Ohne Corona würden die Markdorfer in diesen Tagen ihr Stadtfest feiern. Und ohne Pandemieauflagen fände dann auch der übliche ökumenische Gottesdienst statt. Doch muss nun – wegen der nach wie vor zu hohen Inzidenzwerte und der damit verbundenen großen Ansteckungsgefahr – sowohl das Stadtfest als auch der Gottesdienst der beiden großen christlichen Gemeinden ausfallen. Aber auch wenn keine gemeinsame Predigt stattfinden kann, wollen Pfarrer Ulrich Hund und Pfarrer Tibor Nagy am ursprünglich ins Auge gefassten gemeinsamen Anliegen festhalten: „Wir wollen den Blick auf die älteren Mitbürger lenken“, erklärte nun Pfarrer Nagy beim Pressetermin im Haus im Weinberg.

Viele Rentner können von ihren Einkünften kaum noch leben

Wie der evangelische Geistliche weiter ausführte, brenne dieses Thema den beiden Gemeinden schon seit Längerem auf den Nägeln. Und nicht nur den Kirchen, sondern auch den sozialen Einrichtungen in der Stadt. Caritas und Diakonie beobachteten immer öfter, dass Rentner kaum noch leben können von ihren Einkünften. Diesen Eindruck hat auch Renate Hold vom Markdorfer Mehrgenerationenhaus (MGH). „Die Nachfrage nach unserem Topf für die schnelle Hilfe, dem ‚Altersgroschen‘, wie wir ihn nennen, kommt regelmäßig.“

Ähnliches beobachtet auch Günther Wieth von der Markdorfer Tafel, der von Ehrenamtlichen getragenen Abgabestelle für gespendete Lebensmittel. „Auch bei uns in Markdorf wächst die Altersarmut“, so der Tafel-Leiter. Ein Trend, der laut Tafel-Verband bundesweit zunimmt.

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„Eine Lösung für die Strukturellen Probleme können wir mit unseren Gottesdiensten zur Altersarmut natürlich nicht bieten“, erklärte Pfarrer Ulrich Hund. Dies sei auch Aufgabe der Politik – auf Bundes-, Landes- und regionaler beziehungsweise lokaler Ebene. „Was wir allerdings können“, so Pfarrer Nagy, „ das ist, den Boden zu bereiten“. Die am Sonntagmorgen im Haus im Weinberg und in der St.-Nikolaus-Kirche stattfindenden Gottesdienste mit dem Schwerpunkt Altersarmut sollen aufmerksam machen. Den Blick darauf lenken, dass Menschen in der unmittelbaren Nachbarschaft Hilfe gebrauchen könnten. Weil sie anders als die Jüngeren kaum vernetzt sind.

Hilfsbedürftige geben sich nur selten zu erkennen – meistens aus Scham

Die Schwierigkeiten für die Hilfsbereiten, so berichtet Günther Wieth von der Arbeit in der Tafel, beginnen schon dort, wo sich die Hilfsbedürftigen nur selten zu erkennen geben – meistens aus Scham. „Aus falscher Scham“, sagt Wieth. Und auch da soll mit den beiden jeweils um 10 Uhr beginnenden Gottesdiensten angesetzt werden. Die am Sonntag, 6. Juni in St. Nikolaus beziehungsweise dem Haus im Weinberg gesammelten Kollekten fließen in Alten-Hilfsprojekte von Tafel und Mehrgenerationenhaus.