Am 27. Juni wird in Markdorf der Bürgermeister oder die Bürgermeisterin für die nächsten acht Jahre gewählt. Bislang, Stand 7. Mai, bewerben sich Amtsinhaber Georg Riedmann und die Langenargener Heilpraktikerin Heike Padberg. Eine große Rolle spielen bei Persönlichkeitswahlen auch die Parteien und politischen Gruppen in einer Stadt: Wie ist die Zusammenarbeit im Gemeinderat? Wie zufrieden oder unzufrieden sind sie mit dem Amtsinhaber? Unterstützen sie ihn, wenn er sich wieder zur Wahl stellt, oder gehen sie selbst auf Kandidatensuche? Oder unterstützen sie den oder einen der Gegenkandidaten?

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Der SÜDKURIER hat sich bei den Fraktionschefs und Ortsverbandsvorsitzenden umgehört. Gibt es Überraschungen oder kann sich Riedmann, zumindest an dieser Front, zurücklehnen?

Umweltgruppe: Man sei „nicht unzufrieden“ mit Riedmann, sagt Mutschler

Man sei zwar daran interessiert, dass es eine tatsächliche Wahl – also mit zwei oder mehr Kandidaten – gebe, zugleich sei man aber mit Riedmann „nicht unzufrieden“. Damit begründet Joachim Mutschler, Ortsverbands- und Fraktionsvorsitzender der Umweltgruppe (UWG), weshalb seine Gruppierung sich nicht selbst auf die Suche nach einem alternativen Kandidaten begibt.

Joachim Mutschler, Vorsitzender der Umweltgruppe: „Wir sind niemandem verpflichtet.“
Joachim Mutschler, Vorsitzender der Umweltgruppe: „Wir sind niemandem verpflichtet.“ | Bild: Privat

Ob sich die UWG in den kommenden Wochen aber auch aktiv für Riedmann einsetzen werde, hänge von eventuellen Mitbewerbern ab, sagt Mutschler. Aktuell sei dies bei der UWG jedenfalls nicht geplant. „Wir sind niemandem verpflichtet“, betont Mutschler. Auf der anderen Seite werde die UWG aber öffentlich klar kommunizieren, wenn sie einen Bewerber für ungeeignet halte und ablehne. An dieser Haltung ändere zunächst einmal auch der Umstand nichts, dass sich mit Padberg seit Donnerstag eine Gegenkandidatin im Rennen befindet.

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Die Ziele der Parteien bis 2029

Freie Wähler: „Wir sind nicht auf Kandidatensuche“, sagt Bitzenhofer

Niemandem verpflichtet: So sieht Fraktionssprecher Dietmar Bitzenhofer auch seine Freien Wähler (FW). „Wir Freien Wähler sind nicht auf Kandidatensuche, das haben wir auch in der Vergangenheit noch nie gemacht“, sagt er. Obwohl es in den zurückliegenden Monaten immer wieder mal ordentlich geknirscht hatte zwischen den Freien Wählern im Gemeinderat und Riedmann? „Auch nicht mal deshalb“, entgegnet Bitzenhofer. Fraktion und Ortsverband lägen dabei auf einer Linie: Bitzenhofer hat sich für seine Antworten mit deren Vorsitzender Irene Holstein abgestimmt.

FW-Fraktionssprecher Dietmar Bitzenhofer: „Eine Wahl ohne Wahl ist keine Wahl und wäre auch für den Amtsinhaber unbefriedigend.“
FW-Fraktionssprecher Dietmar Bitzenhofer: „Eine Wahl ohne Wahl ist keine Wahl und wäre auch für den Amtsinhaber unbefriedigend.“ | Bild: Privat

Grundsätzlich seien die FW für jeden Kandidaten ansprechbar: „Wer das Gespräch mit uns sucht, der bekommt es, das ist ein Gebot der Fairness“, sagt Bitzenhofer. Noch zweifelt der erfahrene Kommunalpolitiker daran, dass am Wahltag tatsächlich auch mehrere Kandidaten auf dem Wahlzettel stehen. Die Corona-Pandemie werde wie schon bei der Landtagswahl den Wahlkampf erheblich beeinträchtigen.

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Bei den FW würde man sich aber über eine Auswahl für die Bürger freuen. „Eine Wahl ohne Wahl ist keine Wahl und wäre auch für den Amtsinhaber unbefriedigend“, meint Bitzenhofer. An dieser Ansicht habe auch die Kandidatur von Heike Padberg nichts geändert: Mit einer Auswahl meine er mehrere geeignete Kandidaten, so Bitzenhofer.

SPD: Neutral gegenüber Bewerbern, aber offen für Gespräche

Weder Unterstützung für den Amtsinhaber noch auf der Suche nach einer Alternative: „Wir wollen uns im Wahlkampf neutral halten“, sagt auch der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Stephan Seidel. Auch er hat sich mit seinem Fraktionssprecher Uwe Achilles abgestimmt. „Uns geht es auch bei dieser Persönlichkeitswahl um die Inhalte“, sagt Seidel, unabhängig vom Bewerber.

SPD-Ortsverbandsvorsitzender Stephan Seidel: „Uns geht es auch bei dieser Persönlichkeitswahl um die Inhalte.“
SPD-Ortsverbandsvorsitzender Stephan Seidel: „Uns geht es auch bei dieser Persönlichkeitswahl um die Inhalte.“ | Bild: SK

Aber: Konkurrenz belebe das Geschäft, auch nachdem es nun eine Gegenkandidatin gibt. „Es wäre wünschenswert, dass zumindest noch ein weiterer Kandidat hinzukommt“, sagt Seidel. Auch für die demokratische Kultur in der Stadt und für die Bürger selbst halte die SPD eine Wahl mit mehreren Bewerbern für die deutlich wünschenswertere Variante. Seidel betont, auch die SPD stehe allen Bewerbern für Gespräche zur Verfügung. Man stelle sich dabei der inhaltlichen Debatte und dabei gehe es um alle Aspekte eines Kandidaten oder einer Kandidatin – auch zum Beispiel um den der Haltung zur Corona-Frage, die bei Padberg eine Rolle spiele.

CDU: Sie unterstützt ihren Parteifreund Georg Riedmann

Bei der CDU hingegen ist die Sache klar: „Die CDU Markdorf und die Fraktion unterstützen den Amtsinhaber Georg Riedmann in seiner Kandidatur für eine zweite Amtszeit“, schreiben die Stadtverbandsvorsitzende Susanne Schwaderer und Fraktionschefin Kerstin Mock, die die Fragen schriftlich beantworten. Alles andere wäre natürlich auch ein Affront für den Bürgermeister: Schließlich ist Riedmann CDU-Mitglied und auch Sprecher der CDU-Kreistagsfraktion. Die Frage der Haltung der CDU im Wahlkampf ist also glasklar geklärt.

CDU-Stadtverbandsvorsitzende Susanne Schwaderer: „Für die CDU Markdorf ist die Bürgermeisterwahl keine Parteienwahl, sondern eine Persönlichkeitswahl.“
CDU-Stadtverbandsvorsitzende Susanne Schwaderer: „Für die CDU Markdorf ist die Bürgermeisterwahl keine Parteienwahl, sondern eine Persönlichkeitswahl.“ | Bild: WWW.FOTODESIGN-SINGER.DE

Dennoch stehe auch die CDU „jederzeit allen Kandidaten für ein Kennenlerngespräch zur Verfügung“, schreiben die CDU-Frauen. Für die CDU in Markdorf sei die Wahl aber keine Parteienwahl, sondern eine Persönlichkeitswahl, betonen Schwaderer und Mock. Deshalb seien bislang auch keine öffentlichen inhaltlichen Statements der CDU geplant.

FDP: Ein „vielversprechender“ Interessent habe leider zurückgezogen, sagt Haas

„Demokratie braucht Kandidaten, nur ein oder zwei Bewerber wären unbefriedigend“, sagt FDP-Stadtrat Rolf Haas. Dass er und Riedmann häufig auch nicht auf einer Wellenlänge liegen, ist kein Geheimnis und lässt sich regelmäßig im Gemeinderat beobachten. Dennoch sei die FDP nicht auf der Suche nach einem eigenen Kandidaten, betont Haas. Wenn die FDP sich positionieren werde, dann erst, wenn er und seine Parteikollegen mit allen Bewerbern gesprochen hätten.

FDP-Fraktionschef Rolf Haas: „Wir hatten einen Interessenten, der sehr vielversprechend war, aber der hat dann zurückgezogen.“
FDP-Fraktionschef Rolf Haas: „Wir hatten einen Interessenten, der sehr vielversprechend war, aber der hat dann zurückgezogen.“ | Bild: SK

Mit drei potenziellen Kandidaten habe man allerdings schon Gespräche geführt, darunter auch mit Riedmann. Die beiden anderen Interessenten, die auf ihn zugekommen seien, hätten dann aber doch von einer Kandidatur abgesehen, so Haas. Zumindest von einer der beiden Personen wisse er, dass sie sich auch den anderen Fraktionen vorgestellt habe. Dieser Interessent, so Haas, sei „sehr vielversprechend“ gewesen, habe aber mit Verweis auf die Corona-Beschränkungen von einer Kandidatur abgesehen. Er hoffe, dass am Ende vier oder fünf Kandidaten in die Wahl gingen, sagt Haas. Dafür sei aber auch noch drei Wochen Zeit.

Grüne: Der künftige Bürgermeister muss die Corona-Wunden heilen, sagt Alber

Eine klare Aussage gibt es von Jonas Alber, Sprecher des Ortsverbandes Markdorf der Grünen: „Wir Grünen werden uns bei der kommenden Bürgermeisterwahl als Partei nicht für einen Kandidaten aussprechen und auch keinen eigenen Kandidaten aufstellen“, sagt Alber.

Jonas Alber, Sprecher im Ortsverband Markdorf der Grünen: „Wir Grünen werden uns bei der kommenden Bürgermeisterwahl als Partei nicht für einen Kandidaten aussprechen.“
Jonas Alber, Sprecher im Ortsverband Markdorf der Grünen: „Wir Grünen werden uns bei der kommenden Bürgermeisterwahl als Partei nicht für einen Kandidaten aussprechen.“ | Bild: SK

Für den neuen Bürgermeister, gleich ob es der Amtsinhaber oder eine andere Person sei, müsse es nun darum gehen, dass die Bildungs- und Veranstaltungsangebote in Markdorf nach einem Rückgang der Corona-Pandemie wieder aufgebaut werden müssten. Die Gesellschaft und vor allem die Jugendlichen hätten stark unter der Corona-Krise gelitten.

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Schulen und Kindergärten müssten weiter ausgebaut, Vereine und Veranstaltungen unterstützt, die Mobilitätswende auch lokal herbeigeführt werden. Unter anderem an diesen Vorhaben und deren Umsetzung „werden wir als Partei das nächste Stadtoberhaupt messen“, betont Alber.