„Echter Deutscher Honig“ prangt in großen Lettern auf der Fahne vor dem Lehrbienenstand in Baitenhausen. Die Imker aus Markdorf und Überlingen haben zum Tag der offenen Tür eingeladen – erstmals nach zwei Jahren pandemiebedingter Zwangspause und der im Frühjahr 2019 notwendigen Absage. „Wir hatten eine Sturmwarnung“, erklärt Helmut Knäple, Geschäftsführer des Lehrbienenstands der Imkergemeinschaft, „drum mussten wir Christi Himmelfahrt vor drei Jahren unseren Tag der offenen Tür ausfallen lassen.“ Anlaufschwierigkeiten gibt es nach der langen Pause nun aber nicht, der Parkplatz beim Lehrbienenstand füllt sich rasch.

Zurück zu mehr Natürlichkeit

Besucher Alexander Möller aus Owingen hat gleich zwei Anliegen: „Ich möchte eine Blumenwiese entwickeln und mehr über die Imkerei erfahren.“ Der junge Landwirt will auf dem eigenen Hof wieder an alte Traditionen anknüpfen. Denn aus seiner Sicht gehören Bienenvölker einfach zu einem bäuerlichen Betrieb dazu. Dass die Imkervereine Markdorf und Überlingen in ihrem Lehrbienenstand einmal im Jahr die Öffentlichkeit einladen, habe er von Bekannten gehört, erklärt Möller. Und er zeigt sich begeistert, „wie viel Zeit hier investiert wird, um alles zu erklären“.

Alexander Möller möchte Bienenzüchter werden.
Alexander Möller möchte Bienenzüchter werden. | Bild: Jörg Büsche

Zum Beispiel die Sache mit der Klotzbeute. So heißen jene künstlichen Behausungen, die an den Ursprung der Honigernte anknüpfen, wie Harald Gretscher, stellvertretender Vorsitzender des Imkervereins Markdorf, erklärt. „Beewhisperer“, Bienenflüsterer, steht leuchtend gelb auf seinem schwarzen T-Shirt. Er ist aber nicht nur ein Bienenflüsterer und -versteher, sondern obendrein jemand, der auch die Zusammenhänge von Bienen, Insekten und Umwelt beziehungsweise Natur begreift. „Wir Imker dürfen nicht nur auf unsere Völker schauen“, erklärt er. Bienenzüchter müssten über ihren Bienenstock hinausblicken – quasi im Biotopverbund.

Harald Gretscher zeigt eine Wabe.
Harald Gretscher zeigt eine Wabe. | Bild: Jörg Büsche

Was die Markdorfer Imker durchaus tun, so berichtet Gretscher. Bei Wirmetsweiler, oberhalb von Markdorf, hat der Verein gemeinsam mit dem Besitzer der Fläche auf rund 1000 Quadratmetern eine Blühwiese angelegt. Sie wird nicht intensiv bewirtschaftet. „Dort können viele Pflanzen blühen, die woanders gar nicht mehr zum Zuge kämen“, erklärt Gretscher. Und zum Zuge kommen somit auch Insekten – insbesondere die Wildbienen, betont der Imker. „Für Wildbienen gilt: Sie sind sehr spezialisiert, das heißt, sie sind darauf angewiesen, eine bestimmte Pflanze zu finden.“

Ihre befüllten Waben verschließen die Bienen mit Wachs.
Ihre befüllten Waben verschließen die Bienen mit Wachs. | Bild: Jörg Büsche

Wächst diese bestimmte Pflanze nicht, wird es eng. „Wir arbeiten gut zusammen mit den Obstbauern“, betont Helmut Knäple. Um Markdorf und Überlingen habe sich herumgesprochen, dass Landwirte und Imker aufeinander angewiesen sind. Nicht wenige Bauern lassen Blühflächen stehen – wichtige Lebensräume für Insekten.

Von den vollen Waben wird das verschließende Wachs entfernt.
Von den vollen Waben wird das verschließende Wachs entfernt. | Bild: Jörg Büsche

Hotel oder Sandgrube

Wohnraum von Insekten führt Christine Meurs vor. Sie betreut auf dem Bienenlehrstand die Bienenvölker – und erklärt, wenn Grundschüler oder Kindergartenkinder zu Besuch kommen. Am Tag der offenen Tür zeigt sie, wie eine Nisthilfe für Insekten beziehungsweise ein Wildbienenhotel funktioniert.

Christine Meurs bei der Nisthilfe für Wildbienen.
Christine Meurs bei der Nisthilfe für Wildbienen. | Bild: Jörg Büsche

„Hier bringt die Wildbiene Nektar und Pollen als Futtervorrat für die Larve hinein“, erklärt sie anhand eines Längsschnitts eines Ablageröhrchens, der durch eine Plexiglasscheibe verschlossen ist.

Wo und wie die jungen Wildbienen schlüpfen.
Wo und wie die jungen Wildbienen schlüpfen. | Bild: Jörg Büsche

Keinen Einblick kann sie ins Nest der Sandbienen gewähren. Dafür erklärt sie aber, wie wichtig offene Sand- oder Lehmflächen fürs Überleben dieser bedrohten Insektenart sind.

Sandgrube für Wildbienen.
Sandgrube für Wildbienen. | Bild: Jörg Büsche

Was mit verhältnismäßig geringem Aufwand für Insekten unternommen werden kann, lernt, wer den Bienenlehrstand besucht und sich auf dem Gelände umschaut. Denn dort gedeihen zahlreiche Pflanzen – und das während vieler Monate, nicht nur in einem beschränkten Zeitraum. Solche Üppigkeit kennen intensiv genutzte Flächen in der Regel nicht.

Video: Jörg Büsche

„Wir wollen keine Scharz-Weiß-Malerei betreiben“, betont Harald Gretscher. Er lässt durchblicken, dass er viel Verständnis für die Zwänge hat, denen die Landwirte folgen müssen. Sein Anliegen und das der übrigen Imker im Verein sei, die möglichen Freiräume zu zeigen. Freiräume, die es übrigens auch für die Besitzer von Kleingärten gibt. „Blühflächen kann wirklich jeder anlegen“, sagt Gretscher.