Alica kauert vor einem Regal. Sie stöbert. Zur Suche nach neuem Lesestoff kommt die Schülerin regelmäßig in die Bibliothek des Bildungszentrums (BZM) in Markdorf. Dass das geht, wissen nur wenige. „Seit einem Jahr verzeichnen wir einen drastischen Besucherrückgang“, klagt Kornelia Schaub, die Leiterin der BZM-Bibliothek. Was sie am meisten bedauert: „Dass wir so viele Schüler nun nicht mehr erreichen“.

Lesen fällt dem Lockdown zum Opfer: Schüler leiden am meisten

Vor Ausbruch der Corona-Pandemie bekamen alle Fünftklässler in jedem Jahr eine gründliche Einführung für den Umgang mit dem Katalog, außerdem viele hilfreiche Tipps zur ersten Orientierung für den Umgang mit Sachgebieten. Tipps für das Recherchieren im Dickicht der Themen – ein Angebot vor allem für die Siebtklässler von Realschule und Gymnasium – musste im vergangenen Jahr ausfallen.

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Das gewohnte Bild – in den Pausen durch die Regalfluchten streifende Kinder, über ihre spannende Lektüre gebeugte Jugendliche –, es wurde zur Ausnahme oder verschwand gar vollständig.

Auch in der Bibliothek am Bildungszentrum gilt die Maskenpflicht.
Auch in der Bibliothek am Bildungszentrum gilt die Maskenpflicht. | Bild: Jörg Büsche

Ebenso wenig sind in diesen Tagen Schüler zu entdecken, die sich bei einer Gruppenarbeit in gedämpftem Ton über die Aufgabenblätter unterhalten, am Bildschirm die Ergebnisse ihrer Internet-Recherche zeigen. Opfer des Infektionsschutzes wurde schließlich auch die Lesenacht, bei der sich die Fünftklässler schulübergreifend begegnen.

Ein ganz normaler Vormittag in der BZM-Bibliothek – doch während der Corona-Pandemie.
Ein ganz normaler Vormittag in der BZM-Bibliothek – doch während der Corona-Pandemie. | Bild: Jörg Büsche

Nach dem Lockdown noch mehr Angebote

Autorenlesungen fielen aus, weder die Jugendmedienwoche noch die beliebten Vorlesewettbewerbe konnten stattfinden. Das bedauert Bibliothekarin Schaub sehr. Die so entstehenden Lern- und Begegnungsdefizite kommen zu den übrigen Beschwernissen des Online-Unterrichts während des andauernden Lockdowns hinzu.

Hat eine ganze Reihe von Neuerscheinungen für ihre Kunden: Bibliotheksleiterin Kornelia Schaub.
Hat eine ganze Reihe von Neuerscheinungen für ihre Kunden: Bibliotheksleiterin Kornelia Schaub. | Bild: Jörg Büsche

Trotzdem ist Kornelia Schaub zuversichtlich. „Wenn der Betrieb wieder normal läuft“, kündigt sie an, „werden wir unsere Anstrengungen verstärken, den Schülern zusätzliche Angebote zu machen“. Sie abholen „zur Begegnung mit der Welt der Bücher“. So wie das zum Teil schon im vergangenen Herbst geschehen sei, bevor wieder strengere Auflagen greifen mussten.

Click & Meet auch in der BZM-Bibliothek möglich

Neben der Ravensburger Bibliothek sei die am Markdorfer Bildungszentrum eine weitere in der Region, die Click & Meet anbiete, sagt Schaub. Click & Meet heißt, dass sich Termine für einen Bibliotheksbesuch buchen lassen, am Rechner, Tablet oder auch am Handy. Diese Möglichkeit zur elektronischen Voranmeldung gibt es für alle Schüler und natürlich auch für Lehrkräfte, und das an den Vormittagen. Die Öffentlichkeit kann Nachmittagstermine zum Stöbern an den Bücher- und Zeitschriftenregalen beziehungsweise in den Kästen mit den DVDs buchen.

Solche Szenen wird es erst wieder nach dem Lockdown geben.
Solche Szenen wird es erst wieder nach dem Lockdown geben. | Bild: Jörg Büsche

„Selbstverständlich kann man auch anrufen bei uns, um einen Besuch zu vereinbaren“, informiert Kornelia Schaub, „wir sind ja da.“ Auf eine halbe Stunde ist diese Möglichkeit zum Stöbern in den Medien der BZM-Bibliothek beschränkt. Trotzdem zeigen sich die, die das Angebot nutzen, überaus begeistert, berichtet die Bibliothekarin. Begeistert und überrascht darüber, dass der Griff ins Regal überhaupt möglich ist. Maximal zwölf Besucher gleichzeitig werden in die großzügig geschnittene Bibliothek eingelassen.

Überraschungspakete kommen gut an

Möglich ist noch etwas: Das Bestellen im Internet. Click & Collect heißt dieses Verfahren. „Wir stellen auch Überraschungspakete zusammen“, sagt Schaub. Die kämen gut an. Und auf einem digitalen Medientisch können sich die Bibliotheksnutzer im Netz weitere Empfehlungen anschauen.

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Dass die Mediennutzung insgesamt schwankt, beobachten die Bibliothekarinnen seit Längerem. Woran es liegt, dass in einer Woche sehr viel bestellt werde, in der nächsten wieder nicht, dafür haben sie jedoch keine Erklärung. Es sei übrigens der Deutsche Bibliotheksverband (DBV) gewesen, auf dessen Drängen hin das Click & Collect ursprünglichen Absichten entgegen dann doch noch möglich geworden sei.