Um 7 Uhr morgens ist Markdorf noch ruhig. Zumindest am Ostersonntag bleibt da noch alles still. Nicht einmal vor dem Haus im Weinberg begegnen Menschen. Dabei könnten sie sich einen Oster-Impuls abholen. Ein DIN-A-4-Blatt mit Gebeten zum höchsten christlichen Feiertag darauf, mit Gebeten und auch mit jenen Bibelversen aus dem Markusevangelium, die schildern, wie Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Gekreuzigten, frühmorgens am leeren Grab eintreffen.

Schon frühmorgens gab‘s beim Haus im Weinberg außer schriftlichen Gebetsimpulsen auch ein Osterlicht zum Mitnehmen.
Schon frühmorgens gab‘s beim Haus im Weinberg außer schriftlichen Gebetsimpulsen auch ein Osterlicht zum Mitnehmen. | Bild: Jörg Büsche

Hier vor dem evangelischen Gemeindehaus steht ein Tischchen mit einer brennenden Kerze darauf, an der die Gläubigen seit 5.30 Uhr ihre Osterlichter anzünden und mitsamt den Impulsblättern mit nach Hause nehmen können.

Was ist Ostern?

Der sechsjährige Leonard und Johannes Gäng haben am Morgen bei den Großeltern Ostereier gesucht – und sind dabei fündig geworden.
Der sechsjährige Leonard und Johannes Gäng haben am Morgen bei den Großeltern Ostereier gesucht – und sind dabei fündig geworden. | Bild: Jörg Büsche

Schönstes Frühlingswetter am Ostersonntag

„Was für ein herrlicher Tag“, wird Michael Linnig drei Stunden später ausrufen, dabei beide Arme anhebend, „kein Wölkchen am Himmel“. Beide strahlen: Michael Linnig und seine Frau Magdalena. Sie sind auf dem Weg in die katholische Kirche. Jetzt, um kurz vor 10 Uhr, vor Beginn der Eucharistiefeier, ist schon mehr los in der Stadt. Auf dem Marktplatz parken schon die ersten Autos. Am Nachmittag werden die Wagen dann so dicht stehen wie an einem ganz normalen Werktag. Ihre Kennzeichen zeigen, dass sie aus der gesamten Region und noch weiter her kommen.

Mit Anmeldung, Abstand und strenger Einhaltung der Hygiene-Vorschriften durfte ein Präsenzgottesdienst stattfinden.
Mit Anmeldung, Abstand und strenger Einhaltung der Hygiene-Vorschriften durfte ein Präsenzgottesdienst stattfinden. | Bild: Jörg Büsche

Nur 62 Besucher dürfen in den Ostergottesdienst

In der Kirche, im großzügigen Schiff von St. Nikolaus, wird noch der Altar geschmückt. Maria Stump, Marianne Gollor und Viktoria Beck, drei jener in Pandemiezeiten noch unverzichtbareren Helferinnen in der Gemeinde, lassen bereits die ersten Angemeldeten ein. Gottesdienstbesucher werden zu ihren Plätzen geführt, während oben auf der Orgelempore geprobt wird. Eine anmutige Telemann-Melodie taucht die Kirche in seltsam heitere Unbeschwertheit, während zu Abstand, Hygiene und Maskentragen ermahnt wird. „62 Plätze durften wir vergeben“, erklärt Maria Stump. Nicht viel für eine so große Kirche. Dass der Zugang zum Gottesdienst an diesem Osterfest 2021 immer noch beschränkt sei, das habe sie sich vor einem Jahr, an den ersten Corona-Ostern, nicht gedacht, erklärt Maria Stump.

Edith Anna Beck, Brigitte Kahmann und Günther Beck singen beim Gottesdienst in der St.-Nikolaus-Kirche.
Edith Anna Beck, Brigitte Kahmann und Günther Beck singen beim Gottesdienst in der St.-Nikolaus-Kirche. | Bild: Jörg Büsche

Und Musik gib es doch

„Beim Gloria gibt‘s kein Halten mehr!“ erinnert Kirchenmusiker Johannnes Tress seine Sängerinnen und Sänger auf der Orgelempore zu noch mehr Enthusiasmus. Mehr Begeisterung in der Stimme. „Für mich gehört das Singen einfach dazu, gerade an Ostern“, erklärt Markus Kölle. Der Tenor bedauert, dass, anders als sonst, keine der großen Messen gesungen wird.

