Nachdem klar war, dass das Pfingstmusikfest coronabedingt das zweite Mal in Folge abgesagt werden muss, war die Betroffenheit bei den Mitgliedern des Musikvereins Riedheim und Stammgästen gleichermaßen groß.

Jährlich zieht es normalerweise Tausende Besucher auf den Leimbacher Festplatz, um das mehrtägige Musikantenfest zu feiern. Durch den Ausfall der Großveranstaltung klafft ein Loch in der Vereinskasse. Doch Aufgeben war für die Führungsriege des Musikvereins keine Option und so wurde eine besondere Idee geboren.

Grillmeister Stefan Keller hat viele Jahre Erfahrung beim Hähnchengrillen.
Grillmeister Stefan Keller hat viele Jahre Erfahrung beim Hähnchengrillen. | Bild: Andreas Lang

„Wir wollten eigentlich schon vergangenes Jahr unsere heiß begehrten Holzofen-Grillhähnchen als Bring-Service anbieten, doch die Zeit war zu knapp, um das Ganze auch umzusetzen“, erklärt Vorsitzender Edwin Gehweiler. Max Nordmann ergänzt: „Dieses Mal hatten wir nicht viel mehr Zeit, doch dieses Mal haben wir es angepackt.“

So habe man innerhalb kürzester Zeit einen Konzeptplan erstellt und umgesetzt. „Ich schätze, Max Nordmann und ich haben über 400 Telefonate gehabt, nur um die Bestellungen entgegen zu nehmen“, erklärt Dieter Gehweiler als stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Gehweiler war es auch, der den Routenplan für die Hähnchenfahrer zusammengestellt hat.

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Bei der Aktion am Pfingstmontag galt es, die Corona-Vorschriften einzuhalten. So wurden alle Hähnchengriller und -ausfahrer zuvor auf Corona getestet und dokumentiert, zusätzlich trugen sie Mund-Nasen-Schutz und achteten auf den Sicherheitsabstand, beschreibt Dieter Gehweiler. Gearbeitet wurde von 10 bis 18 Uhr in zwei Schichten mit jeweils drei Hähnchengrillern und zwölf Ausfahrern. „Wenn wir alles zusammenrechnen, waren 30 bis 40 Mitglieder im Einsatz“, erklärt er.

An zwei Holzgrills werden Hähnchen gebrutzelt

Die erste Schicht am Grill übernahm Stefan Keller, der seit vielen Jahren zum Team des Pfingstmusikfestes gehört. An zwei Holzgrills brutzelte er gleichzeitig 95 Hähnchen, also umgerechnet 190 halbe Hähnchen, die ausgeliefert werden konnten. „Bis die Hähnchen fertig sind, vergehen gute 75 Minuten“, erklärte er. Sobald die Hähnchen vom Grill kamen, wurden sie portioniert, in Wärmeboxen verpackt und mitsamt einer Dankeskarte des Musikvereins den Fahrern übergeben.

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Dann gingen die Hähnchen auf die Reise und wurden nach Leimbach, Hepbach, Stadel, Ittendorf, Markdorf, Riedheim, Bergheim, bis nach Bermatingen und Ahausen sowie Oberteuringen und Hefigkofen ausgefahren. „Wir waren begeistert, wie schnell wir ausverkauft waren“, freut sich Vorsitzender Edwin Gehweiler. „Wir hätten noch mehr verkaufen können, aber mehr wäre einfach von der Kapazität nicht gegangen“, meint er.

Max Nordmann zeigt sich ebenso zufrieden, immerhin habe man es dank eines ausgeklügelten Plans geschafft, an einem Tag so viele Hähnchen zu verkaufen wie man sonst beim Pfingstmusikfest an zwei Tagen verkauft hätte.

„Das Pfingsthähnchen gehört bei uns zur Tradition.“
Markus Steiner aus Leimbach

Einer der ersten Grillhähnchen-Empfänger war Markus Steiner aus Leimbach, er freute sich sehr über die Lieferung für seine Familie. „Das Pfingsthähnchen gehört bei uns zur Tradition“, sagte er. Als direktem Anwohner des Festplatzes fehle ihm das Pfingstmusikfest sehr. „Ich bin glücklich, dass wir wenigstens unsere Tradition mit dem Hähnchenessen weiterpflegen können, jetzt fehlt eigentlich nur noch die Hintergrundmusik, dann wäre es perfekt.“

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Auch die Ausfahrerinnen sahen sich als Glücksbotinnen. „Die Leute freuen sich alle riesig, wenn wir mit den Hähnchen vor ihrer Türe stehen“, erzählte Anne Nordmann. Das Trinkgeld, das die Frauen bekamen, kommt ebenfalls dem Verein zugute. Vera Frick ergänzte: „Unser Trinkgeld ist das Strahlen der Leute, wenn sie die Hähnchen bekommen.“