grundschulen, den Aufgaben im Bildungszentrum, wo sich der Kostenanteil für den laufenden Betrieb zu Lasten der Stadt verdoppelt, sowie den derzeit laufenden Investitionen. Alles notwendig und richtig, aber mit einem erheblichen Kostenaufwand verbunden. Mit den Kindergärten und schließlich der Südumfahrung kämen weitere große Ausgaben auf die Stadt zu. Und der Lockdown in diesem Frühjahr habe die Finanzsituation noch zusätzlich verschärft.

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Achilles: Ehrlich machen und die Bürger informieren

„Die Stadt ist sicher nicht pleite und dies ist auch nicht zu befürchten! Wir als SPD sind dafür, sämtliche Posten zu prüfen.“ Dabei solle allerdings nicht der Rasenmäher eingesetzt werden, sondern ein umsichtig gezieltes Suchen nach Reduzierung der Ausgaben. Achilles erinnert an die Sparkommission in den 10er-Jahren. „Pflicht vor Kür“ heiße die gebotene Handlungsmaxime. „Da müssen wir uns ehrlich machen ­ und die Bürger informieren, damit diese die wirtschaftlichen Zwänge erkennen können.“ Alles stehe auf dem Prüfstand. Alles müsse ergebnisoffen diskutiert werden. Die Verwaltung habe hier schon ihre Wege zur Verbesserung der Einnahmen und Reduzierung der Ausgaben aufgezeigt, dies indes „mit Augenmaß und sozial vertretbar“, erklärt Achilles. Tabus dürfe es im ersten Aufschlag keine geben.

Gerade bei der Trendsportanlage am Bildungszentrum, die nun aufwändig modernisiert wird, will Achilles die Markdorfer Jugend nicht enttäuschen. Die SPD hatte einstimmig für die geplanten Investitionen in Höhe von 700 000 bis 800 000 Euro gestimmt.
Gerade bei der Trendsportanlage am Bildungszentrum, die nun aufwändig modernisiert wird, will Achilles die Markdorfer Jugend nicht enttäuschen. Die SPD hatte einstimmig für die geplanten Investitionen in Höhe von 700 000 bis 800 000 Euro gestimmt. | Bild: Jörg Büsche

Die Jugend ist dem Markdorfer SPD-Fraktionsvorsitzenden wichtig

Dass die Pläne für die Trendsportanlage nun nicht fallengelassen werden, hält Achilles für ein wichtiges Signal für die Jugendarbeit in der Stadt. Insbesondere an die gerichtet, die sich fürs Skater-Projekt engagiert haben. Ihnen ihr Tun jetzt als vergeblich erscheinen zu lassen, hielte Achilles für einen großen Fehler. Überhaupt legt er großen Wert auf politische Partizipation der Jugend. „Für mich spielt da keine Rolle, ob jemand nur in Markdorf zur Schule geht oder ob er auch hier wohnt.“ Entscheidend sei die Bereitschaft, in der Jugendvertretung mitzuarbeiten. Diesen Enthusiasmus dürfe man auf keinen Fall enttäuschen.

Die prekäre Frage nach künftigem Bauland

Sein Blick auf die Jugend bringt Achilles zu den Fragen der Zukunft: „Wie schafft es die Stadt Markdorf, Bauland bereitzustellen, damit darauf bezahlbarer Wohnraum entstehen kann?“ Dies sei ein Bereich, in dem sich die Stadt durchaus mehr engagieren könnte. Den Vorstoß der Freien Wähler, über eine städtische Wohnbaugesellschaft nachzudenken, begrüßt Achilles. Erste positive Erfahrungen in dieser Hinsicht habe man ja bereits gesammelt, mit den Häusern im Eigentum der Emil- und Maria-Lanz-Stiftung. Weiter nachgedacht werden müsse über die städtischen Baukonzepte. „Die Zeit der Einfamilienhäuser scheint mir vorbei zu sein“, findet Achilles mit Blick auf die Begrenztheit der noch zur Verfügung stehenden Flächen. „Wir werden uns künftig mit Doppel- und Reihenhäusern sowie mehr Geschosswohnungsbau anfreunden müssen“, prophezeit der Stadtrat.

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Achilles: Die Zuschussfrage sollte beim Rathaus keine Rolle spielen

Doch von den städtischen Randbereichen zur Innenstadt, zur Frage der Altstadtentwicklung: Die sei aus Achilles‚ Sicht eng an die Sanierung des Rathauses gebunden. Gleichwie, für die Innenstadtentwicklung rund ums Rathaus, von der die der Stadt gehörenden Nebengebäude ebenso berührt sind wie der Marktplatz, verlangt Achilles, dass die Finanzseite im Blick behalten wird. Er regt an, „über kleinschrittige Lösungen“ nachzudenken. Für den „großen Wurf dürften uns in den nächsten vier, fünf Jahren die nötigen Mittel fehlen“. Die Entscheidung zum Rathaus sei gefallen, dies auch demokratisch. „Das Rathaus muss fit für Zukunft gemacht werden“, lautet die Forderung von Achilles. Die Frage des in Aussicht stehenden Zuschusses fürs Sanierungsprojekt spiele da aus seiner Sicht nur eine untergeordnete Rolle. Wichtig sei, dass das Verwaltungsgebäude energetisch modernisiert werde und die Mitarbeitenden einen modernen Arbeitsplatz erhalten. Die sanitären Anlagen gehörten erneuert.

