Irgendwann sei ihm dieser Flyer in die Hände gefallen, erinnert sich Jonas Matzenbach. Das Faltblatt informierte über die Arbeit von 16- bis 27-Jährigen, die sich freiwillig in einer sozialen Einrichtung engagieren. In der Regel ist dieses Freiwillige Soziale Jahr, kurz FSJ, auf einen Zeitraum von sechs Monaten bis zu 24 Monaten beschränkt. In den allermeisten Fällen dauert es ein Jahr.

So wie bei Jonas Matzenbach, der von September 2019 an im katholischen Pfarrhaus von Markdorf mitarbeitete, außerdem aber auch im Jugendbüro des Dekanats Linzgau, das in der Zeppelinstraße sitzt.

Sinnvolles tun statt nur zu jobben

Was kommt nach dem Abitur? Diese Frage hatte sich auch Jonas Matzenbach gestellt. Dem inzwischen 20-jährigen Bermatinger war „das gänzlich unklar“, wie er erzählt. Also entschloss er sich zunächst einmal, Geld zu verdienen. Er nahm im Sommer 2018 Ferienjobs an – und jobbte anschließend auch noch weiter. Etwa ein Jahr lang hielt er es so. Dann zog er Bilanz. Mit dem Ergebnis: „Nur zu jobben bringt mich ja nicht wirklich weiter.“

Das könnte Sie auch interessieren

Eine berufliche Perspektive sah er in der Fotografie. Der Einstieg dort aber war schwierig. Mit der angestrebten Fotografen-Ausbildung wollte es einfach nicht klappen. Besagter Flyer brachte ihn dann auf die Idee, ein FSJ anzutreten. Weil ihm diese Arbeit zumindest sinnvoll schien.

„Die jungen Menschen können sich bei uns ausprobieren“, erklärt Stefania Menga, Gemeindereferentin in der Seelsorgeeinheit Markdorf. Da es für die von der Caritas angebotenen FSJ-Stellen sehr unterschiedliche Einsatzbereiche gebe – die Bandbreite reiche von der Kindertagesstätte übers Krankenhaus und Pflegeheim bis zur Beratungsstelle – bestehe insbesondere für jene, die einen Beruf im sozialen Bereich ins Auge fassen, während des FSJ die Gelegenheit, einmal sehr praxisnah diesem Arbeitsfeld zu begegnen. „Das vermittelt einen Blick hinter die Kulissen“, so Menga, „das bringt auch ins Gespräch mit Menschen, die dort arbeiten.“

Einblicke in soziale Berufe gewinnen

Noah Loebermann, 19, der Nachfolger von Jonas Matzenbach als FSJler im Pfarrhaus und Jugendbüro des Dekanats Linzgau, begreift solche Einblicke und Begegnungen für sich als Chance. „Ich denke über einen Beruf im sozialen Bereich nach“, erklärt der 17-Jährige. Nach etlichen Jahren als Leiter bei den Ministranten könne er sich eine Arbeit mit Jugendlichen sehr gut vorstellen.

Das könnte Sie auch interessieren

Auch deswegen habe er sich für die FSJler-Stelle im Pfarrbüro von St. Nikolaus beworben. In der Hoffnung, im Anschluss mehr Gewissheit zu besitzen. „Wer weiß“, sagt Noah Loebermann mit einem Schmunzeln, „vielleicht will ich ja in einem Jahr überhaupt nicht mehr in die Jugendarbeit“.

Noah Loebermann freut sich schon auf sein Freiwilliges Soziales Jahr im Pfarrhaus der katholischen St.-Nikolaus-Gemeinde.
Noah Loebermann freut sich schon auf sein Freiwilliges Soziales Jahr im Pfarrhaus der katholischen St.-Nikolaus-Gemeinde. | Bild: Jörg Büsche

Mit mehr Sicherheit, mit weiteren Anhaltspunkten und besserer Orientierung stünden nun die allermeisten seiner Altersgenossen da, die er während des Freiwilligen Sozialen Jahrs kennengelernt hat, berichtet Jonas Matzenbach. Erst kürzlich hatte er jenes abschließende Seminar, das im Paket mit insgesamt 25 Bildungstagen für Weiterbildung und Reflexion sorgt. Und ohne das das FSJ nicht anerkannt wird – zum Beispiel als Vorpraktikum für bestimmte Studiengänge.

Auch Jonas Matzenbach hat während seines Freiwilligen-Jahres Orientierung gefunden. Er möchte demnächst in Ansbach studieren, einen Studiengang, der ihn in Berührung bringt mit Design, Fotografie, Grafik und 3D. „Dass ich das möchte, ist mir in den vergangenen Monaten klar geworden“, erklärt der 20-Jährige. Denn im Pfarrhaus verrichtete er nicht nur Hausmeistertätigkeiten, half nicht nur im Büro aus, betreute nicht nur Jugendliche und Senioren, sondern er brachte seit Beginn der Corona-Krise auch die sonntäglichen Video-Botschaften ins Netz.

„Eine unbezahlbare Zeit für mich“

„Anfänglich hatte ich ja gar keine Ahnung, wie was funktioniert“, erklärt Jonas Matzenbach. Nach vielem Probieren und dank hilfreicher Tutorials gelang es am Ende immer besser. Und die Arbeit machte so viel Spaß, dass der 20-Jährige nun seinen Weg in der Kreativ-Branche sucht. „Eine unbezahlbare Zeit für mich“ blickt er zurück, „superwichtig, viele Kontakte, viele Gespräche, viele, viele neue Eindrücke.“