In drei Wochen feiert Frieda ihren ersten Geburtstag. Normalerweise hätte sie mit ihrer Mama Claudia Schild aus Oberteuringen in ihrem ersten Lebensjahr die Stillgruppe besucht, beim Babyschwimmen im Wasser geplanscht und mit Gleichaltrigen in der Krabbelgruppe erste Kontakte geknüpft. Die Corona-Pandemie hat da einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht.

Das erste Lebensjahr unter Pandemie-Bedingungen

Der Geburtsvorbereitungskurs fand für Claudia Schild noch „ganz normal“ statt, aber bereits bei der Geburt von Frieda befand sich das Land im ersten Lockdown. „Zum Glück konnte mein Mann bei der Entbindung dabei sein, aber andere Besuche im Krankenhaus waren nicht möglich“, erinnert sich die junge Mutter.

Das könnte Sie auch interessieren

Sie sei so stolz gewesen und hätte ihr Baby gerne Freunden und Verwandten gezeigt. Nach einer Woche endlich zu Hause folgte Unsicherheit und sie habe nicht gewusst, wem sie ihre Tochter überhaupt vorstellen darf. „Weinend lagen sich meine Mutter und ich in den Armen, als sie ihr Enkelkind zum ersten Mal sah“, berichtet Claudia Schild von dem emotionalen Moment.

Online-Angebote statt Vernetzung mit anderen

Ob die Hebamme zu ihr nach Hause kommen darf, sei zunächst auch unsicher gewesen. „Ich war sehr froh, dass das geklappt hat“, so die 41-jährige Kulturpädagogin. Es folgte ein Online-Rückbildungskurs und aktuell nimmt Claudia Schild zusammen mit Frieda an einem Online-Yogakurs mit Baby teil. „Ich hatte mich allerdings auf die Angebote im Haus am Teuringer gefreut, um mich mit anderen Oberteuringern zu vernetzen und das soziale Leben in der Gemeinde kennenzulernen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Im Sommer seien Treffs mit der Babygruppe und anderen Mamis unter Corona-Bedingungen zwar möglich gewesen. „Aber ich war mir immer darüber bewusst, welchen Gefahren ich mich und meine Tochter aussetze“, gibt Claudia Schild zu bedenken.

Frieda hat so gut wie nie Menschen ohne Maske gesehen

Verunsichert habe sie beispielsweise, wenn auch ältere Geschwister bei den Treffen dabei waren, seien sie doch in den Kitas einem höheren Risiko ausgesetzt. Sie habe monatelang keinen Supermarkt betreten und auch jetzt sei das Kind beim Einkaufen nicht dabei. „Letztendlich haben wir uns nur noch mit den beiden Omas getroffen und Frieda hat außerhalb des Hauses so gut wie nie Menschen ohne Maske gesehen“, sagt Claudia Schild.

Homeoffice bietet auch Vorteile für junge Mütter

Die Corona-Krise bringe aber nicht nur Nachteile mit sich. Über Homeoffice könne sie leichter zurück in den Beruf, was in der Form vorher nicht möglich gewesen wäre. „Per Video konnte ich sogar an einem internationalen Kongress teilnehmen, was sonst mit Baby sicher nicht möglich gewesen wäre“, so die Kulturpädagogin. Außerdem halte sie hoch, dass sie die Zeit mit ihrer Tochter genießen könne.

Freunde gratulierten mit einem Banner vor dem Krankenhaus

Einen Monat vor dem zweiten Lockdown kam die kleine Kim June am 22. Oktober zur Welt. Auch ihre Mama Nicole Aich aus Ailingen fand es schade, dass sie im Krankenhaus keinen Besuch bekommen konnte. „Aber unsere Freunde standen mit einem Banner vor dem Krankenhaus, um zu gratulieren“, erzählt Nicole Aich.

Nicole Aich aus Ailingen genießt die intensive Zeit mit Töchterchen Kim June. Online-Babygruppen sind für sie zwar besser als nichts, aber ersetzen nicht die persönlichen Köntakte.
Nicole Aich aus Ailingen genießt die intensive Zeit mit Töchterchen Kim June. Online-Babygruppen sind für sie zwar besser als nichts, aber ersetzen nicht die persönlichen Köntakte. | Bild: Claudia Wörner

Immerhin drei Präsenztreffen hatte die 38-Jährige zur Geburtsvorbereitung im Markdorfer Mehrgenerationenhaus. Die Rückbildungsgymnastik erfolgte online. „Aber ich konnte mich ganz gut darauf einlassen.“ Gerade im Winter sei es wegen des Schnees ganz gut gewesen, dafür nicht aus dem Haus zu müssen.

