Sie sind wieder da! Und sie werden gefeiert. So stellte es sich zumindest nach der jüngsten Premiere dar. Nach der „Currywurst mit Pommes“-Inszenierung in der Markdorfer Stadthalle war der Beifall für die Schauspieler, für den Regisseur, überhaupt für alle Beteiligten aus der Theatergruppe „kreuz & quer“ so langanhaltend wie laut. Das Publikum war begeistert, am Ende restlos überzeugt – auch vom Stück. Von der Komödie, die Frank Pinkus und Nick Walsch geschrieben haben. Und die das Markdorfer Ensemble leicht verändert hat. Etliche Szenen wurden gestrichen. Außerdem wurde der Schauplatz des Geschehens in die Region verlegt.

Stätten der Begegnung

Gasthaus, Marktplatz, Wartehalle, Hotel – wie oft schon tauchten solche Stätten in der Literatur auf? Sind es doch Stätten der Begegnung, des zufälligen, des unverhofften Zusammentreffens. Wo sich Schicksale berühren, Lebenswege kreuzen. Wo sich in Stücken, in Romanen Abenteuerliches ebenso oft entwickelt, wie sich zarte Bande verknüpfen. Doch ein Rastplatz? Genauer, die Imbissbude darauf? Taugt solch ein Ort ebenfalls, um menschliches Miteinander darzustellen? Ist der kurze Halt an der Autobahn nicht doch allzu knapp? Und was lässt sich aus der hingeschleuderten Bestellung – dreimal Pommes, zwei Fanta – auf der Bühne machen?

Tatjana Strohmaier, Birgit Zimmermann und Helga Stortz als Nonnen, die unterwegs zur Papst-Audienz sind.
Tatjana Strohmaier, Birgit Zimmermann und Helga Stortz als Nonnen, die unterwegs zur Papst-Audienz sind. | Bild: Jörg Büsche

Das Brummen und Brausen täuscht. Aber es gehört zu den vielen guten Einfällen, oft winzigen Details, die die Szenerie an der Autobahn 81 zusätzlich unterfüttern. Nicht während des gesamten Spiels dröhnen Motoren – herannahend, sich entfernend, brummend in allen Variationen. Der Fahrzeuglärm vom Band ebbt ab, wenn das Spiel beginnt. Den Auftakt macht Herbert, gespielt von Sigurd Häusler. Ein Mann ohne Obdach, ohne Arbeit, aber mit Sinn für klare Sternennächte. Er singt: von der „Hansi-Bar“ – so heißt die Imbissbude in dem Stück – und von der Currywurst, die es dort gibt. Natürlich gibt es auch Frikadellen und Pommes frites. Vor allem gibt es aber Anteilnahme, Zuwendung und sehr viel Menschlichkeit.

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Harald Eilers, der Regisseur, und Petra Reim-Bergmann, spielen hier lästige Journalisten.
Harald Eilers, der Regisseur, und Petra Reim-Bergmann, spielen hier lästige Journalisten. | Bild: Jörg Büsche

Die nämlich zieht sich wie ein roter Faden durchs gesamte Stück. Es ist Penny, eigentlich Penelope, die von Kornelia Fandel gespielte Besitzerin des Imbissstands, die nicht nur für Herbert warme Worte zum heißen Kaffee findet. Sie nimmt überhaupt Anteil. Wenn missgelaunte Ehemänner ihre Lieben tyrannisieren. Wenn Vorstadtgigolos den großen Max markieren. Oder wenn es am Imbissstand zur Schießerei kommt. Gespielt zwar nur, die gute Penny dennoch nachhaltig erschreckend. Obgleich das beteiligte Paar versichert, dass dies nur eine Probe sei auf dem Weg zum Filmset.

Penny und Herbert, Kornelia Fandel und Sigurt Häusler, haben eine ganz besondere Beziehung im Stück. Bilder: Jörg Büsche
Penny und Herbert, Kornelia Fandel und Sigurt Häusler, haben eine ganz besondere Beziehung im Stück. Bilder: Jörg Büsche | Bild: Jörg Büsche

Ohne Frage ist „Currywurst mit Pommes“ eine Komödie, doch eine mit melancholischen Untertönen. Beim raschen Halt auf dem Rastplatz vergessen die Personen des Stücks – und es sind viele Rollen, die das Ensemble besetzt – ihre Wünsche, Träume, Probleme nicht. Das Pendel schlägt zurück vom ins Seniorenheim abgeschobenen Großvater zu dessen neuer Liebschaft und dem gemeinsamen Durchbrennen in der zweiten Hälfte des Stücks. Ein Beispiel von mehreren ist dies. Denn es begegnen verliebte Nonnen, Mauerblümchen, die sich in kommende Theaterstars verwandeln. Und selbst der griesgrämige Familientyrann zeigt zum Ende seine gute Seite.

Feuer für Schwester Horatia, Helga Stortz, gibt hier Kornelia Fandel als Penny im Stück.
Feuer für Schwester Horatia, Helga Stortz, gibt hier Kornelia Fandel als Penny im Stück. | Bild: Jörg Büsche

All das ist gut gespielt. Mit Hingabe, ja mit Leidenschaft. Da darf ein jeder mal so richtig aus sich heraus oder aber die ganz tiefen Gefühlslagen gründlich ausloten. Vermutlich haben sich die Schauspieler bei diesem Stück gegenseitig angesteckt mit ihrer Spiellust. Wie gesagt: „kreuz & quer“ ist wieder da. Und das Ensemble hat Erwartungen geweckt für die nächste Inszenierung.