Die Stadt Markdorf hat rund 14 000 Euro in ein taktiles Leitsystem für Sehbehinderte investiert, dessen Installation im Ittendorfer Kindergarten St. Martin am Dienstag, 7. Juli, fertiggestellt worden ist.

Vanessa Bührle im Eingangsbereich vor der Legende für das Erdgeschoss. Die Lage der Räume und der Wege sind durch ertastbare unterschiedliche Oberflächenstrukturen, durch Symbole sowie mittels Braille-Schrift (Blindenschrift) gekennzeichnet.
Vanessa Bührle im Eingangsbereich vor der Legende für das Erdgeschoss. Die Lage der Räume und der Wege sind durch ertastbare unterschiedliche Oberflächenstrukturen, durch Symbole sowie mittels Braille-Schrift (Blindenschrift) gekennzeichnet. | Bild: Ganter, Toni

Im städtischen Kindergarten wird ein sehbehindertes Kind betreut. „Das Kind kam mit etwa zweieinhalb Jahren zu uns und übte schon im Obergeschoss in der Krippengruppe die Schnalztechnik“, berichtete Kindergartenleiterin Stefanie Schreitmüller während der offiziellen Vorstellung am Donnerstag. Zur Schnalztechnik: Schallreflexionen beim Schnalzen ermöglichen das Orientieren.

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Die genoppten „Aufmerksamkeitsfelder“ sowie die geraden Elemente als „Straße“ weisen den Weg von Raum zu Raum.
Die genoppten „Aufmerksamkeitsfelder“ sowie die geraden Elemente als „Straße“ weisen den Weg von Raum zu Raum. | Bild: Ganter, Toni

Vanessa Bührle, Mitarbeiterin des Stadtbauamts, hat das Projekt betreut und vorgestellt. „Das taktile Leitsystem ist nach international geltenden und genormten Standards eingerichtet worden und funktioniert durch fühlen und berühren. Es sieht simpel aus, ist aber hoch effektiv.“

Ein Schild mit Braille-Schrift beim Aufzug.
Ein Schild mit Braille-Schrift beim Aufzug. | Bild: Ganter, Toni

Im Eingangsbereich ist eine sehbehindertengerecht gestaltete Tafel mit Legende montiert, zur Grundorientierung beim Betreten des Gebäudes. „Die Legende gibt es auch in kleiner Ausführung, damit die Kinder das System spielerisch erlernen können“, sagte Schreitmüller.

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Der Handlauf an der Treppe zum Obergeschoss ist ebenfalls mit Braille-Schrift ausgestattet.
Der Handlauf an der Treppe zum Obergeschoss ist ebenfalls mit Braille-Schrift ausgestattet. | Bild: Ganter, Toni

Vereinfacht gesagt gibt es spürbare Elemente am Boden sowie ertastbare Tafeln und Schildchen/Markierungen an Wänden, bei Türen, am Aufzug, vor der Treppe, auf dem Handlauf und so weiter. Rechteckige Flächen auf dem Boden mit noppenartiger Struktur dienen als „Aufmerksamkeitsfelder“, die vermitteln, dass in unterschiedliche Richtungen weitergangen werden kann. Gerade Elemente führen als „Straße“ durch die Flure im Erd- und Obergeschoss. Die auf dem Boden aufgeklebten Markierungen sind so gestaltet, dass sie auch für ein Kind im Rollstuhl kein Hindernis seien, so Bührle.

Die Legende für das Obergeschoss des Kindergartens St. Martin. Für jeden Raum und die Wege sind die Oberflächen unterschiedlich strukturiert und mit Braille-Schrift ausgestattet.
Die Legende für das Obergeschoss des Kindergartens St. Martin. Für jeden Raum und die Wege sind die Oberflächen unterschiedlich strukturiert und mit Braille-Schrift ausgestattet. | Bild: Ganter, Toni

Wie Bürgermeister Georg Riedmann erklärte, hat Markdorfs Behindertenbeauftragter Frank Hartel bei der Planung des taktilen Systems mitgewirkt. Und auch in anderen Bereichen. Beispielsweise führt ein taktiles Leitsystem vom Bahnhof die Bahnhofstraße entlang und an einer Fußgängerampel über die B 33 in die Innenstadt. „Da haben wir Riesenschritte gemacht, in den letzten Jahren. Bei neuen Erschließungsmaßnahmen sind solche Systeme absoluter Standard und dort wo es notwendig ist, wird nachgerüstet“, ergänzte Riedmann.

Frank Hartel, Behindertenbeauftragter der Stadt Markdorf, hat bei der Planung des taktilen Leitsystems für den Kindergarten St. Martin mitgewirkt.
Frank Hartel, Behindertenbeauftragter der Stadt Markdorf, hat bei der Planung des taktilen Leitsystems für den Kindergarten St. Martin mitgewirkt. | Bild: Wex, Georg

Für die Kinder sei es hoch spannend gewesen, als Handwerker an zusammengerechnet drei Arbeitstagen das taktile Leitsystem eingerichtet haben, berichtete Schreitmüller. Sie durften beim Aufkleben der Markierungen auf dem Boden mithelfen, „das hat sie begeistert, sie waren Feuer und Flamme“. Und es gebe einen positiven Nebeneffekt, wie Schreitmüller erzählt hat. Die Erhebungen der Bodenmarkierungen wirken stimulierend auf die Reflexzonen der Füße.

Auf dem Boden sind Felder mit runden Noppen als sogenannte Aufmerksamkeitsfelder aufgeklebt. Sie signalisieren, dass in unterschiedliche Richtungen weitergegangen werden kann. Die geraden Elemente weisen als „Straße“ die Wege zu den jeweiligen Räumen.
Auf dem Boden sind Felder mit runden Noppen als sogenannte Aufmerksamkeitsfelder aufgeklebt. Sie signalisieren, dass in unterschiedliche Richtungen weitergegangen werden kann. Die geraden Elemente weisen als „Straße“ die Wege zu den jeweiligen Räumen. | Bild: Ganter, Toni