Frau Ulmer, das Projekt „Beete für jeden“ musste in der Corona-Krise ins Internet ausweichen – wie so viele andere Akteure auch, ob aus der Umweltbewegung, aus der Kultur oder aus anderen gesellschaftlichen Bereichen. „Beete für Jeden“ hat dort Webseminare angeboten. Wie war die Resonanz?

Es haben 26 Personen zwischen acht und 75 Jahren teilgenommen, darunter auch ein paar Männer. Ich denke, die meisten hatten Interesse an der genauen Anleitung von unserer Gärtnerin, Katrin Fieberitz, wie man nun bei den unterschiedlichen Gegebenheiten – von der Fensterbank über Balkon bis hin zum Hochbeet oder dem eigenen Garten – am besten anfängt mit dem Gärtnern. Und was es jetzt zu tun gibt.

Waren das vor allem Hobbygärtner?

Manche Fragen ließen auf Erfahrungen schließen. Wenn zum Beispiel gefragt wurde, wie man denn Mehltau genau bekämpfen könne, wenn das Hochbeet erst einmal damit befallen ist.

Erntereif für jeden: Mangold aus den „Beete für jeden“-Hochbeeten beim Haus im Weinberg.
Erntereif für jeden: Mangold aus den „Beete für jeden“-Hochbeeten beim Haus im Weinberg. | Bild: Jörg Büsche

Was haben sie gelernt bei diesem Webseminar?

Eine Menge. Interessant fand ich zum Beispiel die Aussage von Frau Fieberitz, dass sie persönlich – selbst auf dem kleinsten Stückchen Erde – unbedingt Salat anpflanzen würde. Denn bei Salat ist es so, dass er innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Ernte 60 Prozent seiner Inhaltsstoffe verliert. Das heißt: Spanischer Salat sieht nach drei bis vier Tagen, bis er also bei uns angekommen ist, allenfalls noch knackig aus. Nährstoffe sollte man dann aber keine mehr erwarten.

Welche Themen wurden im Webseminar angesprochen?

Unser Webinar hat folgende Themenbereiche beinhaltet: Was kann ich jetzt säen; was säe ich wann? Im April kann man fast alles draußen säen, nur nicht die wärmeliebenden Sommerkulturen. Also Paprika, Tomate, Pepperoni, Sellerie, Physalis, Kürbis, Zucchini, Gurke, Bohnen. Diese können erst ab Mitte Mai nach draußen. Zum Salat: Für die Freilandaussaat am besten Schnitt- oder Pflücksalat säen; Kopfsalat besser vorziehen und nachher die kleinen Pflänzchen nach draußen pflanzen. Zur Anzucht, was also im Haus vorgezogen werden muss. Ein anderes Thema war die Anbauplanung für die Nutzung des Beetes fürs gesamte Jahr. Hier kam die Frage, was sich gut und was sich gar nicht als Beetnachbar verträgt: Gut vertragen sich Möhre oder Pastinake mit Lauch oder Möhre mit Zwiebel. Sie bekämpfen wechselseitig die jeweiligen Schädlinge des anderen. Gar nicht vertragen sich Paprika, Tomate und Aubergine oder Petersilie mit Schnittlauch. Hier sagte Frau Fieberitz, dass die Idee „was sich gut auf dem Teller verträgt, verträgt sich auch im Beet“ nicht stimmt. Und sie betonte, dass man aus Umweltgründen auf torffreie Erde zurückgreifen sollte.

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Wie soll es weiter gehen mit dem Gartenbau-Projekt der evangelischen Kirchengemeinde?

