38 Unternehmen waren angemeldet und 130 Schüler kamen zum jüngsten „Marktplatz Beruf“ des Schulverbunds am Markdorfer Bildungszentrum (BZM). Das waren auf beiden Seiten der im Untergeschoss der Schule aufgebauten Informationsstände etwas weniger Handwerker, Dienstleister, Verwaltungsangestellte, Personaler und auch informationshungrige Jugendliche als in den Vorjahren. Aber es war eben den streng befolgten Abstands- und Hygieneregeln der aktuellen Pandemiesituation geschuldet.

Corona zwingt zur Reduktion

„Wir sind froh, dass unsere Ausbildungsbörse überhaupt stattfinden konnte“, erklärt Norbert Müller, Lehrer und Berufswegeplaner für die Realschüler am Schulverbund. 2020 hatte die Corona-Pandemie den seit mehr als anderthalb Jahrzehnten stattfindenden „Marktplatz Beruf“ bereits vereitelt. Zum ersten Mal fand er nun ohne Eltern statt. Auch war die Ausbildungsbörse nur für die Neuntklässler. „In früheren Jahren konnten sich auch die Acht- und Zehntklässler informieren“, so Norbert Müller. In Klassenstufe neun sei der Kontakt zu den Betrieben indes besonders wichtig, weil die Schüler dann ihre obligatorischen Betriebspraktika absolvieren müssen.

Mihael und Farrah haben sich über die Arbeit in der Apotheke informiert.
Mihael und Farrah haben sich über die Arbeit in der Apotheke informiert. | Bild: Jörg Büsche

Blick hinter die Kulissen

Josi (15) kommt gerade aus dem Klassenzimmer, in dem Shilan Muslem und Matthias Maunz sitzen. Der Apotheker und seine junge Angestellte erklären, wie sich die Arbeitsabläufe an und hinter der Apotheken-Theke gestalten. „Ich habe gefragt, wie die Arbeitszeiten sind und wie viel Geld man verdient“, berichtet Josi. Die 15-Jährige war nicht alleine bei Shilan Muslem und Matthias Maunz. Mihael und Farrah waren ebenfalls mit von der Partie, um sich ein Bild vom Arbeitsplatz Apotheke zu machen. „Mit der Mittleren Reife kann man sich zum pharmazeutisch-kaufmännischen Assistenten oder zum pharmazeutisch-technischen Assistenten ausbilden lassen“, weiß Josis Mitschüler Mihael.

Shilan Muslem (links) und Apotheker Matthias Maunz erklären, wie es hinter den Kulissen einer Apotheke zugeht.
Shilan Muslem (links) und Apotheker Matthias Maunz erklären, wie es hinter den Kulissen einer Apotheke zugeht. | Bild: Jörg Büsche

Der Apotheker trägt die Verantwortung

Und Apotheker Maunz erläutert, wo der Unterschied zwischen den beiden Berufen liegt. „Die pharmazeutisch-kaufmännischen Assistenten oder kurz PKA regeln alles Organisatorische, sie sind für die Buchführung zuständig, auch fürs Warenlager und sie bestellen die Medikamente“, so Maunz. Ganz frei von Verwaltungsaufgaben seien aber auch die pharmazeutisch-technischen Assistenten nicht, erklärt Maunz, der Inhaber der Markdorfer Panda-Apotheke ist, weiter. Ihre Hauptaufgabe aber sei das Verkaufen, aber auch das Herstellen von Medikamenten. Und bei beidem stehe immer ein Apotheker im Hintergrund, der die Verantwortung tragen muss. Der hat dann auch viele Semester lang Pharmazie studiert, während die Assistenten-Ausbildung – gleich ob für den technischen wie für den kaufmännischen Bereich der Apotheke – „nur“ dreieinhalb Jahre dauert.

Aufschlüsse über Arbeitsbedingungen

Doch das sind nur die ganz allgemeinen Rahmenbedingungen. Den an einer PKA- beziehungsweise PTA-Ausbildung näher interessierten Schülerinnen schildern Shilan Muslem und Matthias Maunz dann bereitwillig, wie eng es „hinter den Kulissen“ einer Apotheke zugeht. Wo sich die Mitarbeiter auf engem Raum drängen. Wo alles Hand in Hand gehen muss. Und wo Arbeitsabläufe fortwährend unterbrochen werden, weil vorne, an der Theke, bereits eine neue Kundin wartet.

„Ich hab‘ die Stelle“, zitiert Konrektor Klaus Spatzier den Schüler, dem er kurz zuvor auf dem Gang begegnet ist. Der Jugendliche hatte gerade sein fiktives Bewerbungsgespräch beendet. Fiktiv, weil es nur eine Probe ist – zur Vorbereitung. Sein Gegenüber, ein Mitarbeiter eines Landmaschinenunternehmens aus der Region, war aber so beeindruckt vom Profil und Engagement des Schülers, dass er ihm – wäre es eine reale Situation – den Ausbildungsplatz angeboten hätte, erzählt Spatzier. Gute Aussichten für ein Praktikum also.

Roland Neubert (links) und Martin Homburger vom Markdorfer Rotary-Club loben, wie gut sich die Schülerinnen und Schüler auf ihre Bewerbungsgespräche vorbereitet haben.
Roland Neubert (links) und Martin Homburger vom Markdorfer Rotary-Club loben, wie gut sich die Schülerinnen und Schüler auf ihre Bewerbungsgespräche vorbereitet haben. | Bild: Jörg Büsche

Gut vorbereitet ins Bewerbungsgespräch

Durchaus angetan von den Vorbereitungen der Neuntklässler zeigt sich auch Roland Neubert, Inhaber der Markdorfer Werbeagentur Teamwerk Neubert. Er berichtet von einer jungen „Bewerberin“, die sich „auf unser Homepage umgesehen hat und obendrein eine perfekte Bewerbungsmappe vorgelegt hat“. Beispiele eigener Kreativität hätten das Bild abgerundet. Lediglich beim Selbstbewusstsein musste Neubert noch ein, zwei Tipps geben.

Denis Crepinsek, weiß, was ein Elektroanlagenbauer zu tun hat. Ihn hat schon vor seiner Ausbildung interessiert, wie Elektrik funktioniert – und seither hat er sehr viel hinzugelernt. Er konnte den BZM.-Schülern schildern, welche Voraussetzungen sie für den Anlagenbau brauchen.
Denis Crepinsek, weiß, was ein Elektroanlagenbauer zu tun hat. Ihn hat schon vor seiner Ausbildung interessiert, wie Elektrik funktioniert – und seither hat er sehr viel hinzugelernt. Er konnte den BZM.-Schülern schildern, welche Voraussetzungen sie für den Anlagenbau brauchen. | Bild: Jörg Büsche

Martin Homburger, derzeitiger Koordinator der Berufseinstiegshilfe des Markdorfer Rotary Club, freut sich, dass es in diesem Herbst wieder zu einem Marktplatz Beruf gekommen ist. Aus Unternehmerkreisen hat er gehört, dass man aufs Abstands- und Hygienekonzept der Schule vertraut hat. Selber Maschinenbauer, spricht er für seine Unternehmerkollegen: „Wir kommen ja gerne, um zu zeigen was wir machen und um unsere zukünftigen Mitarbeiter kennenzulernen.“