Tagsüber im Home Office arbeiten, gleichzeitig die Kinder beschäftigen und abends den Haushalt schmeißen: Viele Familien haben eine anstrengende und nervenaufreibende Zeit hinter sich. Durch die Corona-Bestimmungen hatten Eltern mit zusätzlichen Herausforderungen zu kämpfen. Durch Kurzarbeit fehlen Einnahmen. Um diese auszugleichen, zahlt die Bundesregierung seit dem 7. September 300 Euro für jedes Kind aus.

Rund um den Kinderbonus

Corona-Phase war für Mütter eine enorme Herausforderung

Dass alle Eltern Anspruch auf den Bonus haben, die auch Kindergeld beziehen, findet Ramona Iezzi aus Oberteuringen nicht gut. „Die Einkommensgrenze ist zu hoch angesetzt. Einkommensschwache Familien sollten bevorzugt werden“, sagt sie. In ihrem Umfeld kennt sie viele Mütter, für die die akute Corona-Phase eine enorme Herausforderung gewesen sei. „Diesen Familien gönne ich das zusätzliche Geld von Herzen“, sagt Iezzi.

Ramona Iezzi mit ihrer Tochter Emma (5).
Ramona Iezzi mit ihrer Tochter Emma (5). | Bild: Julia Leiber

Um ihre fünfjährige Tochter Emma zuhause zu beschäftigen, hat Iezzi während der Schließung des Kindergartens mehr Geld als sonst für Druckerpatronen und Bastelmaterial wie Window Color, Kreide und Seifenblasen ausgegeben. Daher kann sie das zusätzliche Geld sinnvoll für

weitere Anschaffungen einsetzen. „Wir kaufen neue Kleidung für unsere Tochter, da sie die nächste größere Kleidergröße braucht. Da sind gleich mal 300 Euro weg“, sagt Iezzi.

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Alleinerziehende sind auf finanzielle Hilfe angewiesen

300 Euro – das ist vor allem für Alleinerziehende viel Geld. Christin Jungblut, Familientreff-Leiterin des Markdorfer Mehrgenerationenhauses (MGH), hat viel Kontakt zu dieser Zielgruppe. Sie betreut jeden Donnerstag den Treff für Alleinerziehende. „Die Lebenslage hat sich durch Corona verschlimmert. Es ist gut, dass sie nicht vergessen werden. Jede finanzielle Hilfe ist ein wichtiges Zeichen. Allerdings ist der Kinderbonus nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Jungblut.

300 Euro reichen laut Jungblut nicht aus, um die Mehrkosten in der Krise zu decken. „Die Familien kamen sehr an ihre Grenzen. Die Tafel und das Essen in der Schule sind weggefallen und es wurde mehr Geld für Unterrichtsmaterialien zum Ausdrucken gebraucht“, sagt sie. Eine Druckerpatrone koste um die 30 Euro. Das könnten sich Familien, die am Existenzminium leben, nicht leisten, erläutert Jungblut.

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Patchwork-Familie Haag kommt ohne den Bonus aus

Für Isabel und Timo Haag aus Grünwangen stellt der Kinderbonus hingegen keine finanzielle Unterstützung dar, da dieser aufgrund ihres gemeinsamen Einkommens mit den Kinderfreibeträgen verrechnet wird. Als Patchwork-Familie bekommen sie den Bonus für drei Kinder: für die gemeinsame Tochter Amelie (10), ihre Tochter Lara (19) und seinen Sohn Kilian (17).

Timo Haag findet den Bonus aber prinzipiell eine gute Sache. „Der Staat muss alle Kinder gleich behandeln. Besser wäre es aber, wenn er steuerfrei wäre“, sagt der Familienvater. Isabel Haag fände es besser, wenn der Bonus nicht nur kurzfristig hilft, sondern das Kindergeld generell für einkommensschwache Familien erhöht wird. „Kinder sind unsere Zukunft. Das sollte man nicht vergessen“, sagt die 43-Jährige.

Timo und Isabel Haag vor ihrem Pool im Garten in Grünwangen. Da sie dieses Jahr wegen Corona nicht in den Urlaub fahren, wurde dieser angeschafft.
Timo und Isabel Haag vor ihrem Pool im Garten in Grünwangen. Da sie dieses Jahr wegen Corona nicht in den Urlaub fahren, wurde dieser angeschafft. | Bild: Julia Leiber

Für ihre Tochter Amelie hatten die Haags während der Schließung der Grundschule im Gegensatz zu Ramona Iezzi für die Beschäftigung zuhause ihrer Tochter keine Mehrkosten. „Die Grundschule in Wittenhofen war gut organisiert und hat die Unterrichtsmaterialien zur Verfügung gestellt“, lobt Isabel Haag.

„Käme es zu einem erneuten Lockdown, dass Amelie wieder von zuhause lernen müsste, würden wir das Geld für ein neues Laptop aufwenden, da das Betriebssystem veraltet ist“, sagt Isabel Haag.
„Käme es zu einem erneuten Lockdown, dass Amelie wieder von zuhause lernen müsste, würden wir das Geld für ein neues Laptop aufwenden, da das Betriebssystem veraltet ist“, sagt Isabel Haag. | Bild: Julia Leiber

Familie Jonas musste einen neuen Drucker kaufen

Bei Familie Jonas aus Markdorf stand bereits die Anschaffung eines neuen Druckers an, um die Anforderungen der Schule an die Kinder Ronja (11) und Mattis (9) während der Schließung besser bewerkstelligen zu können. „Dieser war notwendig, um die vielen Blätter der Schule in der Anfangszeit auszudrucken“, berichtet Carsten Jonas, Elternbeiratsvorsitzender der Jakob-Gretser-Grundschule. Aus diesem Grund hatte er während der Corona-Krise anfangs mehr Kosten für seine Kinder. Daher finde er es grundsätzlich gut, dass es den Bonus der Bundesregierung gibt.

„Das Konzept ist toll und ein nettes Zubrot. Es ist eine unkomplizierte Zahlung“, sagt Carsten Jonas.
„Das Konzept ist toll und ein nettes Zubrot. Es ist eine unkomplizierte Zahlung“, sagt Carsten Jonas. | Bild: Nosswitz, Stefanie

Einen Kritikpunkt hat Jonas allerdings: „Das Geld kommt zu spät an. Ich verstehe aber, dass das alles nicht so schnell geht“, sagt der zweifache Vater. Jonas findet, dass es vielleicht schneller gegangen wäre, wenn das Geld von den Kommunen ausbezahlt worden wäre anstatt von der Bundesregierung.

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Für was der Familienvater die 300 Euro pro Kind ausgibt, weiß er schon. „Meine Kinder haben bald Geburtstag. Wir fangen gerade an zu planen, was wir ihnen schenken. Daher werde ich das Geld in Geburtstagsgeschenke investieren“, sagt Jonas.

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