„2022 war es schon ein bisschen besser“, erklärte Zunftmeisterin Birgit Beck bei der Hauptversammlung der Historischen Narrenzunft Markdorf im großen Proberaum der Stadtkapelle. Denn zur diesjährigen Fasnet winkten nicht bloß Pappnarren vom Rathausbalkon herab, trugen nicht nur Puppen Häser. Puppen, die im winterlich leer geräumten Eiscafé standen. „Da war so gut wie keine Fasnet“ formulierte es Hänseler-Major Uwe Schulz in seinem Bericht. „Die Häser sind im Schrank geblieben.“

Etwas mehr war schon erlaubt während der Fasnet 2022, erinnert sich Zunftmeisterin Beck, mehr jedenfalls als im Ausnahmezustand des Pandemiejahres davor. Und noch weniger Einschränkungen erhoffen sich die Markdorfer Narren für die nächste Fasnet am vorletzten Februarwochenende 2023. Die Zunftmeisterin wünscht sich eine Fasnet ohne Corana-Regel-Wirrwarr. Ohne fortwährendes Beraten mit der Stadtverwaltung darüber, was den Narren erlaubt ist und ohne kurzfristige Neuregelungen, die das Geplante doch noch verbieten.

Dietmar Bitzenhofer, Michael Sikora, Dominik Benzing, und Matthias Brutsch wurden von Zunftmeisterin Birgit Beck und ihrem Vize Hardy ...
Dietmar Bitzenhofer, Michael Sikora, Dominik Benzing, und Matthias Brutsch wurden von Zunftmeisterin Birgit Beck und ihrem Vize Hardy Frick ebenso geehrt wie Martina Wegmann und Rainer Steffelin (von links). | Bild: Jörg Büsche

Bürgermeister Georg Riedmann, Mitglied der Zunft, sprach im Zusammenhang mit den sich überstürzenden Corona-Verordnungen von „Chaostagen“ und von einer „zermürbenden Situation“, die er möglichst nicht wieder erleben möchte. Er sprach aber auch von einem starken Zusammenhalt in der Stadt in Bezug auf die Fasnet.

Solcher Zusammenhalt sei durchaus nicht allerorten anzutreffen, erklärte Otto Gäng, Ehrenzunftmeister in Markdorf und Vizepräsident der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte. Er berichtete von Bürgermeistern, die während der Pandemie in ihrer Stadt jedwede Narretei strikt verboten haben.

Sorge um Energiekosten

„Um Corona mache ich mir für die Fasnet 2023 eigentlich keine Sorgen“, erklärt Gäng. Besorgt sei er aus anderen Gründen. Wenn Hallen mit Geflüchteten belegt sind, sei da kein Platz um zu feiern. Hinzu kämen die rasant ansteigenden Energiekosten. „Ich will ja nicht schwarz malen“ sagte Gäng, „aber wenn die Preise für den Bus explodieren,“ bleiben die Narren daheim, besuchen nicht, wie sonst in der Fasnet üblich, die Veranstaltungen der befreundeten Zünfte.

Das Thema der steigenden Energiekosten ist längst angekommen in Markdorf. „Vom Schocktelefonat habe ich mich leidlich erholt“, sagt Zunftmeisterin Beck den versammelten Zunftmitgliedern. Sie bezog sich auf ihr Gespräch mit dem Obertorpfleger. Der hatte ihr am Vormittag mitgeteilt, wie hoch der neue Gasabschlag fürs Zunfthaus nun ist. Zu ändern sei daran wenig. Helfen könne allein das konsequente Energieeinsparen, erklärt Birgit Beck.

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Derzeit hat Obertorpfleger Harald Geng im Zunfthaus mit einer streikenden Heizungsanlage zu kämpfen. Immerhin: „Wir haben ja auch noch den Kachelofen.“ Außerdem gibt es auch noch Heizlüfter. Insgesamt gab sich Geng jedoch zuversichtlich. Die Heizung werde man in den Griff bekommen. Was auch insofern nötig ist, als Zunftmeisterin Birgit Beck die versammelten Narren bat, verstärkt für das Obertor zu werben.

„Wir haben im Moment verhältnismäßig wenig Veranstaltungen im Obertor“. Deshalb ihr Aufruf: „Macht Werbung für unser Haus.“ Die Heimstätte der Historischen Narrenzunft eigne sich ganz vorzüglich, um darin zu feiern: Geburtstage, aber auch andere Familienfeste. Die „Obertorkochede“ im Zunfthaus hat Egbert Benz übrigens nun – nach 14 Jahren – an Heike Ihler weitergegeben. Ihm dankte die Zunftmeisterin herzlich. Und ihren Stellvertreter und Vorgänger Dietmar Bitzenhofer ernannte sie zum Ehrennarren der Zunft.

Der Narrenzunft war auch wieder die Traditionspflege im Obertor möglich. Hier erklärt Dietmar Bitzenhofer Grundschülern, wie ...
Der Narrenzunft war auch wieder die Traditionspflege im Obertor möglich. Hier erklärt Dietmar Bitzenhofer Grundschülern, wie Hänseler-Masken entstehen. | Bild: Jörg Büsche