Scheren, Pinsel, Stifte – alles da, auch Pappe, Papier, Karton in allen Größen und Formaten. Fürs Fach Bildende Kunst findet sich sämtliches Arbeitsmaterial in den Magazin-Schränken der Kunsträume im Markdorfer Bildungszentrum (BZM). Und wenn Carmen Dollmann und Carolin Engels von ihren Schätzen sprechen, dann tun die beiden Kunstlehrerinnen das mit leuchtenden Augen.

Das könnte Sie auch interessieren

Dieses Leuchten schwindet allerdings, wenn die beiden Kunstpädagoginnen von den besonderen Herausforderungen ihres Faches während der mehrmonatigen Lockdown-Phase während der Corona-Pandemie berichten. Thema des Projekts: „Living in a box“ – das Leben in einer Kiste.

Bildende Kunst schwierig im Homeschooling

„In Englisch, in Mathe oder in Deutsch lassen sich ohne weiteres Aufgaben stellen“, erklärt Carmen Dollmann. Der Unterricht im Fach Bildende Kunst könne das hingegen nicht so einfach leisten. Weil nur die wenigsten Schüler das notwendige Arbeitsmaterial zu Hause haben. Papier mag sich noch finden, Wasserfarben und Buntstifte auch, doch was es für den Linoldruck braucht oder zum plastischen Gestalten, das finde sich in so gut wie keinem Kinder- oder Jugendzimmer, wissen die Lehrerinnen.

Die Entbehrungen des Lockdowns in einer Kiste

Aus der Not heraus haben die beiden Realschullehrerinnen eine Tugend gemacht. „Wir haben uns ganz auf die Findigkeit unser Schüler verlassen“, erklärt Carolin Engels. Und findig wurden die Realschüler in Kellern, Kühl- und Besenschränken.

Das könnte Sie auch interessieren

Dort nämlich sollten sie Schachteln suchen – gleich in welcher Größe. Das Spektrum reicht von der Versandbox über den Tetrapack für Milch über den Quark-Behälter bis hin zur Streichholzschachtel. „Da drin“, so Dollmann, „sollte in 3-D gezeigt werden, was die Schüler während des Lockdowns vermissen beziehungsweise was sie sich wünschen oder wie es ihnen geht, wenn sie den ganzen Tag zu Haus sein müssen.“

Der Blick nach draußen, das Weltall, Freunde treffen, wieder auf Reisen gehen: Die Pappschachtel als Medium für Schülerwünsche.
Der Blick nach draußen, das Weltall, Freunde treffen, wieder auf Reisen gehen: Die Pappschachtel als Medium für Schülerwünsche. | Bild: Jörg Büsche

„Das große Warten“ steht vor der Familie in Rückenansicht. Sie blickt auf einen See. Hier hieß das Thema „Reisen“. Eine andere Kiste zeigt ein Kinderzimmer. In einer Ecke sitzt ein Junge vor einem Bildschirm und spielt Videospiele. „Suche nach einem Freund“ lautet hier das Motto. Es gibt Disco-Szenen, fastnachtfeiernde Kaujohle und Kletterpark-Besucher, aber auch ein Kind hinter Gittern. Die eindrucksvollen kleinen Kunstwerke sind inzwischen im BZM ausgestellt. Verdient hätten sie aber gewiss auch einen Platz, der allen Markdorfern offen steht.