Beim Stichwort Insekten denken inzwischen sehr viele Menschen an Bienen. Das ist auch ein Ergebnis des von Naturschutzverbänden und Bienenschützern 2019 auf den Weg gebrachten Volksbegehrens Artenschutz. Unter dem Motto „Rettet die Bienen“ rückten Naturfreunde den zum Teil dramatischen Rückgang der Arten ins öffentliche Bewusstsein. Die Lebensräume von Wildbienen, Schmetterlingen, Amphibien und Reptilien sind bedroht. Selbst in Schutzgebieten beobachten Naturkundler seit längerem einen eklatanten Rückgang der Schmetterlingsarten, in Deutschland zehn Prozent innerhalb von zehn Jahren, wie Studien des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung ergaben.

Insektenfreundin Jenny Nick aus Markdorf lässt Raupen bei sich daheim überwintern und bringt dann die entwickelten Schmetterlinge zurück in die Natur.
Insektenfreundin Jenny Nick aus Markdorf lässt Raupen bei sich daheim überwintern und bringt dann die entwickelten Schmetterlinge zurück in die Natur. | Bild: Jörg Büsche

Kaum Plätze mehr, wo die Insekten ihre Brut ablegen können

Jenny Nick aus Markdorf wundert diese Entwicklung nicht: „Wo man hinschaut: in der Stadt, auf landwirtschaftlich genutzten Flächen – überall herrscht Ordnung.“ Es werde begradigt, gerupft und geschnitten, bis schier keine Plätze mehr da sind, auf denen Insekten ihre Brut ablegen können. Kaum noch Randstreifen, weder an Gewässern noch an Feldern. Und die Monotonie der Anbauflächen bietet kaum Habitate für das kleine Krabbel- oder Fluggetier.

Das könnte Sie auch interessieren

Ganz schlimm seien die Folgen des allgemeinen Kampfs gegen die Brennnesseln. Denn gerade dieses vermeintliche Unkraut sei der natürliche Lebensraum unserer Allerweltsfalter, sagt die Insektenfreundin aus Markdorf.

Selbst in Schutzgebieten schwinden die Schmetterlingsarten dramatisch

„Und selbst in den Schutzgebieten beobachten die Naturkundler inzwischen, dass die Schmetterlingsarten schwinden – immer weniger werden.“ Kein Wunder also, wenn Pfauenaugen, Schneckenfalter, Distelfalter oder Admirale immer seltener zu sehen sind. Allein in Deutschland mache dieser Artenschwund zehn Prozent aus – und das innerhalb nur eines Jahrzehnts. „Das kann man nur dramatisch nennen“, erklärt die Insektenfreundin.

Video: Jörg Büsche

Mehrjähriger Aufenthalt in Südamerika weckte ihr Interesse an Insekten

„Mir tut das richtig weh“, erklärt die Markdorferin. Bereits seit früher Jugend beobachtet sie Insekten. Den Anstoß dazu gab ein mehrjähriger Südamerika-Aufenthalt. Die tropische Umgebung, deren ungekannte Vielfalt an Pflanzen und Tieren weckten ihre Neugier. „Seither habe ich mich immer weiter hineingearbeitet in die Materie.“ Alles, was flattert, ob tagsüber oder in der Nacht, aber auch alles, was sich verpuppt, häutet, schlüpft, um schließlich mehr oder minder grazil auszufliegen, zieht sie in den Bann.

Akribisch festgehalten: Fundort, Fundzeit und Art – so wie bei diesem frisch entpuppten Weinschwärmer.
Akribisch festgehalten: Fundort, Fundzeit und Art – so wie bei diesem frisch entpuppten Weinschwärmer. | Bild: Jörg Büsche

Nachbarn bringen Falter in Schachteln vorbei

Jenny Nick betrachtet und bewundert die natürliche Vielfalt der Schmetterlinge, die gleich nach den noch artenreicheren Käfern rangieren. An Raupen kann sich nicht sattsehen. Mit dem Bild des später prächtig bunt gemusterten Falters vor dem inneren Auge, erfreut sich Jenny Nick am Anblick der Raupen, die unter einem Blatt wimmeln. Wo andere sich abwenden von Punktaugen und Fühlern, wulstigen Wurmleibern, Bauchfüßen und winzigen Chitin-Häkchen, da reagiert die Schmetterlingskundlerin aus Leidenschaft begeistert. Schon lange hat sich herumgesprochen, welche Tiere Jenny Nick faszinieren. Nachbarn tragen in Schachteln herbei, was sie bei der Gartenarbeit entdeckt haben. Und Schulen laden sie zu Vorträgen über Schmetterlinge ein.

Insektenfreundin Jenny Nick hat sich im Laufe der Jahre zu einer Schmetterlingsexpertin weitergebildet.
Insektenfreundin Jenny Nick hat sich im Laufe der Jahre zu einer Schmetterlingsexpertin weitergebildet. | Bild: Jörg Büsche

Kindern beschreibt sie das Leben der Raupe bis zum Schmetterling

Dann erzählt sie ihren gebannt lauschenden Zuhörern von der Raupe Nimmersatt, um deutlich zu machen, warum Raupen kleine Fressmaschinen sind – weil sie kaum Zeit haben, sich binnen weniger Wochen vom winzigen Ei hin zu einem Schmetterling zu entwickeln. Sie beschreibt, wie die Haut der Raupe vom vielen Fressen enger und enger wird, sich immer mehr spannt, bis sie schließlich platzt. Dann ist der Boden unter Raupennestern übersät von den vielen zu eng gewordenen abgeworfenen „Raupen-Hemdchen“. Für die Kinder werden solche Vorträge stets Lehrstunden über Biologie – aber auch Lektionen zur Schule des genauen Hinschauens, der Naturbetrachtung.

Ohne Insekten ist es schlecht bestellt um die Landwirtschaft

„Das allein reicht aber nicht“, erklärt Jenny Nick. Die Aufmerksamkeit, ja Achtsamkeit von Kinder zu fördern, sei eine Sache. Eine ganz andere sei hingegen der größere Zusammenhang: Denn so lange die landwirtschaftliche Intensivnutzung weiter betrieben werde, Ackerflächen bis zum letzten Zwickel genutzt und neben Wegen keine Blühstreifen stehen gelassen würden, sehe sie schwarz für die Insekten. Langfristig müsse sich das auch auf die Landwirtschaft auswirken. Schließlich sorgte das fliegende Getier, neben den Honigbienen, für die Pflanzenbestäubung. Falle das Insekt als „Nutztier“ aus, sei es sehr schlecht bestellt um die Agrarproduktion. Jenny Nick will nicht aufgeben bei ihrem Einsatz für die bunten Falter.