„Die Idee zu den Wegen haben wir im Frühjahr zusammen mit den Integrationsbeauftragten des Bodenseekreises entwickelt“, sagt Michaela Funke, Integrationsbeauftragte der Stadt Markdorf. „Wegen Corona sollte es etwas sein, das auf alle Fälle draußen stattfinden kann“, erklärt sie das Konzept. Entstanden sind acht Begegnungswege zwischen Überlingen und Tettnang, die unterschiedlich lang sind und maximal bis 7. November beschildert sein werden.

Aufgaben zum bewussten Umgang

Die meisten dieser Spazierwege seien zwischen einem und sechs Kilometer lang, einer – von Eriskirch nach Langenargen – bietet sogar 20 Kilometer Spazieren in freier Natur, sagt Funke. Auf allen Wegen finden Wanderer Schilder am Wegesrand. Darauf sind Zitate, Achtsamkeitsübungen, Anregungen zum Nachdenken, Geschichten zum Schmunzeln und kleine Aufgaben zum bewussten Umgang im gemeinsamen Miteinander, in gesellschaftlicher Vielfalt und mit gegenseitigem Respekt. „Die Idee war auch, dass die Menschen an den einzelnen Stationen miteinander ins Gespräch kommen. Das fanden wir besonders wichtig, nach der langen Zeit zwischenmenschlicher Distanz“, so Funke.

Der Spaziergänger kommt an den Weinreben oberhalb von Markdorf vorbei.
Der Spaziergänger kommt an den Weinreben oberhalb von Markdorf vorbei. | Bild: Heike Gumsheimer

Der Markdorfer Begegnungsweg beginnt am Spielplatz in der Straße Im Kapuzineröschle. Von dort führt eine beschilderte Strecke nach Wangen zur St. Konradskapelle, über die Obere Wangerhalde geht der Weg durch die Weinberge zurück nach Markdorf. Bereits nach wenigen Metern erfährt der Spaziergänger auf einem der Schilder, dass allein in Markdorf Menschen aus 85 Staaten leben. „Ich war völlig überrascht, dass es hier so viele verschiedene Nationen gibt“, sagt Stephanie Sandkühler vom Freundeskreis Flucht und Asyl, die sich jüngst mit rund zehn anderen Personen zur Eröffnung des Begegnungswegs aufgemacht hatte. „Ich habe mich dann gefragt, wie und warum eigentlich die ausländischen Menschen in meinem Bekannten- und Freundeskreis hier her kamen“, ergänzt Stephanie Sandkühler. Der Weg rege auf alle Fälle zum Nachdenken an.

Michaela Funke, Integrationsbeauftragte der Stadt Markdorf, erklärt das Konzept des Begegnungswegs.
Michaela Funke, Integrationsbeauftragte der Stadt Markdorf, erklärt das Konzept des Begegnungswegs. | Bild: Helga Stützenberger

Einige Stationen weiter lernt der Spaziergänger, dass die Karbatsche, die aus der Markdorfer Fasnacht nicht mehr wegzudenken ist, ihren Ursprung eigentlich im ungarisch-türkischen Raum hat. Und oben auf der Anhöhe, wird der Wanderer nicht nur mit Ausblicken auf See und Säntis konfrontiert, sondern auch mit einem geistigen Perspektivwechsel. „Bei den Weinreben gibt es ein paar Schilder mit Aufgaben, die klar machen, dass es vor allem auf Wahrnehmungen, Einstellungen und Sichtweisen im Miteinander ankommt“, sagt Irmgard Teske. Der Weg sei sehr gut gelungen, er stelle Fragen und gäbe oft überraschende Antworten, so Teske. „Mich hat vor allem der Einblick in das Leben der ersten Arbeitsmigranten hier sehr beeindruckt“, erklärt Teske. „In welche gesellschaftliche Verhältnisse sie hier gekommen sind und wie sehr sie unser Leben bereichert haben, nicht nur beim Essen.“

Kleine Achtsamkeitsübung am Wegesrand: Ein besonderer Stein soll gesammelt und niedergelegt werden.
Kleine Achtsamkeitsübung am Wegesrand: Ein besonderer Stein soll gesammelt und niedergelegt werden. | Bild: Heike Gumsheimer