Das Schachbrett aus Marmor hält Josef Gheng in der Hand. Er ist auf den ersten Rang gekommen. Doch behalten darf der FIDE-Meister – der Titel wird vom Weltschachverband starken Spielern verliehen – die Trophäe noch nicht. „Erst, wenn du hier zum dritten Mal gewonnen hast“, sagt Dieter Knödler, Vorsitzender des Markdorfer Schachklubs, bevor er dem Turniersieger gratuliert. Gheng, der aus Wernau am Neckar kommt, wird wohl wiederkommen, um seinen Titel beim Markdorfer Schnellschach Open zu verteidigen.

Bei dem Turnier in der Stadthalle saßen sich die Spieler während sieben Runden gegenüber. „Wir haben schon überlegt“, erklärt Dieter Knödler draußen vor der Halle – damit niemand in seiner Konzentration gestört wird, „ob wir nicht ein Turnier mit neun Runden – neun kürzeren Runden anbieten sollen.“ Der Trend gehe derzeit hin zu kürzeren, schnelleren Partien. Am Ende wollte es der Schachklub Markdorf dann aber doch lieber beim Alten belassen: Bei fünf langen Partien – obwohl „da immer die Gefahr besteht, dass sich Spieler, die rasch fertig sind, anschließend langweilen“, erklärt Knödler. Und sein Blick fällt auf die Spieler, die vor der Stadthalle stehen, sich dabei mit ihren Smartphones befassen.

Konzentration ist alles beim Spiel Schwarz gegen Weiß in der Stadthalle. Die Spieler freuen sich über Partien von Angesicht zu Angesicht.
Konzentration ist alles beim Spiel Schwarz gegen Weiß in der Stadthalle. Die Spieler freuen sich über Partien von Angesicht zu Angesicht. | Bild: Jörg Büsche

Monika Granström, Mutter des 16 Jahre alten und ziemlich spielstarken Eric Bravo Granström und Ehefrau von José Bravo, Jugendleiter des Markdorfer Schachklubs, findet es gut, „dass wieder richtig gespielt wird“. Richtige Spiele finden zwar auch online statt. Seinen Gegner sehen zu können, ihm Vis à Vis gegenüberzusitzen, sei jedoch etwas anderes. Eric teilt diese Ansicht nicht. Er findet Partien im Netz ebenso spannend wie analog ausgetragene. „Am Bildschirm kann ich das Feld sogar noch besser überblicken“, so der 16-jährige Schachspieler.

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Monika Granström, die in der Küche der Stadthalle mit dafür sorgt, dass die Spieler sich am Mittag rechtzeitig mit Schnitzel stärken können, weist auf die soziale Komponente der analogen Wettkämpfe hin. „Man trifft alte Freunde, knüpft neue Bekanntschaften – ich finde das wichtig.“ Dann bringt sie noch ein weiteres Argument ein: „So ein richtiges Turnier findet vor Ort in einer realen Halle statt.“ Und irgendwie bekommen das auch die mit, die nicht im Schachklub sind. In gewisser Weise seien Turniere Teil der Öffentlichkeitsarbeit, so Granström.

Josef Gheng (links) ist Turniersieger, Dieter Knödler gratuliert ihm.
Josef Gheng (links) ist Turniersieger, Dieter Knödler gratuliert ihm. | Bild: Jörg Büsche

Ob der Markdorfer Verein noch mehr Öffentlichkeit benötigt, weiß Klubvorsitzender Dieter Knödler nicht recht zu beantworten. Im Bereich der Schachjugend steht der Verein gut dar. Das werden auch am späten Nachmittag die Turnierergebnisse erweisen. Die jungen Spieler haben sich trotz ersten Anlaufschwierigkeiten am Ende doch noch gut geschlagen. Andererseits hadert Knödler damit, dass sich etliche ältere Spieler nach der Corona-Zwangspause von der freitäglichen Schachrunde verabschiedet haben. „Sie haben gemerkt, dass es auch ohne Schach geht“, scherzt der Vorsitzende mit bitterem Unterton.

Ein starkes Team: Die Spieler des Schachklubs Markdorf haben auch in diesem Jahr viel Mühe ins Schnellschach Open gesteckt.
Ein starkes Team: Die Spieler des Schachklubs Markdorf haben auch in diesem Jahr viel Mühe ins Schnellschach Open gesteckt. | Bild: Jörg Büsche

Und dass sich ausgerechnet zum 25. Gehrenberg Schnellschach nur 74 Spieler in der Stadthalle eingefunden haben, das erfreut Knödler auch nicht. „Kann aber auch am guten Wetter gelegen haben.“ Nicht zuletzt wissen viele Spieler, dass es in der Stadthalle heiß her geht, wenn draußen die Sonne scheint – fehlt dort doch eine Klimaanlage.

Wer spielt gegen wen? Gedränge am Aushang mit den Spielerpaarungen.
Wer spielt gegen wen? Gedränge am Aushang mit den Spielerpaarungen. | Bild: Jörg Büsche