Dietmar Bitzenhofer, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Markdorfer Gemeinderat, ist stets für Überraschungen gut. Beim Gespräch über die aktuelle Situation der Markdorfer Kommunalpolitik lädt er den Reporter aufs Fahrrad ein. Per Tandem geht es dann recht rasant durch die Stadt. Die Tour führt zunächst zur Jakob-Gretser-Grundschule.„Wir haben hier eine große Aufgabe vor uns und manchmal gilt es umzudenken“, beginnt Bitzenhofer seine Lagebeschreibung. Umzudenken insofern, als mit den Entwürfen von der Nürtinger Architektengemeinschaft Weinbrenner.Single.Arabzadeh aus seiner Sicht „ein sehr guter Plan“ vorgelegen habe.

Freie-Wähler-Fraktionschef Dietmar Bitzenhofer pocht auf ein rasches Sanieren der Jakob-Gretser-Grundschule, eine neue Turnhalle und einen dritten Schulstandort.
Freie-Wähler-Fraktionschef Dietmar Bitzenhofer pocht auf ein rasches Sanieren der Jakob-Gretser-Grundschule, eine neue Turnhalle und einen dritten Schulstandort. | Bild: Jörg Büsche

Vorschlag: Ein Festpreis für die Sanierung der Gretser-Schule

Doch dann wurde deutlich, wie teuer der vorgesehene neue dreistöckige Anbau und die beiden neuen angebundenen Turnhallen geworden wären. „29 Millionen Euro, das ist schon eine hohe Hausnummer“, und da eine Denkpause einzulegen, „das Zurück auf Anfang war genau die richtige Entscheidung.“ Dies bringe der Stadt mehr Finanzsicherheit, schaut Bitzenhofer auf den corona-gebeutelten Haushalt. Er plädiert für die selbe Herangehensweise wie beim neuen Kindergarten im Süden: „Planen und Bauen zu einem vor der Planung festgelegten Festpreis.“ Aus seiner Sicht entlaste dies außer dem städtischen Etat auch die Mitarbeiter im Rathaus.

Aus Bitzenhofers Sicht ist der neue Kindergarten mit seinem Festpreiskonzept zukunftsweisend, auch für andere Bauprojekte der Stadt.
Aus Bitzenhofers Sicht ist der neue Kindergarten mit seinem Festpreiskonzept zukunftsweisend, auch für andere Bauprojekte der Stadt. | Bild: Jörg Büsche

„Bewegte Schule“: Kinder könnten vom Marktplatz aus laufen

Bitzenhofer hegt einen Wunsch: „Parkflächen an der Waldhornstraße oder aber direkt beim Schulstandort“, damit das Verkehrs-Malheur vor der Jakob-Gretser-Schule endlich ein Ende finde. Und noch etwas wünscht sich der Freie-Wähler-Chef. „Wenn sich eine Schule selber als „bewegte Schule“ bezeichnet“, so Bitzenhofer, „dann kann sie die Schüler doch zum zu Fuß gehen verpflichten.“ Ein morgendliches Stück Wegs, für die von ihren Eltern gebrachten Kinder ruhig vom Marktplatz aus, würde ganz bestimmt eher nutzen, nicht schaden.

Video: Jörg Büsche

„Pädagogisches Konzept Schulweg“, nennt er seinen Vorschlag. Grundsätzlich meint Bitzenhofer: „Das Schulkonzept, hier sanieren und um eine Sporthalle zu erweitern in Verbindung mit der schnellstmöglichen Umsetzung des dritten Schulstandortes, ist aus meiner Sicht der richtige und zukunftsweisende Weg.“

Ein Adler ohne Treppe geht aus Bitzenhofers Sicht gar nicht. Überhaupt mag er den Traditionsgasthof schräg gegenüber des Rathauses am Marktplatz nur wenig angetastet sehen.
Ein Adler ohne Treppe geht aus Bitzenhofers Sicht gar nicht. Überhaupt mag er den Traditionsgasthof schräg gegenüber des Rathauses am Marktplatz nur wenig angetastet sehen. | Bild: Jörg Büsche

Bitzenhofer: Keine Verwaltungsräume im Traditionsgasthof

„Finger weg vom Adler“, sagt Bitzenhofer an der zweiten Station der Tandem-Tour. Als Verwaltungsbau und in Kombination mit einer Gastronomie sei der „Adler“ wenig geeignet, wenn die Verwaltung weitere Fläche brauche. Zumal das Gasthaus dann keinen Raum mehr für Übernachtungsgäste bieten könnte. Eine sinnvolle Alternative zu den Adler-Plänen sieht Bitzenhofer im Nachbargebäude des Rathauses, das sich sogar in städtischem Besitz befinde.

