Eigentlich hätte die Hauptversammlung des Turnvereins Markdorf (TVM) in der Stadthalle stattfinden sollen. Erst im letzten Moment wurde entschieden, die Veranstaltung online abzuhalten – was über 30 Mitglieder jedoch nicht von einer Teilnahme abhielt.

TVM 2021: Die Hauptversammlung findet online statt. Über 30 Mitglieder haben sich vor den Bildschirmen eingefunden. Gastgeber ist Vorsitzender Uwe Schäfer.
TVM 2021: Die Hauptversammlung findet online statt. Über 30 Mitglieder haben sich vor den Bildschirmen eingefunden. Gastgeber ist Vorsitzender Uwe Schäfer. | Bild: Marlene Stützenberger

Nach rund einem Jahr Corona-Ausnahmezustand und Homeoffice sind die allermeisten ja recht firm im Umgang mit Konferenz-Software und Meeting-Plattformen aller Art. Und so bereitete bei dieser Online-Versammlung die Technik keinerlei Probleme; lediglich das Prozedere erforderte ein paar Kniffe. Denn es sollte online über die Reduzierung der Mitgliedsbeiträge abgestimmt werden, was einer Zustimmungspflicht durch die Versammlung unterliegt.

Dankbar für Treue der Mitglieder

„Wir haben lange darüber geredet; und diese Entscheidung ist nicht vom Himmel gefallen“, sagte TVM-Vorsitzender Uwe Schäfer. Corona habe den Sportbetrieb so stark eingeschränkt, dass die meisten Angebote nicht mehr aufrechterhalten werden konnten. Nicht, weil man sich als Verein dazu verpflichtet fühle, sondern als Anerkennung für die Geduld, das Durchhaltevermögen, die Loyalität und den Gemeinsinn wolle man nun einmalig für ein Jahr die Beiträge halbieren. „Dadurch möchten wir den Mitgliedern signalisieren, wie toll wir das finden, dass alle dem Verein treu geblieben sind“, betonte Schäfer.

Uwe Schäfer
Uwe Schäfer | Bild: SK

Und hörte man Kassenwart Heribert Stützle zu, zeigte sich: Der Verein kann sich das für ein Jahr leisten. Setzen sich die Einnahmen zwar überwiegend aus den Mitgliedsbeiträgen zusammen, so schlugen dafür im zurückliegenden Jahr die Ausgaben weit weniger zu Buche.

Denn aufgrund der vielen entfallenen Fortbildungen, Übungsleiterhonorare, Kurse im normalerweise laufenden Vereinsbetrieb war der Zugewinn 2020 sogar höher als im Jahr zuvor. „Das wird zwar in diesem Jahr auf ein Minus hinauslaufen, ist aber aufgrund eines guten Vereinspolsters zu stemmen“, so Heribert Stützle.

Online-Training klappt nicht überall

Was tat sich sonst übers Jahr? „Nicht viel“, ist aus den Berichten sämtlicher Abteilungsleiter unmissverständlich herauszuhören. Konnte nach dem Frühjahrslockdown der Sportbetrieb vorsichtig wieder anlaufen, war ab Herbst dann schnell erneut Schluss damit. Manche Abteilungen setzten ihre Angebote sogar gänzlich aus. Wie etwa die Tanzgruppe von Katja Eberle oder die Freizeitsportgruppe von Melanie Kley.

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„Im Herbst haben wir gemerkt, dass das online schon zäh wird“, räumte Melanie Kley ein. Das sei kein Ersatz für ein richtiges Training. Auch bei Michael Gantert in der Abteilung Turnen endete der letzte Bocksprung nicht auf der Matte, sondern vor dem Bildschirm. Noch schwieriger wurde es beim Tanzen. „Das lebt vom Körperkontakt, vom Miteinander und vom Wirken aufeinander“, so Katja Eberle. Weswegen aktuell kein Training stattfindet.

Katja Eberle
Katja Eberle | Bild: Katja Eberle

Die größte Hürde aber stellte laut Uwe Schäfer der schier undurchdringbare Verordnungsdschungel an Corona-Vorgaben dar. Wurde heute grünes Licht gegeben etwa für die Lauftreffs im Freien, wurden die Läufer die Woche drauf schnurstracks wieder zurückgepfiffen.

„Das sorgte ganz schön für Verwirrung und war auch nicht immer durchdacht“, meinte Uwe Schäfer hinsichtlich der unterschiedlichen Verordnungen auf Bundes-, Landes- und Kreisebene. Auch sei nicht immer klar gewesen, was in der Halle erlaubt sei und was im Freien. Besonders dankbar sei er Sabine Wagner, die sich täglich neu in die Verordnungen eingelesen und diese schließlich den Übungsleitern und Mitgliedern so verständlich wie möglich kommuniziert habe.

Was findet dieses Jahr statt?

Nachdem das Stadtfest bereits abgesagt ist, blicken alle so gebannt wie besorgt dem Sommer und Herbst entgegen. „Nach aktuellem Stand hätte ich es fahrlässig gefunden, das Stadtfest abzuhalten“, sagte Uwe Schäfer. So gehen dem Verein zwar gute Einnahmen verloren, der Preis freilich wäre aber deutlich zu hoch gewesen, meinte er.

Gehrenberglauf 2020: Privat organisiert und mit übrigen Startnummern der vergangenen Jahre, gingen insgesamt vier Zweibeiner und ein Vierbeiner an den Start. Von links: Manfred Kussauer, Julian Kanz, Manfred von Schmidsfeld, Anke Rosenstiel, Schafpudel Luis, Hubert Becker, Jörg Angrik.
Gehrenberglauf 2020: Privat organisiert und mit übrigen Startnummern der vergangenen Jahre, gingen insgesamt vier Zweibeiner und ein Vierbeiner an den Start. Von links: Manfred Kussauer, Julian Kanz, Manfred von Schmidsfeld, Anke Rosenstiel, Schafpudel Luis, Hubert Becker, Jörg Angrik. | Bild: Helga Stützenberger

Auch Markdorfs große Laufveranstaltung und ebenfalls gute Einnahmenerbringer für den Verein, die Turnveranstaltung Movement sowie der Gehrenberglauf, stehen buchstäblich auf wackeligen Beinen. „Für solche Veranstaltungen braucht man recht viel Vorlauf“, betonte Uwe Schäfer.

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Wann sagt man zu? Wann sagt man ab? Das seien die Fragen, die bis Juni geklärt sein sollten. „Ich meine zwar, dass das dieses Jahr wohl nichts werden wird“, äußerte sich Schäfer verhalten. Aber vielleicht ließe sich aus einer großen Veranstaltung wie dem Gehrenberglauf eine kleine, abgespeckte Version machen, wie sie bereits im vergangenen Herbst im ganz Kleinen privat organisiert worden war.

Mit Zuversicht in die Zukunft

Zwar dauert es bis Dezember noch einige Zeit, aber schon jetzt blickt Uwe Schäfer und mit ihm der ganze Turnverein zuversichtlich in Richtung Vereins-Weihnachtsfeier. „Das ist das Kernstück unseres Vereins und die Möglichkeit, allen Übungsleitern zu danken“, sieht der Vereinsvorsitzende positiv in die Zukunft. „Wenn‘s irgendwie verantwortbar ist, wollen wir das auf jeden Fall machen.“