Was für die meisten Jugendlichen ein Kinderspiel sein dürfte, stellt für viele andere Menschen eine fast unüberwindbare Hürde dar: der Einstieg in die Welt von Computer, Tablet, Smartphone und Co. „Es gibt viele Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen wenig oder keinen Zugang zu digitalen Medien haben“, sagt Angela Pittermann, eine der Projektverantwortlichen am Mehrgenerationenhaus (MGH). Angst sei einer der Hauptgründe: Angst davor, nichts zu verstehen oder schon wieder die Familie mit Fragen nerven zu müssen – aber auch Angst vor realen Gefahren.

„Diesen immensen Informations-, Beratungs- und praktischen Bedarf haben wir erkannt und bieten daher ab sofort und in den nächsten Wochen Kurse zu digitaler Kompetenz an“, sagt Renate Hold vom Leitungsteam des MGH. Die Kurse finden mit ein bis zwei Personen statt. „In größeren Gruppen werden oft einige Teilnehmer abgehängt, sie trauen sich nicht zu fragen“, erklärt Hold das Kleingruppenkonzept. Jeder solle gezielt betreut und gefördert werden können.

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Auf dem Programm stehen Einstiegskurse zur allgemeinen Nutzung der Geräte. Auch Kurse, in denen man lernt, wie man Texte schreibt, speichert und wieder findet, gibt es. In einem anderen Angebot lernen Teilnehmer ihr Smartphone kennen: tippen, wischen, ziehen, telefonieren und fotografieren. Das Bearbeiten und Teilen von Fotos ist ebenfalls Thema.

Auch Vorträge zu unterschiedlichen Themen gibt es. „Das Thema Strahlung ist uns wichtig, aber nicht, um digitale Geräte zu verteufeln. Wir wollen die Leute sensibilisieren und Tipps geben, wie sie achtsam mit dem Thema umgehen können, zum Beispiel, indem sie das Handy nachts nicht direkt neben das Kopfkissen legen“, erklärt Hold. Pittermann ergänzt: „Und Online-Banking will geübt sein, deshalb dürfen sich die Teilnehmer im Kurs in ein Testkonto einloggen und direkt ausprobieren.“

Bei allen Kursen können die Teilnehmer ihre eigenen Geräte mitbringen, um direkt darauf zu üben. Es stehen aber auch Laptops und Tablets zur Verfügung. „Je nach Betriebssystem des Smartphones bieten wir unterschiedliche Termine“, sagt Pittermann, das sei für Trainer und Teilnehmer einfacher. Manche Kurse finden morgens, mittags und abends statt, um möglichst viele Menschen zu erreichen. „Die meisten Kurse sind eintägig, aber manche Leute kommen auch ein zweites oder drittes Mal, um sicher zu werden.“

Berta Arjona, die zweite Projektverantwortliche, weist auf die digitalen Wochenenden in. Für ältere Menschen mit Rollator seien die Wege ins MGH oft zu weit, besonders abends, wenn es dunkel ist. „Wir haben eine Studentin, die am Wochenende zu den Menschen nach Hause kommt und dort persönlich deren technische Anliegen klärt.“ Das MGH sei außerdem „digitale Anlaufstelle“. „An zwei Terminen in der Woche kann man im Mehrgenerationenhaus kompetente Ansprechpartner treffen, die bei Frage zum Handy und Tablet kostenlos weiterhelfen.“ erklärt Arjona den Service.

Zehn Kurse und Vorträge an 33 Terminen

Laut Renate Hold konnte das MGH 15 bis 20 Schüler, Studenten, junge berufstätige Frauen und Ruheständler dafür gewinnen, als bürgerschaftlich Engagierte rund zehn Kurse und Vorträge an insgesamt zirka 33 Terminen zu geben. „Deshalb können wir die Kurse kostenlos anbieten.“ Kleine Renten und Altersarmut seien oft ein weiterer Grund, warum sich viele ältere Menschen der Digitalisierung verschließen. „Neben den Kosten für das Gerät kommt die monatliche Belastung des Vertrags. Und wenn dann auch noch der Kurs etwas kostet, sind die Menschen raus“, erklärt Hold.

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Das MGH ist einer von 100 „Digitalkompass“-Standorten. Dabei handelt es sich um ein Projekt, das kostenfreie Angebote für Senioren rund um Internet und Co. anbietet. Für die Organisation und Koordination der Kurse wurden vom MGH zwei befristete Teilzeitstellen eingerichtet, die komplett über Projektmittel der Deutschen Postcode-Lotterie und der Deutschen Fernsehlotterie finanziert werden können.

Ideen für weitere Angebote haben Pittermann, Arjona und Hold bereits. So soll es im Frühjahr 2022 Vorträge geben, bei denen Experten erklären, worauf man bei der Nutzung von medizinischen Onlineberatungen achten muss. Auch Tipps, wie man die digitalen Geräte zum Gedächtnistraining nutzen kann, stehen auf der Ideenliste.