Auf der Empore herrscht Enge. Da steht der Spieltisch fest installiert und da stand am Sonntagabend auch noch ein Marimbafon von ausladenden Dimensionen. Als die Marimbafonistin Katarzyna Mycka und Organist Jens Wollenschläger ihr Konzert für den Förderverein Kirchenmusik gaben, war kaum Durchkommen zwischen Orgelspieltisch und dem Holzschlagstabspiel. Dieses war, das auch in seine Einzelteile zerlegt, nur mit größter Mühe über die steile Wendeltreppe zur Orgelempore zu transportieren. Aber Katarzyna Mycka nahm den Engpass zwischen Orgel und Marimbafon nicht windend oder schlängelnd, sondern im Tanzschritt – gewandt, grazil.

Katarzyna Mycka wird ein tanzendes Spiel nachgesagt

So wird es auch ihrem Spiel von der Fachpresse nachgesagt. Sie tanze, heißt es. Das war beim Konzert in der St.-Nikolaus-Kirche spätestens beim siebten Stück zu hören. Nach Kompositionen von Bach, nach Zeitgenössischem – mal für Marimba solo, mal für Orgel solo –, nach den „Spüren der Ungewissheit“ von Anna Ignatowicz-Glinska für beide Instrumente, spielten Mycka und Wollenschläger Eric Sammuts „Libertango“. Der erinnerte zwar an Piazzollas gleichnamige Stück, klang jedoch weniger jazzig als dessen Bandoneon-Komposition – dafür noch etwas gespannter, noch etwas aufgeladener, womöglich sogar noch etwas lasziver.

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Es ist wohl das Perkussive, das Katarzyna Myckas Holzschlagstabspiel einbringt. Dezent flicht sie es ein. An keiner Stelle überwältigt sie. Den glockig warmen Marimbafon weiß sie raffiniert zu modulieren, seidig in eine Melodie hineinregnen zu lassen – so wie in Bachs für Marimba und Orgel bearbeiteter Overture Nr. 2 h-Moll. Die Marimbafonistin beherrscht aber auch Schroffes, Expressives – so wie in Emmanuel Séjournés Prelude No. 1 für Marimba Solo. Gefällig wirkt das gar nicht, sondern überaus energisch.

Marimbafonistin passender Konzertpart zu Jens Wollenschläger

Die Marimbafonistin erweist sich als passender Konterpart zu Jens Wollenschläger. Denn auch der Organist bändigt sein Spiel, wie in Gaston Litaizes Prélude et Danse Fuguée. Irrlichternd, spritzig hebt an, was mokant nasal weiter anschwillt, um sich schließlich in tumultierende Reigen, brausende Crescendi und alarmierendes Rasen auszuwachsen. Dennoch klingt das Toben gezügelt, keineswegs kraftmeierisch. Die Königin der Instrumente gibt sich selbst bei ihren Ausbrüchen immer noch in gemessener Manier – höfisch.

Publikum dankt mit anhaltendem Applaus

Pfarrer Ulrich Hund hatte eine „besondere Veranstaltung“ angekündigt. Das war nicht übertrieben – ebenso wenig wie der anhaltende Applaus des Publikums in der St.-Nikolaus-Kirche.

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