Es hagelt Bonbons und Schokoriegel – und erste Regentropfen fallen auch. Was die rufende Schar unter dem Fenster von Richard Gratwohls Friseurgeschäft wenig kümmert. Stattdessen tönt es ständig „Doher, doher!“: das Signal, mit dem beim Hansafüratle die Flugbahn der geworfenen Süßigkeiten gelenkt werden soll. Friseurmeister Gratwohl bleibt unbeeindruckt: Er wirft, wohin es im gefällt.

Im Kreis schreiten die Kinder um das Feuer. Bild: Jörg Büsche
Im Kreis schreiten die Kinder um das Feuer. Bild: Jörg Büsche | Bild: Jörg Büsche

Vor wenigen Minuten haben es Annette Wiggenhauser und Klaus Schiele genau so gehalten – vielleicht ein wenig mehr auf die Kinder in den letzten Reihen bedacht. Wobei die Sachbearbeiterin und der Leiter des Hauptamts nicht auf den Vorteil des erhöhten Standpunkts bauen konnten. Sie standen ebenerdig. Mit großem Schwung und aus vollen Händen schleuderten sie, was die Körbe voller Süßigkeiten auf dem Tisch vor ihnen hergaben.

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Wer möcht noch eine Brezel?
Wer möcht noch eine Brezel? | Bild: Jörg Büsche

Freilich erst nach einer kleinen Pause. Nach dem „Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade…“, dem Gebet, das stets auf das mittägliche Angelusläuten folgt – aufgesagt von den Kindern und ihren erwachsenen Begleitern beim Reigen um das kleine Feuer aus Papier, Holzscheiten und Reisig – hatte es eine Weile gedauert, bis die Kinder endlich die alten Verse skandierten: „Hansa, hansa, Füratle – gebt uns au a Schüratle!“ Jene Bitte, die den Bonbonregen herbeiführt.

Doher! Doher!
Doher! Doher! | Bild: Jörg Büsche

Sie finde „es toll, wie sehr sich die Kinder freuen“, erklärte Susanne Mayer. Aus Tuttlingen, wo sie herstammt kenne sie diesen Heischebrauch nicht. Ihr gefällt diese Markdorfer Tradition, die sie nun zum ersten Mal erlebt hat. „Mein Sohn besucht die Grundschule“, sagte sie. Da sei sie als Begleiterin mitgegangen und auch in das „Vergelt‘s Gott, vergelt‘s Gott“, mit dem sich die Kinder vor jedem Haus für die dort empfangenen Süßigkeiten bedanken, stimmte Susanne Mayer mit ein.

Aus vollen Händen in die Menge werfen.
Aus vollen Händen in die Menge werfen. | Bild: Jörg Büsche

Andreas Knörle ist zufrieden. Der Hausmeister vom Rathaus hat zum ersten Mal das Hansafüratle-Feuer entfacht. „Erst wenn das Glockenläuten vorbei ist“, so habe es ihm Dietmar Bitzenhofer, lange Jahre Hüter des Hansafüratle-Feuers, eingeschärft. Darüber hinaus ist Andreas Knörle auch stolz, „dass ich die alte Markdorfer Tradition fortsetzen darf“. Als er vor bald 50 Jahren selbst als Schüler um die brennenden Scheite schritt, wird er sich wohl kaum in dieser Rolle gesehen haben.

Und nun brennt es ...
Und nun brennt es ... | Bild: Jörg Büsche
Es sind genug Brezeln da. Annette Wiggenhauser verteilt sie.
Es sind genug Brezeln da. Annette Wiggenhauser verteilt sie. | Bild: Jörg Büsche