Es wird wieder gesungen, gelacht, gespielt und gewerkelt: Nach monatelanger Stille und Ausnahmezustand ist es seit Montag wieder so weit – die Türen der Kindergärten stehen für alle Kinder offen.

Im Pestalozzi Kindergarten in der gleichnamigen Straße in Markdorf ist nach monatelangem reduzierten Regelbetrieb wieder Leben eingekehrt.
Im Pestalozzi Kindergarten in der gleichnamigen Straße in Markdorf ist nach monatelangem reduzierten Regelbetrieb wieder Leben eingekehrt. | Bild: Julia Leiber

Christine Karrer, Leiterin des Markdorfer Pestalozzi Kindergartens, ist die Freude darüber anzusehen. Sie strahlt. „Unsere Räume sind wieder voller Leben“, sagt sie.

Fast alle Kinder sind im Pestalozzi Kindergarten da. Eltern, die vorerst noch abwarten wollen und ihre Kinder zuhause betreuen möchten, sind die Ausnahme. Dies seien sehr wenige Einzelfälle, sagt Christine Karrer, Leiterin der Einrichtung.
Fast alle Kinder sind im Pestalozzi Kindergarten da. Eltern, die vorerst noch abwarten wollen und ihre Kinder zuhause betreuen möchten, sind die Ausnahme. Dies seien sehr wenige Einzelfälle, sagt Christine Karrer, Leiterin der Einrichtung. | Bild: Julia Leiber

Für die Kinder sei es etwas Besonderes, wieder kommen zu dürfen. Karrer stellt fest:

„Sie haben noch mehr Freude als sonst.“
„Sie haben noch mehr Freude als sonst.“ | Bild: Julia Leiber

Etwa 98 Prozent der 135 Kinder sind wieder da. Für viele Eltern sei das eine große Entlastung. „Die Eltern haben Großes geleistet. Sie waren während der Schließung sehr kulant und es war ein gutes Miteinander.“

Das könnte Sie auch interessieren

Großer organisatorischer Aufwand

So groß die Freude von Kindern, Erzieherinnen und Eltern auch ist. Der Alltag im Kindergarten sei immer noch eingeschränkt, sagt Karrer. Für die Kinder seien die neuen Regeln wie häufiges Händewaschen aber das kleinste Problem. Sie wüssten zwar, dass es Corona gibt, „aber sie spielen einfach so wie immer“, sagt Karrer.

Fisch oder Frosch: Je nach Gruppe waschen im Pestalozzi Kindergarten die Kinder im linken oder rechten Waschbecken ihre Hände.
Fisch oder Frosch: Je nach Gruppe waschen im Pestalozzi Kindergarten die Kinder im linken oder rechten Waschbecken ihre Hände. | Bild: Julia Leiber

Für das Kindergarten-Team ist die Arbeit hingegen mit Mehraufwand verbunden. Laut Vorgabe der Corona-Landesverordnung sollten Gruppen nicht vermischt, sondern getrennt werden.

Jedes Kind in einer festen Gruppe

Daher wurde die Ganztagesgruppe aufgeteilt und jedes Kind ist in einer festen Gruppe. Kontakt zu anderen Kindern außerhalb der Gruppe wird so vermieden. Es werde versucht, dass ein geregelter Tagesablauf dennoch eingehalten wird.

Außerdem müssen Tische und die Garderoben öfters desinfiziert oder mit Spülmittel gereinigt werden. Auch das Geschirr aus der Puppenecke wird täglich gespült.

Um Kontakte zu vermeiden, wurde die zulässige Personenanzahl im Garderobenbereich auf eine Familie beschränkt.
Um Kontakte zu vermeiden, wurde die zulässige Personenanzahl im Garderobenbereich auf eine Familie beschränkt. | Bild: Julia Leiber

Sing- und Bewegungsspiele sollten laut der Verordnung der Landesregierung möglichst nicht im Innenbereich durchgeführt werden. Dies ist eine Empfehlung, keine Vorschrift. Denn die Umsetzung gestalte sich schwierig, da Singen ein wichtiges Grundelement im Kindergarten und bei festen Ritualen im Morgenkreis nicht wegzudenken sei, erläutert Karrer.

Die fröhlich bunten Gummistiefel werden bei schlechtem Wetter wieder genutzt.
Die fröhlich bunten Gummistiefel werden bei schlechtem Wetter wieder genutzt. | Bild: Julia Leiber

Garten in zwei Bereiche unterteilt

Nicht nur drinnen, auch draußen sind einige Dinge anders als früher. Der Garten ist in zwei Bereiche unterteilt, in einen oberen und untereren Garten, wie Karrer es bezeichnet.

Der Garten im Pestalozzi Kindergarten wurde mit Absperrbändern in zwei Bereiche aufgeteilt, damit die Kinder nicht aus verschiedenen Gruppen aufeinandertreffen.
Der Garten im Pestalozzi Kindergarten wurde mit Absperrbändern in zwei Bereiche aufgeteilt, damit die Kinder nicht aus verschiedenen Gruppen aufeinandertreffen. | Bild: Julia Leiber

„Trotzdem kann nicht jede Gruppe jeden Tag in den Garten. Da sind Alternativen und Kreativität gefragt wie in den Wald oder Spazieren gehen“, sagt die Leiterin des Markdorfer Kindergartens.

