Es gibt auf Sicht zu wenige städtische Kindergartenplätze. Angesichts der Entwicklungen kann der gesetzlich bestehende Anspruch kaum mehr erfüllt werden. Dies hat sich in jüngster Sitzung des Gemeinderates am Dienstagabend herausgestellt.

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Das Gremium sollte eigentlich ausschließlich über die Kosten und die modifizierte Entwurfsplanung für Umbau/Erweiterung des Kindergartens St. Elisabeth – vorgestellt von Dietmar Kathan des Friedrichshafener Büros GMS Freie Architekten – beraten und beschließen.

Beschwerdebrief von Eltern wegen abgesagter Kita-Plätze

Stadtrat Dietmar Bitzenhofer (Freie Wähler) hat auszugsweise aus einem Brief vorgelesen, in dem sich Eltern darüber beschweren, dass ihnen Kindergartenplätze abgesagt wurden, die sie zum 1. Januar 2021 bekommen sollten. Worauf sich eine Diskussion über Aufnahmedruck und Belegung in städtischen Kindergärten entwickelte. Bürgermeister Georg Riedmann lenkte die Redebeiträge zurück auf das zu beratende Thema, mit dem Hinweis und auf Wortmeldung von Stadträtin Christiane Oßwald (Umweltgruppe), dass über den Kindergartenbedarfsplan in der nächsten Gemeinderatssitzung beraten werde.

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Dietmar Kathan vom Häfler Büro GMS legte die teils abgespeckten Planungen dar. Seit Baubeschluss für St. Elisabeth im Dezember 2017 haben sich Preissteigerungen ergeben. Das Projekt St. Elisabeth wurde durch den Gemeinderatsbeschluss zum Bau des Kindergartens in Markdorf-Süd zunächst zurückgestellt. Um den Kostenrahmen zu halten, muss nun teils von hohen Standards abgerückt werden. Der Gebäudebestand von St. Elisabeth habe zwar „ein paar Schwächen“, sei aber „in Ordnung“, erklärte Kathan.

Schlafbereich im Kindergarten wird erweitert

Die Fenster entsprächen nicht mehr aktuellen Standards, aber voll funktionstüchtig – also kein Austausch oder Sanierung. „Es wird eine Putzfassade anstatt Holz geben, Linoleumboden statt Parkett. Der Schlafbereich wird räumlich erweitert, so dass er die Bezeichnung auch verdient.“ Außerdem werden die Räume für das Personal erweitert.

Zwei gleichberechtigte Raumangebote für U3-Gruppen

Der Anbau im Norden des Bestandsgebäudes zur Spitalstraße hin wird zweigeschossig, mit der Möglichkeit einer späteren Aufstockung. Im Untergeschoss werden die Küche (cook and chill), ein Mehrzweckraum sowie die Technikräume sein, im Obergeschoss zwei gleichberechtigte Raumangebote für die beiden künftigen U3-Gruppen. Außerdem über dem Mehrzweckraum ein Spielbereich.

Lob für das Einhalten des Kostenrahmens

Mehrfach lobten Mitglieder des Gemeinderates, dass der Kostenrahmen eingehalten werde. Aber es gab Befürchtungen, dass die Standards womöglich etwas zu sehr gesenkt werden. Alfons Viellieber (CDU): „Wir sollten schon Standards haben, die wir vertreten können“. Er plädierte für Parkett statt Linoleum. Mit einer Putzfassade mochte er sicht auch nicht anfreunden.

Christiane Oßwald (Umweltgruppe): „...trotzdem jede Menge Geld für die Betreuung von 20 Kindern... Wir werden natürlich dafür stimmen, der Bedarf ist riesig.“
Christiane Oßwald (Umweltgruppe): „...trotzdem jede Menge Geld für die Betreuung von 20 Kindern... Wir werden natürlich dafür stimmen, der Bedarf ist riesig.“ | Bild: UWG

Christiane Oßwald (UWG) merkte an, dass die Kosten für dann zwei U3-Gruppen „trotzdem jede Menge Geld für die Betreuung von 20 Kindern“ seien. „Wir werden natürlich dafür stimmen, der Bedarf ist riesig. Es gibt ganz viel Unruhe in der Kindergartengemeinde gerade.“ Uwe Achilles (SPD) sagte, er gehe davon aus, dass die bautechnischen Standards nicht so weit heruntergesetzt werden, dass man in ein paar Jahren nacharbeiten müsse: „Ich gehe davon aus, dass das passt.“

Bürgermeister Georg Riedmann: „Es wird nicht nur für zwei U3-Gruppen gebaut, sondern der komplette Kindergarten, die vier Ü3-Gruppen, werden fit gemacht für verlängerte Öffnungszeiten.“
Bürgermeister Georg Riedmann: „Es wird nicht nur für zwei U3-Gruppen gebaut, sondern der komplette Kindergarten, die vier Ü3-Gruppen, werden fit gemacht für verlängerte Öffnungszeiten.“ | Bild: Stadt Markdorf

Der Bürgermeister stellte klar: „Es wird nicht nur für zwei U3-Gruppen gebaut, sondern der komplette Kindergarten, die vier Ü3-Gruppen, werden fit gemacht für verlängerte Öffnungszeiten.“

Architekt Dietmar Kathan: „Linoleum ist eine Philosophiefrage, es ist ein Naturprodukt, nicht schlechter als Parkett. Wir dürfen das nicht in denselben Topf mit PVC oder Kautschuk schmeißen.“
Architekt Dietmar Kathan: „Linoleum ist eine Philosophiefrage, es ist ein Naturprodukt, nicht schlechter als Parkett. Wir dürfen das nicht in denselben Topf mit PVC oder Kautschuk schmeißen.“ | Bild: Jörg Büsche

Dietmar Kathan zum Thema Putzfassade und Linoleum: Es werde mit Mineralwolle gedämmt und Dickputz verwendet. „Linoleum ist eine Philosophiefrage, es ist ein Naturprodukt, nicht schlechter als Parkett. Wir dürfen das nicht in denselben Topf mit PVC oder Kautschuk schmeißen.“

Bereitstellen von Kita-Plätzen ist eine städtische Pflichtaufgabe

Jens Neumann (Freie Wähler) blieb bei seiner Auffassung, dass die Kosten für Umbau/Erweiterung von St. Elisabeth zu hoch seien, im Vergleich zu dem, was entstehe. Die Ansicht von Rolf Haas (FDP), das Vorhaben solle wegen der finanziellen Situation sowie Kita in Markdorf-Süd geschoben werden, ließ der Bürgermeister so nicht stehen. „Die Bereitstellung von Kindergartenplätzen ist eine Pflichtaufgabe.“ Der Bedarf sei unbestritten vorhanden und das Projekt St. Elisabeth vom Gemeinderat längstens beschlossen.

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