Vor wenigen Wochen waren überall die Reservierungsbücher voll, jetzt haben die Gastronomen nur noch Absagen zu verzeichnen. Auf Hoffnung folgt Frust: Der ersehnte Umsatz zur Weihnachtszeit wenigstens in diesem Jahr bleibt wohl aus. „Auch bei uns wurden alle Weihnachtsfeiern storniert“, bestätigt Frank Schirl vom Wirtshaus am Gehrenberg.

Frank Schirl vom Wirtshaus am Gehrenberg berichtet, dass nahezu alle Weihnachtsfeiern abgesagt wurden.
Frank Schirl vom Wirtshaus am Gehrenberg berichtet, dass nahezu alle Weihnachtsfeiern abgesagt wurden. | Bild: Thomas Kapitel

Stornierungen für 500 Gäste in kurzer Zeit

Bei Andreas Wirth von der Hofschenke im Markdorfer Camping-Hotel Wirthshof sah es vor ein paar Wochen ebenfalls noch gut aus. Dann kam erst die die Absage der Weihnachtsfeiern zweier großer Markdorfer Unternehmen. Sie wollten, so Wirth, wohl ihre ungeimpften Mitarbeiter nicht von der Feier ausschließen.

Andreas Wirth von Hofschenke im Wirthshof musste innerhalb kurzer Zeit rund 400 Stornierungen verkraften.
Andreas Wirth von Hofschenke im Wirthshof musste innerhalb kurzer Zeit rund 400 Stornierungen verkraften. | Bild: Thomas Kapitel

In den letzten Tagen brach es dann über ihn herein: Auch die Gruppen um die 20 oder 30 Personen sagten ab. „Bis jetzt habe ich Stornierungen für rund 500 Personen hereinbekommen“, sagt der Gastronom: „Das sind rund 60 Prozent, die abgesagt haben.“ Um vor Weihnachten mehr kleinere Gruppen ab acht Personen anzusprechen, bietet Andreas Wirth „Das Brettle“ an: Verschiedene Fleischsorten zum Teilen, „Food Sharing“ im „Family Style“. Das sei schön gesellig und komme gut an. Vorzeitige Schließung sei aber kein Thema im Wirthshof: „Ab dem 17. Dezember haben wir Betriebsferien bis Anfang Februar. Wir haben über Weihnachten und Silvester eigentlich nie offen.“

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Nun wird notgedrungen Urlaub abgebaut

Im Landgasthof Höchsten von Hans-Peter Kleemann war die Buchungslage vor wenigen Wochen noch ausgezeichnet. Für Weihnachten, Silvester, auch die Hotelzimmer. „Jetzt ist das schon ein bissle deprimierend, ähnlich wie im Oktober 2020 vor dem Lockdown“, sagt der Hotelier aus dem Deggenhausertal. Seit 2G gelte, seien die Leute noch zurückhaltender. Neulich habe wieder eine ganze Tagung abgesagt: „Da haben wir dann ein paar Tage zugemacht, das Wetter war zudem schlecht hier oben.“ An den Wochenenden gingen die Übernachtungen und Restaurantbesuche eigentlich noch, aber schon jetzt werde wieder rund die Hälfte storniert. „Die Leute haben einfach Angst“, sagt Hans-Peter Kleemann: „Auch mit geimpft und genesen. Und jetzt kommen noch die neuen Varianten hinzu.“

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Jetzt konzentriert sich das Geschäft auf die Wochenenden, dazwischen wird Urlaub abgebaut. Kommt es schlimmer, werde man wie letztes Mal in Kurzarbeit gehen. Das sei zwar eine gute Maßnahme, aber trotzdem bleibe die Sorge: „Bisher haben wir unsere Mitarbeiter gut halten können. Wir hoffen, dass sie nun auch über diese Krisenzeit bei uns bleiben“, hofft Kleemann.

Im „Lichtblick“ halten sich die Absagen noch in Grenzen

Markus Wiggenhauser vom Markdorfer Restaurant Lichtblick spürt dagegen bislang kaum etwas von den Auswirkungen der Pandemie: „Von den Reservierungen her läuft es wie immer. Im oberen Stockwerk ist eigentlich jeden Abend voll reserviert, unten reservieren wir sowieso nicht“, sagt er. Es seien ja auch nicht die großen Weihnachtsfeiern, die ins „Lichtblick“ kämen: „Arztpraxen etwa, kleinere Gruppen so mit bis zu 20 Leuten, und die kommen nach wie vor.“ Das seien auch „eher Jahresabschlussessen als Weihnachtsfeiern“.

Markus Wiggenhauser vom Markdorfer Restaurant Lichtblick kam bislang noch glimpflich davon: Größere Weihnachtsfeiern seien keine gebucht, die kleineren Jahresbaschlussessen fänden trotzdem statt, sagt er.
Markus Wiggenhauser vom Markdorfer Restaurant Lichtblick kam bislang noch glimpflich davon: Größere Weihnachtsfeiern seien keine gebucht, die kleineren Jahresbaschlussessen fänden trotzdem statt, sagt er. | Bild: Thomas Kapitel

Nur eine einzige Firma habe vor vier Wochen reserviert und dann vor einer Woche storniert: „Das waren rund zwölf Personen, das war dann nicht so schlimm“, sagt Wiggenhauser. Im Erdgeschoss laufe es auch relativ gut: „Es gibt schon so Tage, wo oben alles reserviert und unten leer ist“, sagt Wiggenhauser: „Aber die gab es immer. Wegen Wetter, wegen Fußball, man weiß es nie.“ Auch die 2G-Regelung habe offenbar bislang noch keine Gäste abgehalten: „2G funktioniert ganz gut bei uns, die Leute wissen es und sind an der Tür schon vorbereitet.“