Ein paar swingende Jazz-Läufe zwischen den Autos auf dem Markdorfer Marktplatz: Fürs Foto hat er schnell seinen alten rumänischen Bussetto-Kontrabass aus dem Kombi geholt. Jens Loh ist kurz mal wieder in seiner alten Heimat, für zwei Konzerte in Leutkirch und Isny. „Muss man sich auch erst wieder dran gewöhnen, nach dieser langen Corona-Pause“, sagt er lachend.

Markdorfer Jugendjahre: Musik machen und im „Sternen“ abhängen

Vor 30 Jahren ist Jens Loh aus Markdorf weggezogen. In der Beethovenstraße hat er seine Jugend verbracht, ist ins benachbarte Gymnasium des Bildungszentrums gegangen, hat dann in Überlingen Abi gemacht. Als Sechsjähriger lernte er Geige – „eher erfolglos“, wie er heute sagt. Dann hat er als Teenager Gitarre gelernt, mit seiner Band „Apple Pie“ die ersten Auftritte im Jugendkeller der KJG bei der Kirche gespielt. „Und im Sternen in der Marktstraße abgehangen, wie alle damals“, erzählt der heute 50-Jährige über seine Jugendjahre.

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Zum Kontrabass kam er über seinen Oberteuringer Gitarrenlehrer Wolfgang Obert. Der hatte einen rumstehen, Jens Loh probierte ihn aus: „Ich war sofort hin und weg von diesem unglaublich vollen, tiefen Ton.“ Als der Lehrer ihm erzählte, dass er damit sämtliche Musik-Stilrichtungen spielen könne, bekam Jens Loh große Ohren. Als Obert ihm dann noch eine Platte vorspielte, von Jazz-Geiger Stephane Grappelli mit dem dänischen Kontrabass-Virtuosen Niels-Henning Örsted-Pedersen, war es um ihn geschehen: So wollte er auch spielen können.

Eingetaucht in die lebendige Bermatinger Jazz-Rock-Szene

Eine Jazz- und Rock-Szene habe es damals in Markdorf nicht gegeben, aber in Bermatingen um die Brüder Stefan und Reinhold Hug, „Das waren meine Helden. Es war hier absolut unüblich für einen Teenie damals, Jazz zu spielen. Wir waren ja wie die Marsmenschen“, erinnert er sich. Die Entscheidung, Musiker zu werden, traf er erst beim Zivildienst in Stuttgart: Er betreute einen schwerstbehinderten Künstler, der ihm „den nötigen Tritt in den Hintern“ gab. „Er sagte: Schau mich an, ich kann das, dann kannst du das auch.“

Mit Anfang 20 zum Jazz-Studium nach Den Haag

So ging er mit Anfang 20 in die Niederlande, um in Den Haag Jazz-Kontrabass zu studieren, und blieb dort acht Jahre lang. Wenn er gelegentlich seine Mutter in Markdorf besuchen kam, die Künstlerin Jutta Loh-Pedersen, dann traf er sich mit seiner Jugendfreundin Andrea Bornscheid, einer Lehrerstochter aus Bermatingen. Es wurde Liebe: Sie zog zu ihm nach Holland, heiratete ihn, doch bald zog das Heimweh sie wieder nach Deutschland. Zuerst nach Köln: „Das war nach all den Jahren in Holland echt wie Ausland für mich“, erzählt Jens Loh.

Jens Loh live auf der Bühne. Der 50-Jährige tourt regelmäßig auch in ganz Süddeutschland, sofern es die aktuelle Situation zulässt. Während der Corona-Pandemie hatten auch er und seine Familie unter heftigen finanziellen Einbußen zu leiden.
Jens Loh live auf der Bühne. Der 50-Jährige tourt regelmäßig auch in ganz Süddeutschland, sofern es die aktuelle Situation zulässt. Während der Corona-Pandemie hatten auch er und seine Familie unter heftigen finanziellen Einbußen zu leiden. | Bild: Matthias Knodel

Mit den Kindern dann wieder näher in Richtung Bodensee

Als die beiden Söhne geboren waren, wollten sie näher an den Bodensee: Die Kinder sollten in der Nähe ihrer Großeltern aufwachsen. Also ging‘s nach Stuttgart, wo es in der Jazzszene genügend Jobs für Bassisten gab. Mit dem Trio des Trompeters Thomas Siffling tourte er um die ganze Welt, spielte mit Jazz-Größen wie Richie Beirach, Herbert Joos und Pete York, trat auf renommierten Festivals auf.

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Die meisten Konzerte absolviert er im süddeutschen Raum, rund 40 000 Kilometer fährt er dazu im Jahr. Manchmal sieht man ihn mit dem E-Bass: Das habe er eigentlich nur angefangen, weil es im Unterricht gefragt sei. Generell aber sei es der Kontrabass, der seinem Spiel eine Stimme gebe, sagt Loh. Dem Friedrichshafener Club Jazzport-FN ist er nach wie vor treu: Die vergangenen Jahre hatte er hier beim Donnerstags-Jazz im Kulturhaus Caserne seine eigene Konzertreihe „Speak LOH“, bei der er vierteljährlich interessante Musiker und Bands präsentierte.

Künstler-Los: Ganz knapp an der „Corona-Pleite“ vorbeigeschrammt

Ganz aktuell brachte Loh nun am 2. Juli eine neue CD mit der jungen Jazz-Sängerin Laura Kipp heraus, für die er alle Stücke geschrieben und die er selbst produziert hat. Die CD „Quiet Land“ sei sein „Corona-Projekt“, in das er viel Zeit und Kreativität investieren konnte, sagt der Musiker. Über die auftrittslose Zeit kam er finanziell gerade so hinweg: „Als ich schon fürchtete, wir müssten unsere schöne Wohnung in Filderstadt verkaufen, kamen tatsächlich die Unterstützungsgelder. In voller Höhe, zum Glück, für mich als Vollprofi.“

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Musik ist im Hause Loh auch in der nächsten Generation angesagt: Der 14-jährige Leven lernt Saxofon, am erfolgreichsten aber ist Phileas Loh: Der 18-jährige Schlagzeuger ist bereits als Jungstudent an der Musikhochschule in Stuttgart eingeschrieben.

Nach der Kaffeepause im „Zoldana“ Abfahrt zum Konzert in Leutkirch

Genug der Kaffeepause im Markdorfer Eiscafé Zoldana: Jens Loh packt seinen Kontrabass wieder in den Kombi, er muss rechtzeitig zum Soundcheck in der Stadthalle Leutkirch sein. Ein Abend mit Musik von Miles Davis und Chet Baker, mit Trompeter Thomas Siffling, dem Kißlegger Pianisten Lothar Kraft und dem Konstanzer Schlagzeug-Profi Patrick Manzecchi, mit dem Jens Loh als Rhythmusgruppe besonders gut eingespielt ist.

Am 30. Juli tritt Jens Loh beim Markdorfer Kultursommer auf

Ob er sich vorstellen könnte, wieder in Markdorf zu leben? „Im Prinzip schon, auch meine Frau natürlich“, sagt Jens Loh. „Aber dann wären alle meine Jobs im Stuttgarter Raum fürchterlich weit weg und ich müsste ständig im Auto sitzen.“ Nächstes Mal, wenn Jens Loh nach Markdorf kommt, wird man ihn hier jedoch mit einem Quintett sehen und hören können: Am Freitag, 30. Juli, ab 19 Uhr beim Markdorfer Kultursommer, open air auf dem Marktplatz.