Noch etwas mehr als ein Monat, dann beginnen die Abschlussprüfungen für die Realschüler in Baden-Württemberg. Dieser Zeitraum ist überschaubar. Anbetrachts der noch zwischendrin liegenden Pfingstferien ist er sogar recht kurz. Und vor dem Hintergrund, dass die drei Wochen Unterricht bis zur ersten Klausur im Fach Deutsch am Dienstag, 8. Juni, für die meisten Schüler im Modus Wechselunterricht stattfinden, machen sich nicht wenige Schüler Sorgen. Den Grund dafür beschreibt zum Beispiel Amar. „Mir fällt das Lernen zu Hause eher schwer“, berichtet der 16-Jährige. Zu zahlreich seien dort die Ablenkungen. Auch fehle der Austausch mit den anderen in der Klasse.

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Seit den Fasnetferien haben die Schüler Wechselunterricht

Ebenso wie die übrigen Klassen der Realschule am Markdorfer Bildungszentrum (BZM) hat auch die 10c seit dem Ende der Fastnachtsferien im Februar Wechselunterricht. Das heißt: Die Klasse wurde in zwei gleich große Gruppen geteilt, in A und in B.

Wenn die Schüler der A-Gruppe in die Schule dürfen, bleiben die der B-Gruppe daheim. Sie haben dann jedoch nicht frei, sondern müssen lernen, was ihnen ihre Lehrer für diese so genannte Homeschooling-Phase aufgetragen haben. Dazu gehören auch Lernphasen am Bildschirm. Es finden Online-Konferenzschalten statt – mit den Lehrern, mit den Mitschülern.

Markus, 15: „Ich mache mir schon Sorgen. Online hat das Lernen nicht so wirklich gut funktioniert.“
Markus, 15: „Ich mache mir schon Sorgen. Online hat das Lernen nicht so wirklich gut funktioniert.“ | Bild: Jörg Büsche

Aber die Unterrichtsphasen wechseln nicht täglich, so wie sich das die Realschulleitung eigentlich gewünscht hatte: Der Wechsel von Homeschooling zu Präsenzunterricht an der Schule erfolgt wöchentlich, weil die Schüler an zwei Tagen in der Woche gegen Corona getestet werden müssen. Beim täglichen Wechsel wäre die Vielzahl der Tests nicht praktikabel gewesen.

Bildschirmarbeit ermüdet schneller als Unterricht in der Schule

Endgeräte seien auch zuhause in der Regel genügend vorhanden, erklärt der 15-jährige Markus. An der Ausstattung mit Rechnern, Laptops, Handys und Tablets hapere es eigentlich nicht, so sein Eindruck. „Und wenn doch was fehlt, gibt es ein Leihgerät von der Schule“, ergänzt die gleichaltrige Emely.

Emely, 15: „Inzwischen mache ich mir über die Prüfungen viel weniger Sorgen, als ich sie mir zu Beginn des Lockdowns gemacht habe.“
Emely, 15: „Inzwischen mache ich mir über die Prüfungen viel weniger Sorgen, als ich sie mir zu Beginn des Lockdowns gemacht habe.“ | Bild: Jörg Büsche

Trotzdem aber sei Lernen auf Distanz, der Fernunterricht, nicht zu vergleichen mit dem Lernen im angestammten Klassenraum. „Am Bildschirm ist alles viel anstrengender“, berichtet Emely. Sich zu konzentrieren falle deutlich schwerer und Zuhören und das beständige Starren auf den Bildschirm ermüde.

Die Voraussetzungen zuhause sind nicht für alle gleich

Viele in der Klasse machen sich Sorgen, wie es wird, wenn im Juni die Prüfungen beginnen. Markus sagt: „Wir sitzen alle in einem Boot.“ Somit herrscht für alle die gleiche Problemlage – manchmal aber mehr, manchmal weniger. Nicht jede und nicht jeder hat daheim Geschwister, die mitunter stören. Nicht jeder bringt die fürs Homeschooling erforderliche Disziplin auf und weiß sich sein Lernpensum gut zu organisieren.

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Emely zum Beispiel hat sich dabei ertappt, „dass ich für die Fächer, die ich mag, mehr tue als für die, die mir nicht so liegen“. Da sei etwa die Sache mit den Sinuskurven gewesen. Die habe sie ein wenig schleifen lassen, bekennt die 15-Jährige.

Es gibt keinen Pandemie-Bonus für die Prüfungen

Kathrin Szerdahelyi, die Klassenlehrerin in der 10c, glaubt nicht, dass die Abschlussschüler einen Corona-Bonus bei ihren Prüfungen bekommen. Der derzeitige Stand sei, dass die Lehrer gewisse Wahlmöglichkeiten haben, wenn sie sich am Tag der Prüfung für diese oder jene Aufgabe entscheiden müssen, sagt sie. Am Ende aber müsse das Pensum dennoch geschafft sein – Pandemie hin, Pandemie her.

Diana, 15: „Im Grunde fühle ich mich ziemlich verunsichert. Beim Online-Lernen hat mir einfach die Struktur gefehlt.“
Diana, 15: „Im Grunde fühle ich mich ziemlich verunsichert. Beim Online-Lernen hat mir einfach die Struktur gefehlt.“ | Bild: Jörg Büsche

Dass ihre Lehrerinnen und Lehrer seit Beginn des Lockdowns für die Stundenvorbereitung einen erheblichen Mehraufwand betreiben müssen, ist auch den Schülern nicht entgangen. Ebenso wenig wie der nicht perfekte Gleichklang der getrennten Lerngruppen. Mitunter werde von der A-Gruppe erwartet, was erst die B-Gruppe gelernt habe und umgekehrt, berichtet die 15-jährige Diana.

Zu Lockdown- und Homeschooling-Zeiten ist der Seiteneingang der Schule noch geöffnet. Allzuoft werden die Abschlussschüler der Realschule am Markdorfer Bildungszentrum allerdings nicht mehr durch diese Türe gehen.
Zu Lockdown- und Homeschooling-Zeiten ist der Seiteneingang der Schule noch geöffnet. Allzuoft werden die Abschlussschüler der Realschule am Markdorfer Bildungszentrum allerdings nicht mehr durch diese Türe gehen. | Bild: Jörg Büsche

Aber solche Unstimmigkeiten fallen demnächst weg: Wie Kathrin Szerdahelyi berichtet, komme der Unterricht in den Hauptfächern demnächst per Online-Livestream in die Kinder- und Jugendzimmer der Schüler.

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Für die Lehrkräfte bringe das eine deutliche Entlastung, glaubt die Klassenlehrerin. Sie müssten ihren Unterricht dann nur einmal halten, als Präsenzunterricht im Klassenraum, der dann parallel online übertragen würde.