Mittlerweile wissen wir ja mehr als noch vor ein paar Wochen. Jetzt ist schon etwas klarer, wie wir mit der durch die Pandemie geänderten Situation umgehen und können. Das gemeinsame Bestellen der Beete – so wie es ja ursprünglich geplant war – ist aufgrund der nach wie vor einzuhaltenden Abstandsregeln nur in sehr eingegrenztem Maße möglich. Aber die ausgefallenen Termine, der Bienenvortrag und die zunächst für April von uns geplante Kräuterwanderung können wir ja jetzt endlich nachholen. Für die Hochbeete haben wir uns überlegt, diese nach Ende der Projektlaufzeit im Herbst für mehr Sichtbarkeit in die Stadt zu bringen. Dafür suchen wir nun nach Läden oder Organisationen, die diese auf ihren Plätzen aufstellen, bepflanzen und pflegen – ein kleiner Schritt Richtung essbare Stadt. Wer Interesse hat, darf sich sehr gerne bei uns melden! Wir wollen auch Privatpersonen ansprechen. Wer Interesse hat an einem eigenen Hochbeet und sich in der Lage sieht, die Beete zu pflegen, dem würden wir sie leihweise überlassen.

Das geht vorerst nicht: gemeinsames Pflanzen bei „Beete für Jeden“. Hier ein Bild aus dem vergangenen Frühjahr.
Das geht vorerst nicht: gemeinsames Pflanzen bei „Beete für Jeden“. Hier ein Bild aus dem vergangenen Frühjahr. | Bild: Jörg Büsche

Für wie lange?

Wir denken da schon an einen Zeitraum von zwei, drei Jahren. Wir liefern die Beete übrigens auch an. Und jeder darf dann selbst entscheiden, ob sie schon bepflanzt sein sollen – oder ob er lieber seine eigene Auswahl fürs Bepflanzen der Hochbeete treffen möchte. In jedem Falle aber möchten wir die Beteiligten zum Erfahrungsaustausch einladen – und gerne auch die Markdorfer Öffentlichkeit. Schließlich ist Ernährung ein Thema, das uns alle betrifft.

In den Medien wird derzeit von einem Ansturm auf Gartencenter berichtet, ebenso auf Baumärkte. Hinzu kommen die Stimmen von Psychologen, die sagen, dass Gartenarbeit ein probates Mittel sei, um den Stress der coronabedingten Isolation abzubauen. Sehen Sie hier für „Garten Eden – Beete für Jeden“ eine Chance anzuknüpfen?

Auf jeden Fall. Da wir momentan ja nicht live gärtnern dürfen, hatten wir uns entschlossen, unser virtuelles Gärtnerseminar anzubieten. Es sollte Lust machen, sich auch zu Hause gärtnerisch zu betätigen. So kann man in den nächsten Monaten die Erfolge im wahrsten Sinne des Wortes genießen.

Wie steht es um die Kooperation mit anderen Gruppen – etwa dem BUND, bei dessen Jahresversammlung wurde das angedeutet?

Anfang März haben wir im Rahmen des Garten-Eden-Projekts sämtliche Nachhaltigkeitsakteure in und um Markdorf – wie den BUND – zu einem Vernetzungstreffen eingeladen. Moderiert wurde der Abend von Simon Neitzel vom Netzwerk „wirundjetzt“, der uns zu Beginn auch viele Impulse gab. Wir konnten viele Ideen und Informationen austauschen und mögliche Kooperationen ausloten. Viele haben uns rückgemeldet, dass sie teilweise gar nicht wussten, was in anderen Gruppen schon alles läuft. Wir sind selbst neugierig, was daraus auch in Zukunft entstehen wird.

Bei Ihrem Projekt spielt der Klimaschutz-Gedanke eine große Rolle. Können Sie da weitermachen – trotz der Corona-Krise – und wenn ja, wie?

Ich denke, die jetzige Situation macht deutlich, worauf es ankommt und wie abhängig wir von globalen Lieferketten sind. Die regionale und klimafreundliche Nahrungsmittelerzeugung wird an Bedeutung gewinnen und damit der Aufbau resilienter Strukturen. Ich wünsche mir, dass wir Erkenntnisse aus der Corona-Krise auch für den Umgang mit der Klimakatastrophe ziehen und auch da die Rolle der Wissenschaftler und Experten ernster nehmen.

Fragen: Jörg Büsche
Freuen sich über die gedeihenden Pflanzen: Kathrin Widmann vom CBW und Pfarrerin Kristina Wagner (von links).
Freuen sich über die gedeihenden Pflanzen: Kathrin Widmann vom CBW und Pfarrerin Kristina Wagner (von links). | Bild: Jörg Büsche