Klopfen, sägen, Kinderlachen tönt an diesem Wochenende durch Markdorf-Bergheim. Zwischen Schafen, Hühnern und Obstbäumen finden sich zahlreiche Zelte und eine große Jurte. Spätestens da ist klar: hier sind Pfadfinder am Werk. Der Stamm St. Nikolaus Markdorf der deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) trifft sich hier zu seinem ersten Pfadi-Wochenende seit über eineinhalb Jahren. „Wir sind so froh, dass wir wieder etwas anbieten können. Die Kinder waren richtig ausgehungert“, berichtet Leiterin Hanna Schlereth.

Pauline hilft Leiterin Kira Tröstler beim Gemüse schneiden.
Pauline hilft Leiterin Kira Tröstler beim Gemüse schneiden. | Bild: Nicole Burkhart

Doch auch hier gilt natürlich die Corona-Verordnung für Angebote der Kinder- und Jugendarbeit. „Heute Morgen wurde die Jurte erst mal zum Testzelt, die Kinder mussten mit Abstand warten, bis der letzte Test ausgewertet war. Das haben alle ganz toll gemacht“, erklärt die Verantwortliche Veronika Boll. Dann konnte es endlich losgehen. Die letzten anderthalb Jahre fanden die Gruppenstunden meist online statt, da der existierende Gruppenraum unter Corona-Bedingungen viel zu klein war. Diese wurden zwar gerne angenommen, aber echte Gemeinschaft ist eben nicht zu ersetzen. Durch das Wiesengrundstück haben die Pfadfinder nun eine Möglichkeit gefunden, wieder richtige Treffen stattfinden zu lassen.

Persönliche Treffen wieder möglich

„Erstmal mussten wir Äpfel auflesen, bevor die Zelte aufgebaut werden konnten“, lacht Veronika Boll. Dann wurde eine Grillstelle für die neue Feuerschale gebaut. Hier soll heute Abend schließlich das Essen stilecht über dem Feuer gekocht werden. Und ein Lagerfeuer in der Dunkelheit mit Stockbrot und Waffeln darf auch nicht fehlen. Etwas entfernt von der Feuerstelle schneidet Kira Tröstler mit der neunjährigen Pauline gerade die Karotten für den Gemüseeintopf klein. Sie ist seit drei Jahren Leiterin der Rover-Stufe und bezeichnet sich selbst als Quereinsteigerin. Über den Kontakt zu Veronika Boll, die wie sie Lehrerin ist, entstand die Verbindung zur DPSG. „Für die Kinder ist es so toll, dass es diese Gruppen gibt. Und ich persönlich genieße den Ausgleich und das Zusammensein auch sehr“, verrät sie und greift zur nächsten Karotte.

Währenddessen sind die anderen Kinder und Jugendlichen fleißig dabei, Schwedenstühle zu bauen. Laurin und Luca sägen Latten zu. „Mir gefallen bei den Pfadis vor allem die Gruppenstunden mit Spielen und Bauen“, sagt der zwölfjährige Luca. „Ich schätze die Gemeinschaft hier, so ein Wochenende ist natürlich ein Highlight“, ergänzt der gleichaltrige Laurin. Neben ihnen sitzt der neunjährige Timo und zeigt stolz sein glatt geschmirgeltes Stück Holz. Emma und Emma holen die Holzstücke ab und legen sie auf die vorbereitete Grundkonstruktion für die Sitzfläche.

Die neunjährige Pauline und die neunjährige Naima präsentieren die neue Grillstelle für die Feuerschale.
Die neunjährige Pauline und die neunjährige Naima präsentieren die neue Grillstelle für die Feuerschale. | Bild: Nicole Burkhart

Dann kommt der Akkuschrauber zum Einsatz. „Ihr müsst erst den Rahmen schrauben“, erklären die Leiterinnen. Franka hingehen bereitet mit Pauline schon den Stoff für die Lehne vor und tackert ihn fest. „Die Kinder sind so fleißig heute, wir haben nicht mal Zeit zum Kuchen essen“, lacht Veronika Boll. Auch die neunjährige Naima freut sich über die tolle Aktion und das ganze Pfadi-Wochenende. „Ich bin schon ein bisschen aufgeregt, das ist das erste Mal Zelten auswärts für mich“, verrät sie und zeigt stolz ihren Schlafplatz im Zelt mit Emma und Timo.

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Bastelarbeiten in der Werkstatt

Während hier fest gearbeitet wird geht es anderorts nicht weniger fleißig zu. Die männlichen Leiter sind gemeinsam mit den größeren Pfadindern in der Werkstatt von Willi Bochtler zugange. Dort entsteht ein Bauwagen, der als Außenlager dienen soll. „Das Untergestell haben wir bei ebay erstanden und jetzt soll ein Bauwagen darauf entstehen“, berichtet Hannah Schlereth. „Die erste Wand ist schon fertig!“, ruft jemand dazwischen, nachdem ein Foto aufs Handy gesendet wurde. Alle freuen sich. Dankbar sind die Pfadfinder auch für Unterstützung und Spenden, die ihnen diese Aktion möglich machen. „Von der Firma Schäfer haben wir eine Fensterspende erhalten, von der Näherei Ehrmann die Stoffe für die Stühle und Willi Bochtler unterstützt uns mit seinem Wissen und der Bereitstellung der Werkstatt“, freut sich Veronika Boll.

Zwischen Obstbäumen und Hennen haben sich die Pfadfinder für ihr Wochenende eingerichtet.
Zwischen Obstbäumen und Hennen haben sich die Pfadfinder für ihr Wochenende eingerichtet. | Bild: Nicole Burkhart

Auch die Pfarrei Markdorf und ihre Mitarbeiter unterstützt die Gruppe bei ihrer Idee. Daher lässt es sich noch jemand nicht nehmen, bei den Pfadis vorbeizuschauen, noch dazu in richtiger Pfadfinder-Kluft. Pfarrer Ulrich Hund scherzt erst ein wenig: „Kann man auf dem Schweden-Stuhl auch Schweizer Käse essen?“, bevor er mit der Gruppe einen kleinen Impuls abhält. Man merkt allen an: viel zu lange hat ihnen diese Gemeinschaft gefehlt. „Man wird geerdet“, beschreibt es Veronika Boll. Und hofft wie alle anderen, dass es in Zukunft weiter möglich bleibt.

Emma und Emma, beide neun Jahre alt, tacken den Stoff an die Lehne des Schwedenstuhls.
Emma und Emma, beide neun Jahre alt, tacken den Stoff an die Lehne des Schwedenstuhls. | Bild: Nicole Burkhart
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