Der Lärm ist ohrenbetäubend. Die Türen sind verschlossen. Schilder warnen vor Lebensgefahr. Alles hier geschieht gut abgeschirmt hinter Schutzwänden. Die lassen den Staub nicht heraus und ungebetene Besucher nicht herein. Arbeiter fräsen Löcher in eine Betondecke – die mit ihren 20 Zentimetern gar nicht mal so dick sei, erklärt Florian Gebauer. Er ist der Sachgebietsleiter für technisches Gebäudemanagement im Bau- und Liegenschaftsamt des Bodenseekreises.

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Und er kennt sich bestens aus mit den Gegebenheiten am Bildungszentrum. Schließlich begleitet er die stets in den großen Ferien stattfindenden Sanierungsarbeiten am Schulgebäude schon seit etlichen Jahren, ebenso wie die im Herbst 2018 vom Kreistag beschlossene Sanierung des Bildungszentrums.

Selbst auf dem Dach des Bildungszentrums ist eine Baustelle. Das zeigt Florian Gebauer, Mitarbeiter des Kreis-Bauamts.
Selbst auf dem Dach des Bildungszentrums ist eine Baustelle. Das zeigt Florian Gebauer, Mitarbeiter des Kreis-Bauamts. | Bild: Jörg Büsche

22 Millionen Euro kostet die Sanierung

Saniert werden die Naturwissenschaftsräume von Schulverbund und Gymnasium, der Technikbereich und der gesamte Ganztagesbereich einschließlich der Mensa. Neu hinzu kommt eine Caféteria mit Aula-Charakter. Laut Kostenschätzung werden die Maßnahmen rund 22 Millionen Euro kosten, von denen rund zwölf Millionen der Bodenseekreis trägt und fünf die Stadt Markdorf. Weitere fünf Millionen schießt das Land zu.

Hier geht es mit lautem Gebrumm durch die Decke, damit es heller werden kann in der Mensa.
Hier geht es mit lautem Gebrumm durch die Decke, damit es heller werden kann in der Mensa. | Bild: Jörg Büsche

Die Mensa: Vom dunklen Loch zum Wohlfühl-Ort

„Das war schon ein ziemlich dunkles Loch hier“, sagt Gebauer zum Mensabereich der Schule. Nüchtern, zweckmäßig geplant, wie es in den End-60er-, Anfang-70er-Jahren üblich war, hätte die Gebäudestruktur heutigen Bedürfnissen jedoch kaum noch entsprochen.

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„Damals hat das Bildungszentrum Vorzeigecharakter besessen“, erklärt Gebauer. Doch hätten sich inzwischen die Ansprüche ans Design grundlegend verändert – auch was Schulen anbelange.

In Zukunft Mensa und Aula, wo im Moment noch Chaos herrscht.
In Zukunft Mensa und Aula, wo im Moment noch Chaos herrscht. | Bild: Jörg Büsche

Der Blick in andere Mensen jüngeren Datums zeige, dass inzwischen sehr viel mehr Wert aufs Atmosphärische gelegt wird. So im Friedrichshafener Berufsschulzentrum, wo auf einen gewissen Erlebniswert geachtet worden sei. Die Schüler sollen nicht bloß abgespeist werden, sondern sich wohlfühlen in ihrer Mensa. Fertig sein wird sie aller Voraussicht nach im Dezember 2021.

Thilo Troschütz gibt dem Flur vor einem der sieben in diesem Jahr sanierten Klassenzimmer neue Farbe.
Thilo Troschütz gibt dem Flur vor einem der sieben in diesem Jahr sanierten Klassenzimmer neue Farbe. | Bild: Jörg Büsche

Schon in den 70er Jahren nachhaltig gebaut

Mögen sich die Ansprüche an den Innenraum auch verändert haben in den vergangenen 50 Jahren, die bauliche Struktur beeindruckt Florian Gebauer trotzdem. „Wenn man so will, wurde damals sehr nachhaltig gebaut“, erklärt er. Die Wände fügen sich zu einem stabilen Gerüst, innerhalb dessen relativ flexibel umgestaltet werden kann. Das verhelfe zu einem gewissen architektonischen Spielraum und sei weniger statisch.

Ausgeräumt: die naturwissenschaftlichen Räume des Gymnasiums.
Ausgeräumt: die naturwissenschaftlichen Räume des Gymnasiums. | Bild: Jörg Büsche

Schüler sollen mittags in angenehmer Atmosphäre essen können

Hell, freundlich, einladend soll alles wirken, zudem den Blick in den Raum frei geben, der auf den oberen Ebenen entsteht. Das und das Mehr an Helligkeit steigere die Aufenthaltsqualität, erklärt Gebauer. Mit Holz getäfelte Oberflächen würden ein Übriges dazu tun, um den einladenden Charakter der neuen Mensa zu unterstreichen. „Ein bisschen Wohnzimmer-Atmosphäre, ein bisschen Café-Ambiente“, umreißt der Sachgebietsleiter das gestalterische Rezept für mehr Wohlbefinden am Mittagstisch in der Schule.

Hell und freundlich wirken die Klassenzimmer nach ihrer Sanierung.
Hell und freundlich wirken die Klassenzimmer nach ihrer Sanierung. | Bild: Jörg Büsche

300 Sitzplätze und eine neue Aula

Etwa 300 Sitzplätze wird die Mensa bieten. Sie soll auch als Aula genutzt werden können. Dann bietet sie Raum für rund 400 Personen. Ob die Räumlichkeiten dann auch von der Stadt für Veranstaltungen genutzt werden können, das sei derzeit noch offen, erklärt Florian Gebauer.

Letzte Feinheiten der Heizungseinstellung programmiert Florian König.
Letzte Feinheiten der Heizungseinstellung programmiert Florian König. | Bild: Jörg Büsche

Nachhaltige Versorgung: Blockheizkraftwerk, Photovoltaik und Holzpellets

Wo einst die alten Öltanks standen mit 200.000 und 100.000 Litern Fassungsvermögen, da herrscht nun Leere, ist Platz für einen Lagerraum. Die alte Heizanlage stammte noch aus den 80er-Jahren. Öl und Gas hat sie verbrannt.

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Nachhaltigkeit ist die Leitidee für die neue Anlage. Mit der EnBW hat man sich auf eine Contracting-Lösung geeinigt, bei der das Energieversorgungsunternehmen die Anlage bereitstellt. Nun gibt es ein Blockheizkraftwerk, neben der Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, außerdem eine Holzpellet-Heizung. Schließlich – für die ganz kalten Wintertage – kommt noch ein Gasofen hinzu.

Die neue Heizanlage ist schon installiert.
Die neue Heizanlage ist schon installiert. | Bild: Jörg Büsche

Wichtig in Corona-Zeiten: Die neue Lüftungstechnik

Froh ist Gebauer über die neue Lüftungsanlage im Hauptgebäude. Sie diene der Be- und Entlüftung und funktioniere mit Wärmerückgewinnung. „Gerade in der Corona-Phase ist ein regelmäßiger Luftaustausch besonders wichtig,“ betont der Sachgebietsleiter des Landkreises.

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