Normalität hat noch keine geherrscht am Pfingstwochenende. Dafür schränken die im Rahmen der Covid-19-Pandemie getroffenen Maßnahmen den Alltag – und die Festtage – noch immer viel zu sehr ein. Doch haben sich auch in Markdorf die Zeichen einer gewissen Entspannung gemehrt. Anders als noch zu Ostern waren nun größere Spaziergänger-Gruppen unterwegs. Auch waren Lokale wieder offen, sodass insbesondere in deren Außenbereichen das Bild einer gewissen Unbeschwertheit entstehen konnte.

Beliebter Treffpunkt für Markdorfer, aber auch für Radwanderer aus der Region ist der Latschebrunnen vor der Krone.
Beliebter Treffpunkt für Markdorfer, aber auch für Radwanderer aus der Region ist der Latschebrunnen vor der Krone. | Bild: Jörg Büsche

In den Wiesen im Süden der Stadt gehen die Spaziergänger, genießen den Anblick der Blumen, den grell rot blühenden Mohn, der hier zum satten Grün der Felder kontrastiert. Ganze Gruppen treffen sich zum Ausflug. Munteres Plaudern, keine Spur von Corona-Sorgen. Zu schön ist der Vormittag, um ihn mit Krisen-Stimmung zu belasten. Und solche heiteren Szenen begegnen viele an diesem Wochenende.

Zu Pfingsten durch die Wiesen vor den Toren der Stadt.
Zu Pfingsten durch die Wiesen vor den Toren der Stadt. | Bild: Jörg Büsche

Vor der Eisdiele finden sich Familien ein. Kinder ordern, was sie in ihrer Waffel haben möchten.

Lassen sich ihr Eis schmecken: Ole, Oliver und Paul.
Lassen sich ihr Eis schmecken: Ole, Oliver und Paul. | Bild: Jörg Büsche

Ausflügler aus dem Umland gönnen sich das Süß-Gefrorene als Belohnung für die Anfahrt. So wie zum Beispiel Claire Geyer und Roswitha Pfitzer, die den Weg aus Immenstaad per Velo gefahren sind.

Claire Geyer und Roswitha Pfitzer aus Immenstaad gönnen sich ein Eis in Markdorf.
Claire Geyer und Roswitha Pfitzer aus Immenstaad gönnen sich ein Eis in Markdorf. | Bild: Jörg Büsche

Schlange stehen heißt es indes nicht nur beim Eismann. Gleichfalls begehrt sind die frischen Erdbeeren, die es in der Marktstraße gibt, aber auch draußen in der Senke vor Ittendorf. „Am liebsten ganz ohne alles“ mag Francesca Morello die süßen Früchte.

Hat sich Erdbeeren gekauft: Francesca Morello, die sie am liebsten einfach so isst.
Hat sich Erdbeeren gekauft: Francesca Morello, die sie am liebsten einfach so isst. | Bild: Jörg Büsche

Manuela Readon hingegen will sie auf frische Waffeln legen. „Dazu gibt es dann noch Schlagsahne“, erklärt sie, bezahlt und ist schon wieder auf dem Weg nach Hause.

Manuela Readon hat Erdbeeren gekauft, um damit Waffeln zu belegen.
Manuela Readon hat Erdbeeren gekauft, um damit Waffeln zu belegen. | Bild: Jörg Büsche

In Kornwestheim sind Jasmin und Steffen Wolf zu Haus. Sie haben sich auf dem Campingplatz im Osten der Stadt eingemietet. „Wir kommen jetzt schon seit 2013 auf den Wirthshof“, erklärt die junge Frau.

„Dank Home-Office und Home-Schooling konnten wir uns dieses Mal ein paar Tage mehr hier gönnen“, erklärt Steffen Wolf. Warum nicht vom Camping-Platz aus arbeiten? Im Grunde sei es wie immer – trotz Corona. Nur im Sanitärbereich des Platzes gelten strenge Maßregeln.

Jasmin und Steffen Wolf aus Kornwestheim kommen schon seit Jahren auf den Markdorfer Campingplatz – so wie auch nun in den Pfingstferien.
Jasmin und Steffen Wolf aus Kornwestheim kommen schon seit Jahren auf den Markdorfer Campingplatz – so wie auch nun in den Pfingstferien. | Bild: Jörg Büsche

Solche Strenge scheint droben unterhalb des Gehrenbergs bei der Grillhütte am Schweppenen eher passé. Hier sitzen Familien, feiern. Kinder tollen übers Grün. Erwachsene essen das frisch Gegrillte, reden – in vielen unterschiedlichen Sprachen. Der Duft des Essens weht. Munteres Rufen tönt. Hier oben scheint dieser Pfingstsonntagnachmittag wie jeder andere in den Jahren davor.

An der Grillhütte Schweppenen sind Nicolae Pirvu und Luca beschäftigt.
An der Grillhütte Schweppenen sind Nicolae Pirvu und Luca beschäftigt. | Bild: Jörg Büsche

Und noch ein Stück weiter da arbeiten sich Mountainbiker die steilen Hänge empor – in Gruppen, einzeln – um hernach in rasender Abfahrt downhill zu preschen. Jürgen Strobel aus dem Ravensburgischen erklärt, dass die Strecke am Gehrenberghang auf einer Biker-App empfohlen ist. Er zeigt sich ganz begeistert von den Möglichkeiten hier im Wald von Markdorf.

