Regina und Manfred Lorenz vom Peru-Kreis sind zurück aus der peruanischen Partnergemeinde Huancaray der katholischen Pfarrgemeinde St. Nikolaus. Und sie haben sich ein Bild davon gemacht, was es in einer abgelegenen Hochgebirgsregion bedeutet, Zugang zu frischem Wasser zu schaffen. Der Kontrast könnte kaum größer sein, schildert Regina Lorenz ihre Eindrücke. In Dörfern, in denen noch keine Wasserleitungen liegen, begegnen Kinder, deren Haare stumpf und gräulich wirken. „Die Haut ist wie Leder.“

Dankbarkeit in Dörfern, die Wasserleitung haben

Ganz anders sei es dort, wo die Menschen fließendes Wasser haben. Mädchen und Jungen in sauberer Kleidung. Sie wirken so gesund wie gepflegt. „Und überall wurden wir groß empfangen“, berichtet Manfred Lorenz. In den Dörfern, die durch finanzielle Unterstützung aus Markdorf eine Wasserleitung haben, herrsche größte Dankbarkeit. Darum ist Regina und Manfred Lorenz sehr daran gelegen, eben diese Dankbarkeit an die Spender in und um Markdorf weiterzugeben.

Regina und Manfred Lorenz vom Markdorfer Peru-Kreis berichten von ihren Eindrücken in der Partnergemeinde Huancaray.
Regina und Manfred Lorenz vom Markdorfer Peru-Kreis berichten von ihren Eindrücken in der Partnergemeinde Huancaray. | Bild: Jörg Büsche

Unterstützung seit 20 Jahren

Weit mehr als 280.000 Euro sind zusammengekommen, seitdem vor rund 20 Jahren das Wasserprojekt mit der Partnergemeinde gegründet worden ist. „Das ist eine super Unterstützung“, sagt Manfred Lorenz. Teils überweisen Dauerspender, teils kommen kleinere Beträge. Oft von Leuten, die selbst nur wenig haben – aber von den Fotos auf den Informationstafeln in der St.-Nikolaus-Kirche gerührt sind.

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Mehr als 14.000 Menschen in und rund um Huancaray haben inzwischen einen Wasseranschluss. „Der geht immer nur bis vor die Haustür“, erklärt Manfred Lorenz. Da die Häuser ganz überwiegend aus Lehm gebaut werden, leiden sie stark, wenn es regnet. „Dann werden sie einfach neu gebaut“, erzählt er.

Ins Kinderhaus bringen die Schwangeren die ganze Familie mit.
Ins Kinderhaus bringen die Schwangeren die ganze Familie mit. | Bild: Verein

Kindergarten und Mütterhaus für Schwangere

Die Wasserleitungen sind nicht das einzige Projekt, mit dem der Peru-Kreis seine Partner in den Anden unterstützt. Im dortigen Pfarrhaus wird eine Art Apotheke unterhalten. Und es gibt Geld für einen Kindergarten. „Und wir haben ein Mütterhaus für schwangere Frauen“, erklärt Regina Lorenz. Das wurde eingerichtet, um die Kindersterblichkeit zu senken. Denn immer wieder war die Hebamme viel zu lange unterwegs, sodass die dringend benötigte Hilfe zu spät kam bei schwierigen Geburten. Nun kommen die Schwangeren ins Mütterhaus. Und sie kommen oft nicht allein, sondern werden von ihren Familien begleitet.

Lebensmittel für bedürftige Senioren in abgelegenen Dörfern – eine Hilfe, die in der Pandemie besonders nötig war.
Lebensmittel für bedürftige Senioren in abgelegenen Dörfern – eine Hilfe, die in der Pandemie besonders nötig war. | Bild: Verein

Lebensmittel für Alte ohne Familie

„Die Schulspeisung machen wir nicht mehr“, berichtet Manfred Lorenz von den jüngsten Entwicklungen. Bis vor Kurzem gab es für rund 100 Mädchen und Jungen aus den entlegenen Weilern in der Schule eine warme Mahlzeit. Das habe sich nun erübrigt, da diese Aufgabe inzwischen vom peruanischen Staat übernommen werde, erläutert er. Essen werde indes weiterhin ausgeteilt. „Pater Mario“, der kirchliche Ansprechpartner des Perus-Kreises, „bringt Lebensmittel zu den Alten, die keine Familie mehr haben“, erzählt Lorenz.

Unterstützung für Menschen mit Beeinträchtigung geplant

Um eine weitere Gruppe möchte sich der Peru-Kreis ebenfalls verstärkt kümmern: um Menschen mit Beeinträchtigungen. „Es ist wie bei uns vor 50 oder vor 100 Jahren“, sagt Regina Lorenz. Behinderungen werden in den Andendörfern als Makel angesehen. Die Folge: Die Beeinträchtigten dürfen nicht auf die Straße. Sie bleiben im vermeintlichen Schutz ihrer Familien. Sie werden gewissermaßen versteckt. „Das ist bei unseren früheren Besuchen aufgefallen“, berichtet Manfred Lorenz, „man sieht niemand mit Behinderung.“ Nur sehr langsam trete ein gewisser Bewusstseinswandel ein.

Endlich Wasser – auch für diese Frau aus einem Weiler bei Huancaray.
Endlich Wasser – auch für diese Frau aus einem Weiler bei Huancaray. | Bild: Verein
„Wir stehen immer vor der einen Frage: Wer hat es am meisten nötig?“
Manfred Lorenz

Diese und andere Dinge kommen aufs Tapet, wenn die Mitglieder des Peru-Kreises nach Huancaray kommen. So auch dieses Mal, als man sich mit den Partnern – das sind neben dem Priester noch Mitarbeiter aus den Projekten – traf. Besprochen wurde, woran es fehlt – und wie die Markdorfer mit Spendengeldern helfen können. Was jedes Mal seine Kreise zieht. Bürgermeister aus umliegenden Gemeinden stellen sich ein, wünschen sich einen Wasseranschluss. „Wir stehen immer vor der einen Frage“, erklärt Manfred Lorenz, „wer hat es am meisten nötig?“ Bei aller Rückständigkeit, trotz der mitunter bitteren Armut, der Regina und Manfred Lorenz in der Partnergemeinde begegnet sind. Ihr Gesamteindruck ist: „Es geht langsam aufwärts“, freut sich Manfred Lorenz. Die Hilfsprojekte fruchten.

Das nächste Projekt

2023 bekommen die Bewohner in Cruz Pata Wasseranschlüsse. Der Ort ist rund sechs Kilometer von Huancaray entfernt. Doch der Weg dorthin ist derart beschwerlich, dass es anderthalb Stunden Fahrzeit braucht. Das wird dann das 33. Projekt sein, im 21. Jahr der Wasserprojekt-Partnerschaft. Inzwischen macht sich der Klimawandel auch in den Anden bemerkbar. Regen fällt immer seltener. Die Bauern sind gezwungen, ihre Felder künstlich zu bewässern. Mit Wasser, das sie aus den Trinkwasserleitungen abzweigen.