Sie betreuen Frauen während der Schwangerschaft, bieten Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse an und begleiten die Mütter in den ersten Wochen nach der Geburt. Hebammen sind wichtige Vertrauenspersonen und Ansprechpartner bei Fragestellungen, Sorgen und Unsicherheiten bei den Frauen. Und gerade während der Corona-Pandemie nimmt die Unsicherheit bei Schwangeren zu, wie die Hebammen Barbara Jostmann-Fuchs und Karin Kautt aus dem Deggenhausertal in den vergangenen Wochen beobachtet haben.

Unsicherheit bei Schwangeren deutlich spürbar

„Wir spüren vermehrt eine Unsicherheit und viele Frauen machen sich Sorgen“, sagt Karin Kautt. Dabei seien die Sorgen aus medizinischer Sicht eher unbegründet, denn Schwangere und Neugeborene werden nicht zur Corona-Risikogruppe gezählt. „Das versuche ich den werdenden Müttern mit als Beruhigung auf den Weg zu geben“.

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Kautt und ihre Kollegin Barbara Jostmann-Fuchs besuchen die Familien weiterhin zuhause – unter Einhaltung der Hygienevorschriften und Abstandsregelungen. Auch wenn gerade letzteres immer mal wieder für Probleme sorgt. Die beiden Hebammen sind mit Schutzmaterial ausgerüstet und desinfizieren sich bei den Hausbesuchen verstärkt die Hände.

Wenn es aber möglich ist, werde auf persönliche Kontakte verzichtet, so Jostmann-Fuchs und die Beratung telefonisch oder per Skype vorgenommen. Dennoch sei es weiterhin wichtig, auch vor Ort zu sein. Die Hebammen begleiten die Frauen durch die Schwangerschaft, die Geburt des Kindes und die ersten Wochen des Säuglings. Aufklären und Informieren gehören zu ihren Aufgaben – vor allem was die Nachfrage nach Hausgeburten angeht, die beiden Frauen anbieten. Die Nachfrage sei jetzt besonders hoch, berichten die Geburtshelferinnen.

Hausgeburt: Hebammen haben keine Kapazitäten frei

„Es melden sich Frauen, die ihr Kind lieber daheim bekommen möchten, weil sie sich wegen des Coronavirus Sorgen machen“, sagt Barbara Jostmann-Fuchs. Die Nachrichten aus verschiedenen Krankenhäusern, dass während der Geburt keine Begleitperson mehr zugelassen waren, habe viele werdende Mütter verunsichert.

Doch beide Hebammen sind bereits voll ausgelastet und Hausgeburten können nicht spontan angemeldet werden, wie Karin Kautt betont. Väter dürfen mittlerweile wieder mit in den Kreißsaal, auch Besuche auf der Wochenstation sind zum Beispiel im Klinikum Friedrichshafen möglich – allerdings nur für den Vater, nicht für Geschwister und andere Verwandte.

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„Wir konnten und können die Nachfrage nach Hausgeburten nicht bedienen, das übersteigt unsere Kapazitäten“, sagt Kautt, die gemeinsam mit Barbara Jostmann-Fuchst zum Team der Hebammerei in Ravensburg gehört; einem Ort, in dem mehrere freischaffende Hebammen arbeiten und sich gegenseitig vertreten. Paare, die sich für eine Hausgeburt entscheiden, müssen sich so früh wie möglich mit Angabe des Geburtstermins und des Wohnorts melden, damit das Team besser planen und koordinieren kann.

Persönlicher Austausch unter Schwangeren nicht möglich

Dass die Geburtsvorbereitungskurse ausfallen, habe viele werdende Mütter – besonders die Erstgebärenden – besonders getroffen. „Ein persönlicher Austausch über die Erfahrungen in der Schwangerschaft ist natürlich wichtig. Dass der nun wegfällt, ist traurig“, sagt Karin Kautt. Sie begleitet derzeit rund zehn Familien, die alle sehr achtsam sind und auf Kontakte verzichten. „Wenn die Frau schon im Mutterschutz ist und eigentlich Zeit hätte, ist es schade, dass der Besuch von Freunden und Familie ausfällt.“

Markdorfer Hebamme Mariana Lohse bietet Online-Kurse an

Karin Kautt und Barbara Jostmann-Fuchs bieten keine Online-Kurse an, dieses Angebot bietet die Markdorfer Hebamme Mariana Lohse an. Eigentlich finden ihre Kurse im Mehrgenerationenhaus statt, das momentan allerdings noch geschlossen ist. „Die Frauen sind sehr dankbar, dass die Kurse als Webkonferenz stattfinden und nicht abgesagt werden“, sagt Lohse.

Nachteilig sei der erschwerte persönliche Kontakt der Kursteilnehmerinnen untereinander und nicht alle Übungen können online durchgeführt werden. Dennoch sei Mariana Lohse selbst erstaunt gewesen, wie viel dann doch umsetzbar sei. Per Zoom treffen sich die Gruppen wöchentlich. „Insgesamt funktioniert diese Form von Geburtsvorbereitung und Rückbildungsgymnastik ziemlich gut“, berichtet Mariana Lohse, was ihr viele positive Rückmeldungen bestätigen.

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