Jürgen Strobel zieht es an den Gehrenberg.
Jürgen Strobel zieht es an den Gehrenberg. | Bild: Jörg Büsche

Schon anders, weniger unbeschwert ist der Eindruck für den, der die St.Nikolaus-Kirche betritt, um den Wortgottesdienst mitzufeiern. Gleich beim Eingang steht ein Desinfektionsmittelspender und die Besucher werden von Angelika Websky und Maria Stump gebeten, sich die Hände zu desinfizieren. Die Frauen weisen dann den Gottesdienstbesuchern einen Platz in den Bankreihen zu, wo Abstand herrscht.

Maria Stump und Angelika Websky kümmern sich um die Einhaltung der Corona-Auflagen in der Kirche.
Maria Stump und Angelika Websky kümmern sich um die Einhaltung der Corona-Auflagen in der Kirche. | Bild: Jörg Büsche

Ganze Bankreihen sind durch ein weiß-rotes Flatterband gesperrt. Und in den Reihen darf nur alle anderthalb- zwei Meter jemand sitzen. Es sei denn, er ist mit seiner Familie da. Verwandte dürfen auch in Gruppen der Bibellesung und der Predigt lauschen, beten – aber nicht singen. Das bleibt verboten. Zu groß ist die Gefahr, dass sich in die beim Ausatmen entstehenden Aerosole die gefürchteten Viren mischen – und andere Menschen anstecken.

Strenge Abstandsregeln in der Kirche.
Strenge Abstandsregeln in der Kirche. | Bild: Jörg Büsche

Immerhin aber spielt Kirchenmusiker Johannes Tress die Orgel. Und eine kleine Abordnung des Kirchenchors, nicht einmal eine Handvoll, hat sich außerdem auf der Empore eingefunden, um Lob und Preis zu singen. Ein überaus ungewohntes Erlebnis – in diesen Zeiten, da alle Musik nur noch aus der Konserve kommt. Da sonst Selbstverständliches vermisst wird. Und da selbst Kindern das Anstimmen von Liedern untersagt ist. Der Eindruck mag trügen, aber die Zuhörer in den Kirchenbänken in St. Nikolaus wirkten besonders andächtig.

Gottesdienst in der St.-Nikolaus-Kirche mit großem Abstand zwischen den Besuchern.
Gottesdienst in der St.-Nikolaus-Kirche mit großem Abstand zwischen den Besuchern. | Bild: Jörg Büsche

Dass Pfarrer Ulrich Hund das Thema Corona-Krise ansprach, verstand sich von selber. Zu einschneidend die Beschränkungen, zu groß mitunter die Belastungen für jene, die zur Risikogruppe zählen – und nun abgeschnitten sind vom gewohnten Miteinander. Pfarrer Hund erwähnte die vielen guten Ideen und Angebote, die den besonders Betroffenen Erleichterung verschaffen sollen.

Er lobte auch die Kreativität der Helfer. Ebenso wie der den Einfallsreichtum jener Gemeindemitglieder hervorhob, die mit ihren Texten, Botschaften, Nachrichten Glaubensinhalte und Zuversicht nach draußen trugen – durch Zettel, durch Blätter für die während der Coronakrise an ihr Haus Gefesselten.

Die Gottesdienste sind gut besucht

Die Brücke zu aktuellen Themen sollte am späten Nachmittag dann auch Pfarrerin Kristina Wagner schlagen bei ihrer Predigt im großen Saal des „Hauses im Weinberg“. Beim Gottesdienst am Morgen waren fast alle der möglichen Plätze im des Gemeindehaus der Markdorfer Protestanten besetzt gewesen.

Predigte im Haus im Weinberg: Pfarrerin Kristina Wagner.
Predigte im Haus im Weinberg: Pfarrerin Kristina Wagner. | Bild: Jörg Büsche

Wind, Atem, Geist begegneten im Brausen, im Sturm, von dem die Apostelgeschichte im Abschnitt über Pfingsten berichtet, so die Pfarrerin. Gefeiert werde die Kirchengründung. Gefeiert werde zudem die Ausgießung des Geistes. Gott erscheine im Feuer wie auch im Sturm. Mit seinem Atem erst mache er den Menschen zum Menschen.

Hilde und Michael Geisel haben den evangelischen Pfingstgottesdienst mit ihrem Gesang begleitet.
Hilde und Michael Geisel haben den evangelischen Pfingstgottesdienst mit ihrem Gesang begleitet. | Bild: Jörg Büsche

„An Pfingsten feiern wir auch das Fest des göttlichen Atems“, die Schöpfung, den Geist und die Sprache betonte Pfarrerin Wagner. Wie gefährdet das Atmen sein kann, das zeige indes die gegenwärtige SARS-CoV-Krise.

Kristina Wagner erwähnte aber auch die tödliche Atemnot jenes jüngst bei einem Polizei-Einsatz in den USA erstickten Verdächtigen, dessen „Ich kann nicht atmen“ ungehört geblieben war – ein Signal für gefährlichen Un-Geist. Hier unterstrich die Pfarrerin, wie wichtig Einfühlung, Verständigung, Sprache überhaupt und wechselseitiges Zuhören ist. Auch das sei wichtiger Teil der Pfingstbotschaft.

Auch im Park an der Pestalozzi-Straße lässt es sich an den Pfingsttagen aushalten.
Auch im Park an der Pestalozzi-Straße lässt es sich an den Pfingsttagen aushalten. | Bild: Jörg Büsche

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