Es sei sein dritter Tag ohne Krücken, erzählt Thorsten Skringer. Dass gebrochene Mittelfußknochen Saxofonspieler beim Musizieren beeinträchtigen, scheint unwahrscheinlich. Zunächst – bis Skringer loslegt. Da ist es wieder, dieses überaus konzentrierte Vornüberbeugen, dieses leicht wippende In-die-Knie gehen, wenn der Münchner Ausnahme-Saxofonist Klang-Girlanden aus dem Schallrohr zaubert. So kennt man ihn. So steht er da. Immer wenn er zusammen mit der „Soul Kitchen Band“ auf der Bühne steht – ganz regelmäßig im Markdorfer Theaterstadel.

Band-Leader froh über Skringers Zusage

Doch dieses Mal spielt Skringer in der Stadthalle – zusammen mit Musikern des „Hoppin‘ Mad! Horns Jazz Ensembles“ mit Hannah Loebermann, Ayu Requena-Fuentes, Jonas Höll, Florian Ziegler, Michael Schmidt, Heiko Ramsauer und Marion Stieb-Stagel. Eigentlich, so erklärt Band-Leader Florian Loebermann kurz nach der Pause, hätte ja ein Saxofonist aus Kanada auf der Bühne stehen sollen. Der aber musste passen. Um so glücklicher sei Loebermann, dass er mit Skringer einen der ganz Großen gewinnen konnte.

Auftritte von Skringer mit bedeutenden Musikern

Beim Namedropping tröpfelt es bescheiden. Nach bedeutenden Musikern gefragt, antwortet Skringer nur zögerlich. Vom Konzert mit der Mezzo-Sopranistin Cecilia Bartoli in der Kölner Philharmonie erzählt der Saxofonist anekdotisch. Schließlich fallen dann aber doch Namen wie John Coltrane, Lionel Richie oder aber Herbert Grönemeyer.

Geschmeidige Saxofon-Phrasen

Gar nicht tröpfelnd, dafür um so nachdrücklicher fließt es, wenn Skringer ins Instrument bläst. Bei „Sidewinder“ zum Beispiel schraubt er seine Phrasen derart geschmeidig dahin, dass man die Klapperschlange förmlich sich durch den Sand winden sieht. Die gleiche akustische Plastizität bei „Cold Duck Time“. Wunderbar entspannt: Ramsauers Bass-Spiel, strahlend, ja gleißend klar Florian Zieglers Trompete.

Trockener Rhythmus, vielschichtiges Piano-Spiel

Das gesamte Ensemble baut auf Hölls trockenem Rhythmus und Requena-Fuentes‘ vielschichtigem Piano-Spiel eine schöne Sprödheit auf, die dem Stück einen humorig-ironischen Unterton verleiht. Und so delikat geht‘s im gesamten Konzert zu.

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