Zum Gottesdienst am 10. Mai, 19 Uhr, so heißt es im jüngsten Pfarrblatt der Seelsorgeeinheit Markdorf, „sind ausdrücklich alle eingeladen“. Solche Ausdrücklichkeit könnte irritieren. Gehört die Offenheit der Kirche doch zu den Selbstverständlichkeiten. Im Haus des Herrn sind alle willkommen. Es sei denn, sie wollen einen Segen empfangen und sie leben in einer besonderen, in einer nach offizieller Lehre problematischen Situation. Zum Beispiel in einer homosexuellen Liebesbeziehung, die aus Sicht der vatikanischen Glaubenskongregation als nicht der Ordnung entsprechend, deshalb auch als unmoralisch gilt.

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„Wir hier an der Basis erleben das anders“, erklärt Stefania Menga. Die Gemeindereferentin spricht fürs gesamte sechsköpfige Seelsorgeteam – für den Pfarrer, für die Pastoralreferenten, für den Diakon und für den Vikar. Wenn sie mit den Menschen in den sechs Pfarreien der Seelsorgeeinheit sprechen, hörten sie, so berichtet Stefania Menga, dass niemand ausgegrenzt werden soll, egal wie er, wie sie sexuell orientiert ist.

Regenbogen als Hoffnungszeichen

Nicht umsonst findet der Segnungsgottesdienst erneut auch unterm Zeichen des Regenbogens statt. Denn den hat sich die LGBTQ-Gemeinschaft (hierzulande LSBTI für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen) als Symbol ausgewählt. „Deshalb auch der 10. Mai“, erklärt Pfarrer Ulrich Hund. Der Regenbogen als Hoffnungszeichen nach der Sintflutkatastrophe weise auch auf Noah, den Erbauer der rettenden Arche, an den der ökumenische Heiligenkalender erinnert.

Im vergangenen Jahr war die Kirche beim Segnungsgottesdienst für alle nur so voll, wie es die Coronaverordnung erlaubte. Dieses Mal rechnen Hund und Menga mit mehr Besuchern. Schließlich kommen nicht nur gleichgeschlechtliche Paare, um den Segen zu empfangen. „Noch mal, wir segnen alle“ betont Menga: alle Paare, aber auch Einzelne oder ganze Familien. Soll doch durch den Segen doch Gutes vermittelt werden – Leben, Heil oder Glück. Und wem könnte das verwehrt werden. Im Neuen Testament ist nie von Ausnahmen die Rede. Jesus schließe niemanden aus.

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Kritik hat es trotzdem gegeben. Pfarrer Hund berichtet von einer ablehnenden Stimme in der gesamten Seelsorgeeinheit. Nur eine Person habe sich gegen den den Segnungsgottesdienst für alle ausgesprochen. Eines ist Stefania Menga und Ulrich Hund wichtig. „Es geht es um den Segen für alle und nicht um irgendwelche Showeffekte.“