Sieht die Rathaus-Sanierung als einen notwendigen Stein im Mosaik der Altstadtsanierung, doch er vermisst da ein schlüssiges Gesamtkonzept: Dietmar Bitzenhofer.
Sieht die Rathaus-Sanierung als einen notwendigen Stein im Mosaik der Altstadtsanierung, doch er vermisst da ein schlüssiges Gesamtkonzept: Dietmar Bitzenhofer. | Bild: Jörg Büsche

Nötig wäre auch ein Gesamtkonzept für die Altstadt

Für die Rathaus-Sanierung werden rund 5,9 Millionen Euro veranschlagt. Aber nun stehe nur noch eine Sanierung an, kein Neubau. Was Bitzenhofer vermisst: Ein Gesamtkonzept, mit Parkhaus. So wie dies ursprünglich angedacht worden sei. Er moniert: „Wenn wir das Rathausareal ohne ein weiterführendes Gesamtkonzept planen, legen wir uns damit Fesseln für die Zukunft an.“ Hier vermisse er den „nötigen Weitblick“, ohne das dem beauftragten Planungsbüro anzukreiden. Nun werde gewissermaßen ein einzelner Mosaikstein gesetzt, „ohne dass man das gesamte Mosaik benennt oder gar kennt“. Die Frage nach dem Bischofschloss beantwortet Bitzenhofer mit einem lapidaren: „Da hab‘ ich aktuell keine Idee.“ Er rät, einen Investor zu suchen. Aus seiner Sicht müsse das Schloss nicht unbedingt in städtischer Hand bleiben. „Da bin ich nicht festgelegt.“

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Freie Wähler wollen an Forderung nach einem Seniorenbeauftragten festhalten

Sein Rezept für eine zukunftsorientierte Haushaltspolitik fasst er unter dem Kürzel „KISS“ zusammen: Kindergärten, Infrastruktur, Schulen und Senioren. Mit dem neuen Kindergarten in Markdorf-Süd sei man auf gutem Wege. Was dem Fraktionssprecher gefällt an der so großzügig ausgestatteten wie dimensionierten Einrichtung sei ihre Modellhaftigkeit. „Wir haben mit dem Bauunternehmer einen Festpreis und einen fixen Fertigstellungstermin vereinbart, das könnte ein Beispiel sein für weitere Projekte in der Stadt.“ Gleichermaßen positiv wertet er den Ausbau der Infrastruktur, zum Beispiel in Möggenweiler. Den vierten Buchstaben, das zweite S, das für Senioren steht, füllen die Freien Wähler mit ihrer Forderung nach einem Seniorenbeauftragten. Davon würden sie nicht ablassen.

Bei der Skaterbahn hätte die Stadt besser noch abgewartet, ob nicht doch Zuschüsse fließen, findet Bitzenhofer.
Bei der Skaterbahn hätte die Stadt besser noch abgewartet, ob nicht doch Zuschüsse fließen, findet Bitzenhofer. | Bild: Jörg Büsche

Trotz Corona-Einbrüchen: Investitionen seien auch künftig möglich

Trotz der durch die Coronakrise verursachten Rezession schätzt Bitzenhofer die wirtschaftliche Gesamtsituation recht optimistisch ein. Aus seiner Sicht seien Investitionen in die Zukunft derzeit machbar. Anfang der Nuller-Jahre sei die Prokopf-Verschuldung deutlich höher gewesen – bei weit weniger Steuereinnahmen und bei geringeren Rücklagen. In Zeiten der angespannten Finanzlage gelte es umsichtig zu entscheiden. Als wenig umsichtig erachtet er, dass das Projekt Skaterbahn so unbedingt vorangetrieben worden sei, ohne Rücksicht auf eventuell fließende Zuschüsse aus Konjunkturprogrammen.

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Kritik am Radwegekonzept

Zufrieden zeigt sich Bitzenhofer mit der Entwicklung am Markdorfer Bahnhof. Dort wird saniert. Kritisch sieht er die zehn neuen Abstellboxen für Fahrräder. Die würden auf je ein Jahr vermietet. Aus seiner Sicht eine zu niedrige Umschlaghäufigkeit, mehr Wechsel wäre ihm lieber. Sehr kritisch äußert er sich hingegen zum Umfahrungskonzept für Radler. Dass die Velofahrer über Bürgberg und Kluftern an der Stadt vorbeigeführt werden, hält er für widersinnig, gar für einen „Etikettenschwindel“. Zumal ein sinnvolles Radwegekonzept für eine Stadt nicht darin bestehen könne, den Radverkehr nach außen zu verlagern. „Radwege gehören in die Stadt“, mahnt Bitzenhofer.

Tandem-Fahrer Bitzenhofer hält das Parkbox-Konzept für Fahrräder beim Bahnhof für unausgegoren, da ihr Umschlag zu gering, da sie nur für je ein Jahr anzumieten seien.
Tandem-Fahrer Bitzenhofer hält das Parkbox-Konzept für Fahrräder beim Bahnhof für unausgegoren, da ihr Umschlag zu gering, da sie nur für je ein Jahr anzumieten seien. | Bild: Jörg Büsche

Bitzenhofer: Wann kommt die kommunale Wohnbaugesellschaft?

Was ihn besonders ärgert? „Vor eindreiviertel Jahren haben wir den Antrag gestellt, das Thema kommunale Wohnbaugesellschaft auf die Tagesordnung zu bringen.“ Bis heute sei das nicht geschehen. Obwohl Kämmerer Michael Lissner das Thema ausgearbeitet und vorbereitet habe. Aber auf die Tagesordnung habe es sich nicht „verirrt“. Das sei „mehr als nur ein Ärgernis, doch vielleicht kommt der „Wumms“ ja nach der Sommerpause“, hofft er.

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