Zu ihren größten Sorgen gehört, dass der Kindergarten nochmal geschlossen wird. „Das wäre der Super-GAU“, sagt die Kindergartenleiterin. Sie hofft, dass die Einschränkungen nicht noch das ganze Kindergartenjahr andauern und wieder Feste mit Eltern und Kindern gefeiert werden können.

Das könnte Sie auch interessieren

Gute Kommunikation macht es einfacher

Bis es soweit ist, setzt Katharina Lissner, Leiterin des Kindergartens St. Elisabeth, auf gute Absprachen untereinander, um den Regelbetrieb unter Corona-Bedingungen zu meistern. „Wenn alle im positiven Sinne zusammenarbeiten, sind die Regeln gut einzuhalten“, sagt sie.

Es seien zwar weniger Erzieherinnen im Haus, aber „an den Geräuschpegel im Kindergarten muss man sich erst wieder gewöhnen, da es nun lange still war“, sagt sie und lächelt.

Wie im Pestalozzi Kindergarten gibt es im Garten des St. Elisabeth Kindergartens getrennte Bereiche, die mit Absperrband voneinander getrennt sind. So ist für jede Gruppe Platz mit Abstand. Damit keine Langeweile aufkommt, wird abgewechselt, dass gruppenweise an verschiedenen Tagen Fahrzeuge, die Schaukel oder der Sandkasten benutzt werden können.
Wie im Pestalozzi Kindergarten gibt es im Garten des St. Elisabeth Kindergartens getrennte Bereiche, die mit Absperrband voneinander getrennt sind. So ist für jede Gruppe Platz mit Abstand. Damit keine Langeweile aufkommt, wird abgewechselt, dass gruppenweise an verschiedenen Tagen Fahrzeuge, die Schaukel oder der Sandkasten benutzt werden können. | Bild: Julia Leiber

Oberste Regel für die Kinder morgens nach dem Kommen sei, sich die Hände zu waschen. Auf den Toilettentüren wurden grüne, rote und gelbe Punkte angebracht, damit jedes Kind weiß, welche Toilette es benutzen soll.

Rote und grüne Punkte an den Toilettentüren zeigen, wo die Kinder anhand ihrer Gruppenfarbe die Toilette benutzen sollen.
Rote und grüne Punkte an den Toilettentüren zeigen, wo die Kinder anhand ihrer Gruppenfarbe die Toilette benutzen sollen. | Bild: Julia Leiber

Wunsch nach gemeinsamer Betreuung

Eine weitere große Veränderung sei, dass die Kinder nicht mehr gruppenübergreifend betreut werden können, sondern nur gruppenintern.

Im St. Elisabeth Kindergarten dürfen an jedem Tisch weniger Kinder als vorher zusammen essen. Jede Gruppe hat ihren eigenen Essensbereich.
Im St. Elisabeth Kindergarten dürfen an jedem Tisch weniger Kinder als vorher zusammen essen. Jede Gruppe hat ihren eigenen Essensbereich. | Bild: Julia Leiber

Gegessen wird in verschiedenen Essensbereichen, die räumlich voneinander abgetrennt wurden. Dabei hat jede Gruppe zwei feste Erzieherinnen. „Mein Wunsch ist, dass wir wieder mindestens zwei Gruppen zusammen betreuen können“, sagt Lissner. Kinder würden davon profitieren, wenn sie Spielpartner außerhalb der eigenen Gruppe und Kontakt mit anderen Erzieherinnen hätten.

Wieder etwas los: Im St. Elisabeth Kindergarten wird wieder im Garten gespielt. Vorerst allerdings nur mit Kindern aus der eigenen Gruppe, damit sich die Gruppen nicht vermischen und das Risiko einer Ansteckung gering bleibt.
Wieder etwas los: Im St. Elisabeth Kindergarten wird wieder im Garten gespielt. Vorerst allerdings nur mit Kindern aus der eigenen Gruppe, damit sich die Gruppen nicht vermischen und das Risiko einer Ansteckung gering bleibt. | Bild: Julia Leiber

Eingewöhnung von neuen Kindern möglich

Auch neue Kinder können nun wieder eingewöhnt werden, da dies im März, April und Mai nicht möglich war. Damit die Eltern die Kinder nicht draußen suchen müssen und Kontakt zu anderen Eltern gemieden wird, seien alle Kinder zur Abholzeit in den Räumen.

Eltern müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen und die Hände desinfizieren, bevor sie den St. Elisabeth Kindergarten betreten. Die Terrassentür ist nun der Ausgang.
Eltern müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen und die Hände desinfizieren, bevor sie den St. Elisabeth Kindergarten betreten. Die Terrassentür ist nun der Ausgang. | Bild: Julia Leiber

Zudem wurde die Terrassentür zum Ausgang umfunktioniert, weil der normale Eingang zu schmal wäre.

Das könnte Sie auch interessieren

Trotz allen Einschränkungen seien die Eltern glücklich, dass alle Kinder wieder betreut werden und die Erzieherinnen froh, nach der langen Schließung der Kindergärten ihrem Beruf nachgehen zu können.

Am Eröffnungstag sagte ein Kind zu Lissner: „Jetzt kann ich endlich wieder schaukeln.“

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €