Nach dem Funken war Funkstille: Nichts ging mehr bei der Historischen Narrenzunft Markdorf und so fielen die Berichte bei der Hauptversammlung in der Stadthalle so dürr wie ein vertrockneter Narrenbaum aus. Den konnten die Markdorfer wenigstens noch stellen und die Pappkameraden der Vermesser auf dem Rathaus-Balkon sahen so täuschend echt aus, dass sich Passanten beschwert hatten, dies sei nicht coronakonform. Die große Frage heißt nun: Wird es 2022 eine Fasnacht geben?

Das könnte Sie auch interessieren

Nach heutigem Stand der Dinge: Ja! Diese frohe Aussicht übermittelte Zunftmeisterin Birgit Beck den vielen Besuchern, aufbauend auf einen aktuellen Beschluss, nachdem sich das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration mit den Narrenverbänden und dem Städte- und Gemeindetag besprochen hatte. Entsprechende Regelungen und Hygienevorgaben sollen das gemeinsame Feiern möglich machen. Bei Saalveranstaltungen setzen die Verbände auf 2G für alle. So können die Veranstalter auf Maske und Abstandsregeln verzichten und die Räume voll auslasten. Bei Straßenveranstaltungen hingegen wird ein noch auszuarbeitendes Hygienekonzept nötig sein, das die Veranstalter vor Ort an die Gegebenheiten anpassen und vom örtlichen Gesundheitsamt genehmigen lassen.

Zunftmeisterin: „Macht weiter mit den Proben oder fangt an“

Birgit Beck erklärte: „Wir wollen Fasnet, werden auf Sicht fahren und an den Stellschrauben drehen. Macht weiter mit den Proben oder fangt an. Stand heute haben wir Möglichkeit für Auftritte. Wir werden euch rechtzeitig informieren.“ Bürgermeister und Ehrenpräsident Georg Riedmann freut sich jedenfalls „riesig auf die Fasnacht 2022“ und ist zuversichtlich, sie feiern zu können. Er berichtete von Dekan Nicola, der sich jetzt schon Notizen für seinen Auftritt mache. Die Stadt werde alles möglich machen, was möglich sei.

Etwas Fasnacht gab es auch zu Corona-Zeiten – dank der Idee von Richard Gratwohl, der gemeinsam mit anderen im Eiscafé Zoldana Narrenpuppen aufstellte. Närrisches Gefühl vermittelten auch die originellen Online-Aktionen wie Quiz, Videos, virtuelles Preisschnellen und ein „Ochsenbach-Kurierle“, wie Zunftschreiberin Nicola Benz berichtete. Mit den roten Halstüchle signalisierten die Narren ihre Verbundenheit.

Das könnte Sie auch interessieren

Dass sich auch die Tauben im Zunfthaus Obertor wohlfühlen, die sich nach jeder Vergrämung andere Stellen suchten, schilderte Obertorpfleger Harald Geng sehr lustig. Mit der Wiederbelebung des Obertors setzt man auf deren Verschwinden. Laut Bericht von Säckelmeister Reinhold Späth konnte für Zunft und Stiftung ein geringer Überschuss erreicht werden. Damit die Kasse wegen fehlender Einnahmen geschont blieb, hatten die Vermeser ihre Doubles selbst bezahlt, berichtete Clemens Scheidweiler. Gesucht wird eine Halle, in der die Fahnenschwinger üben können, bat Christian Altstädter um Informationen. Gut gelöst hatte das Funkenteam die Entsorgung der Narrenbäume: „Forstunternehmer Ewald Sträßle war gleich Feuer und Flamme“, so Berti Müller.

Wie sehr allen während der narrenfreien Zeit das Herz geblutet hat, verdeutlichte die Zunftmeisterin. Sie hatte sich über die vielen Aktionen gefreut, die trotz Pandemie und zurückhaltenden Agierens möglich waren. Die Arbeitspunkte würden erneut ausgesetzt, der Jahresbeitrag wird laut Mitgliederentscheid belassen. Bei der Abfrage des Stimmungsbilds erklärten sich einige Mitglieder bereit, Gäste mit Maske zu bedienen. Es sei wegen der Einnahmen wichtig, das Obertor zu öffnen und eine Abwanderung von Gästen zu verhindern. Gern dürfen sich weitere Freiwillige für den Arbeitseinsatz am Obertor am 13. November melden.

Die Geehrten, hinten von links: Hardy Frick, Kurt Steiger, Conny Rick. Mitte: Wilfried Welte, Ernst Benzing, Christian Wegmann, Werner Rotmund und Birgit Beck. Vorne: Heidi Welte, Bruno Rothweiler, Michael Bauer und Nicola Benz.
Die Geehrten, hinten von links: Hardy Frick, Kurt Steiger, Conny Rick. Mitte: Wilfried Welte, Ernst Benzing, Christian Wegmann, Werner Rotmund und Birgit Beck. Vorne: Heidi Welte, Bruno Rothweiler, Michael Bauer und Nicola Benz. | Bild: Chrstiane Keutner