Papa kann die Mittagspause mit der Familie verbringen

Da ihr Mann aktuell im Homeoffice arbeite, bekomme er von dem Baby viel mehr mit als unter normalen Bedingungen, sieht Nicole Aich einen weiteren Vorteil. „Er verbringt seine Mittagspause mit uns und oft bleibt ihm Zeit, mit uns noch einen kleinen Spaziergang zu machen.“ Freunde hätten zwei Wochen vor ihnen ebenfalls ein Baby bekommen. „Der Austausch mit ihnen ist in dieser Phase Gold wert“, sagt die junge Mutter.

Ob die Taufe im Mai wohl klappen wird?

Schade sei jedoch, dass sie sich bisher immer nur mit einer Person aus einem anderen Haushalt treffen dürften. Aktuell beschäftigt Nicole Aich die Taufe ihrer Kleinen.

Hoffentlich klappt die Taufe von Kim June im Mai: Mama Nicole Aich möchte ihr Baby so gern der Großfamilie vorstellen.
Hoffentlich klappt die Taufe von Kim June im Mai: Mama Nicole Aich möchte ihr Baby so gern der Großfamilie vorstellen. | Bild: Claudia Wörner

„Wir hätten Kim June gern schon früher taufen lassen, um sie in die Großfamilie einzuführen.“ Nach dem Motto „Save the Date“ hätten sie jetzt einen Termin im Mai anvisiert. „Es ist schon spannend.“

Persönlicher Austausch mit anderen Eltern fehlt

Zum Austausch mit anderen Müttern nimmt Nicole Aich an einer Online-Babygruppe des Markdorfer Mehrgenerationenhauses teil. „Es ist schön, zu sehen, dass andere Eltern das gleiche bewegt“, stellt sie fest. Normalerweise würden die Teilnehmerinnen im Anschluss bestimmt einen Kaffee trinken oder eine Runde spazieren gehen. „Das fällt jetzt alles weg“, bedauert Aich. Schade sei, dass aktuell auch keine Baby-Bazare stattfinden. Ganz besonders vermisst die Ailingerin aber den persönlichen Austausch mit anderen Eltern. „Für Sachgespräche ist das Online-Format gut, aber ein wirkliches Kennenlernen klappt leider nicht.“

Online-Babygruppe ist Alternative für Mutter und Kind

Ganz ähnlich schätzt Martina Munding das Thema Online-Babygruppe ein. Als Kinderkrankenschwester leitet sie das Angebot des Familientreffs Oberteuringen. Hier treffen sich jeden Freitagvormittag sieben bis acht junge Mütter mit ihren Babys für eine gute Stunde. Zur Sprache kommen zum Beispiel der Übergang zur Beikost, Unfallverhütung, Trotzphase oder Babysprache und Gebärden, um die Emotionen des Kindes besser zu verstehen.

Kinderkrankenschwester Martina Munding (rechts) leitet in Oberteuringen eine Online-Babygruppe.
Kinderkrankenschwester Martina Munding (rechts) leitet in Oberteuringen eine Online-Babygruppe. | Bild: Kerstin Oettle

„Über die ritualisierte Begrüßung mit einem Lied oder zwischendurch mit einem Fingerspiel nehme ich auch Kontakt mit den Kleinen auf“, berichtet Munding. „Die Kinder bekommen das durchaus mit und freuen sich.“ Nichtsdestotrotz stehe die Mama mit ihren Fragen beim Treff per Zoom im Vordergrund.

Vor allem das erste Kind krempelt das Leben komplett um

Christin Jungblut, Leiterin des Familientreffs im Markdorfer Mehrgenerationenhaus, macht jungen Eltern Mut, sich bei Fragen und Unsicherheiten offensiv Hilfe zu suchen und zum Telefonhörer zu greifen. „Vor allem das erste Kind krempelt das Leben komplett um“, weiß Jungblut.

Christin Jungblut (links) hat im Familientreff in Markdorf ein offenes Ohr für junge Eltern.
Christin Jungblut (links) hat im Familientreff in Markdorf ein offenes Ohr für junge Eltern. | Bild: Nosswitz, Stefanie

Als problematisch schätzt sie ein, dass sich Unsicherheiten der Eltern durchaus auf die Kinder übertragen können. Fehlen würden die vielfältigen Begegnungsmöglichkeiten, in denen sich die Eltern gegenseitig stärken können. „Wenn man sieht, dass andere ganz ähnliche Fragen haben, stärkt es das Selbstvertrauen.“

Leider würden allein durch Online-Angebote keine tragfähigen Beziehungen entstehen. „Von der Geburtsvorbereitung bis zu Krabbelgruppe bilden sich sonst ja Freundschaften fürs Leben“, so die Erfahrung von Jungblut.