Die Auswirkungen der Corona-Pandemie, des Ukraine-Kriegs sowie die Inflation machen sich allenthalben bemerkbar. Alles wird teurer, derzeit besonders Gas und Strom. Mit Blick auf Herbst und Winter gibt es Appelle, man solle sich auf weitere kräftige Preissteigerungen einstellen und Energie sparen.

Drückt das schon auf die Urlaubsstimmung? Wie ist die Situation im Gebiet der Tourismusgemeinschaft Gehrenberg-Bodensee, zu dem die Stadt Markdorf und die benachbarten Gemeinden Bermatingen, Deggenhausertal und Oberteuringen zählen? Sylvia Westermann, Geschäftsführerin der Tourismusgemeinschaft und Leiterin der Touristinformation in Markdorf, kann diese Vermutung nicht bestätigen. „In der Ferienlandschaft Gehrenberg-Bodensee sind unsere Kontingente bis Mitte August ausgebucht. Danach gibt‘s wieder was.“

Sylvia Westermann ist Geschäftsführerin der Tourismusgemeinschaft Gehrenberg-Bodensee, zu deren Gebiet Markdorf, Bermatingen, ...
Sylvia Westermann ist Geschäftsführerin der Tourismusgemeinschaft Gehrenberg-Bodensee, zu deren Gebiet Markdorf, Bermatingen, Deggenhausertal und Oberteuringen zählen. | Bild: Jörg Büsche

Die Urlaube in der Ferienlandschaft Gehrenberg-Bodensee seien schon vergangenes Jahr oder Anfang des Jahres gebucht worden, sagt Westermann. Immer wieder gebe es kurzfristige Anfragen. Und ja, man könne schon sagen, dass Touristen – darunter viele Familien und Hundebesitzer – die Möglichkeiten des Hinterlandes zu schätzen wissen, abseits des Trubels direkt am Bodensee. Ein weiterer Aspekt: „Bei einer Tour mit dem Fahrrad oder E-Bike zum Bodensee entfällt das Suchen von Parkplätzen.“

Im Vergleich zu den Szenen zu Beginn der Schulsommerferien oder wegen Warnstreiks auf Flughäfen, die inzwischen beigelegt wurden, sind die An- und Abreise deutlich entspannter. Und es gibt ja noch den Tankrabatt und das Neun-Euro-Ticket. Stornos, weil sich der eine oder andere überlegt, Geld für die Strom- und Gaskosten im Herbst und Winter anzusparen, sind demnach kein Thema. Noch nicht. „Im Herbst könnte das schon etwas anders werden“, blickt die Touristikerin Sylvia Westermann voraus.

Und wie ergeht es den Markdorfer Reisebüros?

In der benachbarten Stadt Überlingen gibt es nur noch ein Reisebüro. Vor Corona waren es fünf. Julia Deutelmoser, die im Markdorfer Einkaufszentrum Proma das Reisebüro Sonnenklar betreibt, ist hingegen positiv gestimmt. „Wir haben seit Monaten eine gute Auftragslage.“

Julia Deutelmoser betreibt das Reisebüro Sonnenklar im Markdorfer Einkaufszentrum Proma.
Julia Deutelmoser betreibt das Reisebüro Sonnenklar im Markdorfer Einkaufszentrum Proma. | Bild: privat

Die Probleme und Unwägbarkeiten auf Flughäfen bedeuten zusätzlichen Arbeitsaufwand, berichtet die Touristikerin. Und nennt ein Beispiel: „Wir wollen den Bodensee-Airport gerne unterstützen, doch dann stornieren Airlines Flüge und wir müssen umorganisieren, zum Beispiel Flüge ab Stuttgart oder München. Das ist für die Kunden ärgerlich. Doch sie sind zumeist verständnisvoll.“

Teils seien auch die Reiseveranstalter angesichts der häufigen Umbuchungen schwer erreichbar. Und die Diskussionen um steigende Energiepreise und Inflation? Da wagt Julia Deutelmoser keine Prognose. „Wie sich das tatsächlich auswirken wird, lässt sich momentan nicht abschätzen.“

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Frühbuchen zahlt sich aus

Ingrid Lippmann-Köybasi führt ihr Reisebüro Lippmann in Markdorf nach eigenem Bekunden seit 38 Jahren. Aus ihrer Erfahrung heraus weiß sie: „Je kurzfristiger eine Reise gebucht wird, umso teurer.“ Warum? „In früheren Jahren haben Reiseveranstalter komplette Flugzeuge gechartert und die Kontingente auch untereinander aufgeteilt.“

Reisekauffrau Ingrid Lippmann-Köybasi führt das Markdorfer Reisebüro Lippmann seit 38 Jahren.
Reisekauffrau Ingrid Lippmann-Köybasi führt das Markdorfer Reisebüro Lippmann seit 38 Jahren. | Bild: Jörg Büsche

Inzwischen kaufen die Veranstalter laut Lippmann-Köybasi nur eine bestimmte Anzahl von Plätzen. „Wenn die vergeben sind, müssen die Reiseveranstalter für Nachforderungen, also für die dann gekauften Plätze deutlich mehr bezahlen.“ Also müssen dann auch Kunden tiefer in die Tasche greifen. Klassische Lastminute-Angebote gebe es nicht mehr. Das alles bedeutet im Umkehrschluss: Je früher gebucht wird, umso besser.

„Es ist ein Trugschluss, dass Pauschalreisen in Reisebüros generell teurer sind als im Internet.“
Ingrid Lippmann-Köybasi, sie führt seit 38 Jahren das Reisebüro Lippmann in Markdorf

Die Reisekauffrau ergänzt: „Es ist ein Trugschluss, dass Pauschalreisen in Reisebüros generell teurer sind als im Internet.“ Sie erzählt von Fällen, dass Reisewillige über Stunden hinweg im Internet suchten und sich dann doch beraten ließen. Das wäre bei ihr im Büro schneller gegangen. Und Lippmann-Köybasi hat noch einen Tipp parat. „Es gibt ja die Flexversicherung. Je nach Reiseveranstalter kann zwei und bis zu drei Wochen vor dem Termin storniert und umgebucht werden, bei manchen Veranstaltern sogar kostenlos.“

Anita Maier (links) und Inhaberin Aline Valiani vom Reisebüro Aline‘s Reise-Oase.
Anita Maier (links) und Inhaberin Aline Valiani vom Reisebüro Aline‘s Reise-Oase. | Bild: Manuela Hund-Lihs

Inhaberin Aline Valiani, die mit Anita Maier das Markdorfer Reisebüro Aline‘s Reise-Oase betreibt, spricht ebenfalls von einer guten Auftragslage. „Im Vergleich zu anderen Regionen haben wir wenige Stornierungen oder Umbuchungen.“ Auch Valiani rät Reisewilligen: „Es lohnt sich, früh zu buchen, weil die Preise steigen und es weniger Flugangebote gibt als vor Corona.“