Auf ihre Kosten kommen die Musikfreunde unter den Gottesdienstbesuchern trotzdem. Da sind die zwei Sätze aus der C-Dur-Sonate von Georg Philipp Telemann, die Blockflötistin Katja Verdi spielt. Und da ist die „Missa coronae simplex paschali laudes Markdorfensis“, die den Gottesdienst begleiten wird. Eine Komposition von Johannes Tress, die am Ende des Gottesdienstes von den Zuhörern ebenfalls mit viel Applaus bedacht wird – so wie fünf Sängerinnen und Sänger des Kirchenchors und die Blockflötensolistin.

Vikar Simon Dreher bei der katholischen Eucharistiefeier am Ostersonntag.
Vikar Simon Dreher bei der katholischen Eucharistiefeier am Ostersonntag. | Bild: Jörg Büsche

Frohe Botschaft – auch in trüben Zeiten

„Jesus lebt!“ Das sei die Botschaft des Osterfests. Hoffnung auf Heil werde verkündet, erklärt Vikar Simon Dreher bei seiner Predigt. Gerade an die Skeptiker wendet er sich. Nach Heil und Hoffnung sehe es derzeit ja eher nicht aus, da „Querköpfe, eher Matschbirnen“ für steigende Infektionszahlen sorgen, so Dreher. Und dies sei nur ein Unheil von vielen, die uns derzeit plagten. Maria von Magdala habe das trostlos leere Grab vorgefunden, doch beim zweiten Blick erkannt, das Jesus lebt. Der Vikar betont, wie groß, wie wichtig schon in der Bibel die Rolle der Frauen ist. „Wir werden mit der Nase darauf gestoßen.“

Das muss festgehalten werden: Der Stopp vor der steilsten Gehrenberg-Etappe von Anja, Maria, Karl und Uwe Kübner aus Schnetzenhausen.
Das muss festgehalten werden: Der Stopp vor der steilsten Gehrenberg-Etappe von Anja, Maria, Karl und Uwe Kübner aus Schnetzenhausen. | Bild: Jörg Büsche

Ausflügler rund um den Gehrenberg

Der Parkplatz neben der St.-Nikolaus-Kirche ist inzwischen voll. Auf den Bänken bei der Linde sonnen sich Menschen – ebenso wie auf den Sitzgelegenheiten an der Kirchenmauer. Motorräder dröhnen die Gehrenbergstraße empor. Radfahrer quälen sich, weniger jene, die ein Elektromotor antreibt.

Christine Göpfert, Sven Göpfert und Lioba Rimmele genießen auf den Stufen zur Kirche ein Eis.
Christine Göpfert, Sven Göpfert und Lioba Rimmele genießen auf den Stufen zur Kirche ein Eis. | Bild: Jörg Büsche

Und auf den Wiesenflächen beim Grillplatz sitzen Menschen. Picknickend die einen, sich vom Anstieg und fürs Weiterwandern erholend die anderen. Von Trostlosigkeit ist hier nichts zu spüren – auch nicht von Sorgen. Aber das kann auch täuschen.

Sandra, Sophie, Thomas und Marie Bröschl nutzen das schöne Osterwetter, um den Premiumwanderweg „Guck-ins-Land“ zu gehen.
Sandra, Sophie, Thomas und Marie Bröschl nutzen das schöne Osterwetter, um den Premiumwanderweg „Guck-ins-Land“ zu gehen. | Bild: Jörg Büsche

Selbst wenn sogar der zweite Blick nicht zeigen kann, was die dort Plaudernden umtreibt, mit welchen Gedanken sie ihre Rast beenden, bevor sie wieder aufs Rad steigen. Doch beim Gespräch ist zu erfahren, was dieser oder jenem durch den Kopf geht.

Ideales Picknickwetter – finden Markus Boese, Lena, Christine Halder und Nadja. Und Frühstücken im Freien sei schon wegen des Abstandhaltens sinnvoll.
Ideales Picknickwetter – finden Markus Boese, Lena, Christine Halder und Nadja. Und Frühstücken im Freien sei schon wegen des Abstandhaltens sinnvoll. | Bild: Jörg Büsche

Etwa dem picknickenden Markus Boese, der am Vormittag den evangelischen Gottesdienst besucht hat. „Pfarrer Nagys Predigt hat mich sehr beeindruckt.“ Von Freiheit habe der Geistliche Gesprochen. Von innerer Freiheit und innerer Kraft – sogar in hoffnungslosen Situationen.

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