Kein Investorenmodell für den „Adler“

Ein Investorenmodell für den „Adler“ komme aus seiner Sicht nicht infrage. „Hier möchte ich eine deutliche Absage erteilen“, unterstreicht Achilles. Sollte sich zeigen, dass die Verwaltung doch keinen Bedarf hat, hält der SPD-Politiker auch eine Nutzung durch die Musikschule für möglich. Etwas überrascht zeigt sich der SPD-Fraktionschef von der Raschheit, mit der das neue Konzept für den Gasthof Adler während der jüngsten Ratssitzung präsentiert wurde. „Das war mir zu flott, um alle Details nachvollziehen zu können“, moniert Achilles. Überhaupt scheinen ihm die Entwurfskizzen „mit heißer Nadel gestrickt“. Grundsätzlich aber begrüßt er den Vorschlag, dass im „Adler“ nach Möglichkeit auch ein Gastronomiebetrieb untergebracht sein soll, unabhängig davon, ob dort auch Büroflächen für die Verwaltung eingerichtet werden oder nicht. „Das scheint mir auch die bessere Lösung als eine Gastronomie im Schlosshof, wo die Leute doch nicht unbedingt hinkommen.“

Insbesonders bei der Turnhalle gelte es jetzt zügig voran zu kommen, sagt Achilles.
Insbesonders bei der Turnhalle gelte es jetzt zügig voran zu kommen, sagt Achilles. | Bild: Jörg Büsche

Auch dies seien Punkte, die es genauer zu betrachten gelte. „Wie viel Bürofläche braucht die Verwaltung künftig?“ fragt Achilles. Telearbeit (Homeoffice) biete da unter Umständen neue Möglichkeiten. Dem derzeitigen Stand der Digitalisierung sei unbedingt Rechnung zu tragen. Achilles rechnet mit einem Digitalisierungsschub durch die Corona-Krise. Neue Formen des Arbeitens wurden in der Krise erprobt und hätten sich bewährt. In ein Gebäude „auf der grünen Wiese“ möchte Achilles die Verwaltung beziehungsweise Teile von ihr indes keinesfalls ausgelagert sehen. „Das lässt sich nicht mit meinem Verständnis von Bürgernähe vereinbaren“, erklärt der SPD-Stadtrat. Und der Zusammenarbeit im Rathaus wäre ein derartiger Spagat – Rathaus am Marktplatz, bestimmte Ämter weit draußen im Gewerbegebiet – aus seiner Sicht auch nicht gerade zuträglich.

Die Ansiedlung von Unternehmen, hier Conti-Temic im Gewerbegebiet Riedwiesen, sieht Uwe Achilles auch als einen Erfolg des Gemeinderats an.
Die Ansiedlung von Unternehmen, hier Conti-Temic im Gewerbegebiet Riedwiesen, sieht Uwe Achilles auch als einen Erfolg des Gemeinderats an. | Bild: Jörg Büsche

Achilles: Keine Kürzungen im Schul- und Bildungsbereich

In Zeiten der Rezession sieht Achilles zwar die Notwendigkeit zum Ausgabenkürzen. Möglichst wenig betroffen sein sollte aus seiner Sicht jedoch der Bereich Bildung: die geplanten Schul- und Kindergarten-Projekte der Stadt. Ganz wichtig in diesem Zusammenhang sei die Turnhalle an der Jakob-Gretser-Grundschule. „Egal, wie die Lösung aussieht, wir brauchen in absehbarer Zeit eine angemessene, zeitgemäße Turnhalle für die Kinder an der Gretser-Grundschule“, fordert Achilles. Das sei man Schülern, Lehrern und Eltern schuldig. „Da müssen wir allmählich in die Puschen kommen, ansonsten machen wir uns als Gremium unglaubwürdig“, sagt er über den Gemeinderat. Die demokratisch gefällte Entscheidung zum dritten Grundschulstandort im Süden der Stadt akzeptiere die SPD-Fraktion. „Bis am dritten Schulstandort die ersten Bagger anrücken, dauert es mindestens noch zwei, drei Jahre.“ Zwei, drei Jahre, in denen sich auch zeige, wie sich die Markdorfer Kinderzahlen weiterentwickeln.

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