Da korrespondiert etwas. Dem Altersunterschied und dem gänzlich verschiedenen Arbeiten zum Trotz begegnen sich Laura Benz, Jahrgang 1994, und Pi Ledergerber, Jahrgang 1951. Zwei Künstler, deren Werke harmonieren. Warum das so ist? Dieser Frage können die Besucher der Ausstellung „Linie – Fläche – Raum“ ab 16. September in der Stadtgalerie nachgehen. Wohin der Kunstverein Markdorf erneut einlädt, zu seiner vierten Ausstellung im laufenden Jahr.

Eigentlich hätte in der Stadtgalerie ja in den kommenden Wochen die im Allgäu lebende Bildhauerin Agnes Keil ausstellen sollen. Doch es kam anders: eine Absage der Künstlerin. „Darum waren wir gezwungen, recht kurzfristig nach Ersatz zu suchen“, erklärt Ingrid Friedel-Neumann. Den Bildhauer Pi Ledergerber habe Bernhard Oßwald, der Vorsitzende des Kunstvereins, schon länger im Auge gehabt – spätestens, nachdem er auf der „Art Karlsruhe“ Ledergerber-Skulpturen begegnet ist, so berichtet die Beirätin des Kunstvereins weiter. Ohnehin hatte der im schweizerischen Burgdorf/Kanton Bern lebende Bildhauer bereits in Markdorf wegen einer Ausstellung angefragt, auch einen Katalog eingereicht.

Arbeiten weisen Parallelen auf

Die Malerin Laura Benz ist von Irina Stengele vorgeschlagen worden. Die stellvertretende Vorsitzende des Kunstvereins, Lehrerin am Markdorfer Bildungszentrum und an der Jugendkunstschule in Meersburg kennt die junge Künstlerin aus ihrem Unterricht. Stengele hat Benz auch für die Abgabe der Mappe vorbereitet. Seit 2017 studiert Laura Benz an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart.

Dreidimensionales trifft auf Zweidimensionales. Links eine Skulptur von Pi Ledergerber, rechts ein Gemälde von Laura Benz.
Dreidimensionales trifft auf Zweidimensionales. Links eine Skulptur von Pi Ledergerber, rechts ein Gemälde von Laura Benz. | Bild: Jörg Büsche

„Wir waren uns von Anfang an sympathisch“, sagt die junge Künstlerin über ihre Begegnung mit dem rund vier Jahrzehnte älteren Bildhauer. „Auch weil unsere Arbeiten einfach gut zusammenpassen“, vermutet Pi Ledergerber. Danach gefragt, was sich da fügt und harmoniert, kommt er auf die grafischen Anteile, die er auf den Gemälden von Laura Benz erkennt, aber auch in seinen Steinskulpturen verortet.

Es gibt weitere Parallelen. Auf den Leinwänden von Benz sind vielfach gestische Momente zu erkennen. Sei es, wenn sie stark verdünnte Acrylfarbe à la Graffito aufsprüht. Sei es, indem sie Flächen in großem Schwung übers Bild mäandern lässt. Und Bewegung ist dann auch, was die ledergerberschen Arbeiten ihre erstaunliche Spannung zeigen lässt: Steinplatten türmen sich zu Stapeln, krümmen und winden sich so sehr, dass man hinspringen mag, um die Gebilde vor dem Umfallen zu bewahren. Doch sie kippen nicht um. „Die sind aus einem Stück“, erläutert Ledergerber seine Arbeitsweise. Alle seien aus einem Stück. So spielen seine Skulpturen einerseits mit dem Raum, zeigen darin Wirkung. Außerdem aber spielen sie auch mit dem Material. Jedem Schnitt, jedem Eingriff mit der Säge stehen Flächen gegenüber, an denen keine Meißelspuren zu erkennen sind. Das erzeugt Spannung.

Das könnte Sie auch interessieren

Und Spannungen schafft auch Laura Benz auf ihren Bildern. Die Künstlerin verzichtet auf starke Kontraste. Sie verwendet auch – bei aller Intensität – eher blasse Farben. „Oft bin ich selber überrascht“, so schildert sie ihre malerische Herangehensweise, „was herauskommt, wenn die Farbe trocken ist.“ Laura Benz spricht von mitunter wiederkehrenden Zeichen auf ihren Leinwänden. Es ist ein noch offenes Zeichensystem, die „Schrift“ zu einer Sprache, für die es noch keine Grammatik gibt. Die zu entschlüsseln aber reizt – obwohl diese Aufgabe kaum zu leisten ist.