Die Pandemie noch nicht ganz ausgestanden, da kommt schon die nächste Krise auf die Kultur zu. Das beklagte jüngst der Kulturrat. Steigende Heizkosten, so hieß es aus Berlin, werden die Kreativwirtschaft, aber auch die Kultureinrichtungen ganz erheblich belasten. Bereits im Sommer rief Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) den gesamten Kulturbetrieb auf, sparsam mit der Energie umzugehen. Der Markdorfer Kunstverein tut dies ohnehin – und von sich aus. Heizkörper werden heruntergedreht. Und die freiwilligen Ausichtskräfte ziehen einen Pullover mehr an.

In Markdorf ist die Kunst gratis

Was dem Kulturbetrieb jedoch wirklich schaffen machen dürfte, darauf muss sich der Markdorfer Kunstverein viel weniger sorgen: Dass die Besucher zu Hause bleiben, weil sie sich die Eintrittskarte sparen wollen, kann in der Stadtgalerie nicht eintreten. Der Eintritt in der Ulrichstraße ist gratis. Bernhard Oßwald, der Vorsitzende des Kunstvereins, kann sich sogar schon wieder über steigende Besucherzahlen freuen. „Es werden von Mal zu Mal mehr“, beschreibt er die Entwicklung während des zurückliegenden Ausstellungsjahres – mit seinen insgesamt fünf Ausstellungen.

Bei freiem Eintritt in der Stadtgalerie besteht für die Markdorfer kein Anlass, an der Kunst zu sparen.
Bei freiem Eintritt in der Stadtgalerie besteht für die Markdorfer kein Anlass, an der Kunst zu sparen. | Bild: Jörg Büsche

Um eines muss sich der Kunstverein ganz gewiss keine Sorgen machen: den Ruf der Stadtgalerie bei Künstlern. „Anfragen per E-Mail erreichen mich täglich“, berichtet Bernhard Oßwald. Vielen Anfragen sind Arbeitsproben oder Kataloge beigelegt. Und manches steche direkt ins Auge, beeindrucke durch herausragende Qualität. Mitunter melden sich sogar die bekannteren Namen in Markdorf. Oftmals wurde ihnen Kunstverein von Künstlerkollegen empfohlen, die bereits in der Stadtgalerie ausgestellt haben.

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Neue Präsenz auf den Plattformen

Mehr als bisher sorgt sich der Kunstverein aber um seine Bekanntheit. „Von Besuchern aus der Region habe ich schon öfter erfahren, dass sie noch nie etwas von der Markdorfer Stadtgalerie gehört haben“, berichtet Oßwald. Hier will der Verein nun Abhilfe schaffen. Mit seinem der neuen Newsletter wendet er sich an alle Kunstinteressierten in und rund um Markdorf. Via sozialen Medien soll auch mehr junges Publikum angesprochen werden.

„Ohne Instagram und Co. geht da heute nichts mehr“, erklärt Irina Stengele, die stellvertretende Vorsitzende des Kunstvereins. Wer die Jugendliche und junge Erwachsene erreichen will, muss das auf den einschlägigen Plattformen präsent sein. Erste Schritte seien bereits gemacht. Doch will der Kunstverein seine Aktivitäten hier künftig noch ausweiten.

Junge Kunst aus Berlin

Wie ein weiterer Schritt in Richtung Jugend mag hier die nächste Ausstellung scheinen. Das Ausstellungsjahr 2023 beginnt der Kunstverein mit sieben jungen Künstlern aus Berlin. Sie haben in der Corona-Pandemie zusammengefunden und nennen sich Aambulanz-Kollektiv. Das Leitthema ihrer am 13. Januar in der Stadtgalerie gezeigten Ausstellung ist die Frage: Wie sehen Kinder, wie sehen Jugendliche ihre eigene Zukunft? Auf welche Bilder stützen sie sich dabei? Was kommt ihnen von ihrer Umwelt, aus den Medien entgegen – an Bildformeln?

Der Titel der Ausstellung des Aambulanz-Kollektivs lautet Back to the Future. So heißt aber auch ein Film von Robert Zemeckis. Eine Hollywood-Komödie die den jungen Protagonisten per Sportwagen-Zeitmaschine aus den 1980er Jahren zurück in die 50er Jahre katapultiert. Der Streifen spielt mit dem Gedanken des rechtzeitigen Eingreifens und Abwendens von Fehlentwicklungen.

Junge Kunst, gerade für junges Publikum, wird es auch im kommenden Jahr in der Stadtgalerie geben.
Junge Kunst, gerade für junges Publikum, wird es auch im kommenden Jahr in der Stadtgalerie geben. | Bild: Jörg Büsche

Verein braucht finanzielle Unterstützung

Zur Ausstellung gibt es einen Katalog. „Den können wir herausgeben, weil wir eine Unterstützung vom Landratsamt bekommen – außerdem aber Fördermittel von der OEW“, erklärt Bernhard Oßwald. Der Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke unterstützt Kunst und Kultur in seinen Mitgliedslandkreisen. Und der Kunstverein wurde schon öfter mit solcher Unterstützung bedacht.

Keine Signal leidender Kunst in Markdorf, sondern ein Hilferuf anbetrachts der Meeresvermüllung aus der Ausstellung ...
Keine Signal leidender Kunst in Markdorf, sondern ein Hilferuf anbetrachts der Meeresvermüllung aus der Ausstellung „Zeitrichtig“. | Bild: Jörg Büsche

„Ohne diesen Zuschuss könnten wir uns weder den Katalog leisten noch die Anreise und die Unterbringung der Künstler“, erklärt Oßwald. In diesem Zusammenhang erinnert er an die finanzielle Hilfe von der Stadt. Trotz des angespannten Haushalts darf der Kunstverein auch 2023 mit einem Zuschuss rechnen – mit rund 17000 Euro.