Birgit Schlönvoigt und Manfred Keller sind ein bisschen unter Druck. Im Freien einen Waffelstand aufzubauen ist eine Herausforderung. „Ohne Waffeln geht es aber nicht“, erklärt Birgit Schlönvoigt vom Beirat des Kindergartens. Nikolaus, Waffeln und Blasmusik seien Tradition, ergänzt Manfred Keller. Und damit Neubürger gleich an diese Tradition anknüpfen können, werden sie eigens dazu eingeladen. Die Kinder kommen sowieso – und werden von ihren Eltern begleitet, die die Gelegenheit gerne zu einem Plausch beim Waffelstand benutzen.

Viele kommen schon seit Jahren

Fürs warme Gebäck ist es jetzt aber noch zu früh, muss Nicole Egger leidvoll erfahren. Frühestens in einer halben Stunde, nach der Feier in der Kirche, gebe es Waffeln, so heißt es. „Zur Nikolausfeier bin ich schon als Kind gekommen“, erzählt die 31-Jährige, „damals kam ich wegen des Nikolaus, heute, als Erwachsene, wegen der Waffeln.“ Seit 40 Jahren schon hält der Schutzheilige das schon so. Am 5. Dezember stellt er sich pünktlich um sechs in St. Sigismund, der Hepbacher Ortskirche, ein. Das heißt, St. Nikolaus schaut vom Himmel herab zu, wenn Johannes Flachs, pensionierter Lehrer, ihn im Markdorfer Teilort vertritt. Wenn Flachs den Kindern Geschichten erzählt, mit ihnen singt, überdies Gaben verteilt. Und die gab es reichlich. Fast möchte man vermuten, dass da eine große Schar kleiner Helfer mit am Werk war in der Nikolaus-Werkstatt. Tatsächlich sind aber nur Johannes Flachs und seine Frau Christa über Wochen am Werk, um die Tüten zu packen.

Der Schutzpatron der Kinder wird seit 40 Jahren von Johannes Flachs mehr gelebt als gespielt. Bild: Jörg Büsche
Der Schutzpatron der Kinder wird seit 40 Jahren von Johannes Flachs mehr gelebt als gespielt. Bild: Jörg Büsche | Bild: Jörg Büsche

Waffeln, Kinderpunsch und Glühwein gehören im Hepbach zum Nikolausabend ebenso dazu, wie die Abordnung vom Musikverein. Die Kindergartenkinder in der ersten Reihe des Kirchleins haben ihn schon erwartet, ebenso die übrigen Mädchen und Buben dahinter. Der Nikolaus, von Robin, 10, und Marlon, 12, zwei Messdienern begleitet, winkt den Kindern, winkt den Eltern, während die Riedheimer auf der Orgelempore „Heute ist ein Festtag in dem Haus“ spielen.

„Ihr seid aber viele“, freut sich der als Bischof von Myra gewandete Johannes Flachs. Dann erklärt er, wer er, der Nikolaus, ist. Wie der Heilige zum Schutzpatron der Kinder wurde. Wie wundersam er das Getreide vermehrte, um es unter den Hungernden der Stadt zu verteilen. Und so manche zuvor so freudig strahlende Mutter, so mancher bis dahin froh lächelnder Vater hatte mit einem Mal ein ernstes, ein nachdenkliches Gesicht – ob der Aktualität der uralten Geschichte vom Nikolaus.