Ob sie einen Termin brauche, fragt die junge Frau, als sie das Geschäft betritt. „Nein, bei uns nicht“, antwortet ihr Buchhändlerin Kristina Deike-Müller. Seit Montag darf sie ihre Kunden wieder im Laden bedienen, bei Ravensbuch in der Marktstraße. Und nicht nur an dessen Tür, wo in den vergangenen Wochen ein Tisch stand, eine Kasse sowie ein Kartenlesegerät, an dem die Abholer ihre per Telefon oder im Internet bestellten Bücher und Landkarten in Empfang nehmen und bargeldlos bezahlen durften.

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„Schön, dass ihr wieder da seid“ habe sie seit Montag öfter gehört, berichtet Kristina Deike-Müller. Dabei, so erläutert die Geschäftsführerin der Markdorfer Ravensbuch-Filiale, seien sie und ihre Buchhändler-Kolleginnen eigentlich immer präsent gewesen.

Arbeit trotz geschlossener Ladentüren

Denn zu tun habe es durchaus genug gegeben. „Die Bestellungen liefen ja weiter“, sagt Deike-Müller. So sehr sogar, dass sie kaum einstimmen könne in jenes Klagelied der Branche, darüber, dass die Kunden während der beiden Lockdowns zu den großen Online-Anbietern abgewandert seien. „Es ist schon unglaublich, wie sehr uns die Markdorfer die Treue gehalten haben“, freut sich Kristina Deike-Müller. Und dennoch: Die psychische Belastung sei hoch gewesen. „Wie geht es weiter, wie lange noch?“ Das seien die Fragen gewesen, die quälten. Einstweilen könne man aufatmen, „sich an der Begegnung mit den Kunden freuen“.

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Die Sorge, was passiert, sollten die Inzidenzwerte wieder heftiger ansteigen, eine dritte Welle kommen, die bestehe aber weiter. Trotzdem: In Anbetracht der strahlenden Kunden und der vielen Gesten der Solidarität – Deike-Müller zählt die Unterstützung des „Unverpackt“-Ladens auf oder die vielen Freiwilligen, die bei der Bücherauslieferung mit anpackten – könne sie nur sagen: „Da geht einem schon das Herz auf.“

Es hapert mit der Information

Auch Katrin Raither, Co-Geschäftsführerin des Markdorfer Sportfachgeschäfts Intersport Raither, freut sich über die neuen Öffnungsmöglichkeiten. „Wir wurden am Montagmorgen von Markdorf Marketing informiert, was jetzt geht.“ Der Ladenbesuch mit Voranmeldung sei noch kein Durchbruch, aber ein erster Schritt. Im Grunde schon der zweite, da die Kunden zuvor schon telefonisch ordern konnten. Ein unproblematisches Einkaufen sei das nicht gewesen. Zumal es erst jetzt die Möglichkeit gebe, die neuen Wanderstiefel, die neue Jacke auch anzuprobieren – für jeweils zwei Kunden im Geschäft.

Noch nicht ganz ohne Barrieren, aber mit strengen Auflagen in den Laden geht es auch bei Intersport Raither.
Noch nicht ganz ohne Barrieren, aber mit strengen Auflagen in den Laden geht es auch bei Intersport Raither. | Bild: Jörg Büsche

Katrin Raither würde sich wünschen, dass die Öffentlichkeit besser informiert wäre. „Im Moment herrscht doch große Unsicherheit, was erlaubt ist und was nicht“, bemängelt sie. Dass ihre Kunden während des langen Lockdowns ins virtuelle Netz abgewandert seien, befürchtet sie allerdings weniger, schätzten die Markdorfer doch die Beratungsleistung in ihren Geschäften.

Bummeln mit Termin bleibt dennoch eine Notlösung

Gerunzelte Stirnen trifft, wer nach der Winterware fragt, zumal in den Bekleidungsgeschäften. „Das Lager ist voll mit Waren“, erklärt Monika Mayer von M3 in der Hauptstraße. Das gleiche sagt auch Dietmar Bitzenhofer von Kappeler Herrenbekleidung in der Marktstraße. „Wir haben sogar schon die Ware für den nächsten Winter geordert.“ Die Branche eile mit ihrer Mode dem Kalender immer ein halbes Jahr voraus. Hinterher hinkten dagegen die Branchenverbände – zumindest in der Informationspolitik.

Lisa und Dietmar Bitzenhofer freuen sich, in ihrem Modegeschäft in der Marktstraße endlich wieder Kunden bedienen zu dürfen.
Lisa und Dietmar Bitzenhofer freuen sich, in ihrem Modegeschäft in der Marktstraße endlich wieder Kunden bedienen zu dürfen. | Bild: Jörg Büsche

Bitzenhofer beklagt wie Monika Mayer, dass es an Details mangele, was inzwischen schon wieder möglich ist in den Verkaufsräumen. „Ich kann nur hoffen, dass die Leute trotzdem kommen“, erklärt sie. Sie hat aber Zweifel. „Bummeln mit Termin macht wenig Spaß.“

Lucie Fieber, Geschäftsführerin Markdorf Marketing: „Es ist Zeit, dass die Lokale wieder öffnen dürfen, dass die Leute beim Einkaufen oder danach auch wieder einen Kaffee trinken können.“
Lucie Fieber, Geschäftsführerin Markdorf Marketing: „Es ist Zeit, dass die Lokale wieder öffnen dürfen, dass die Leute beim Einkaufen oder danach auch wieder einen Kaffee trinken können.“ | Bild: Markdorf Marketing

Das findet auch Lucie Fieber vom Stadtmarketing Markdorf Marketing: „Es ist Zeit, dass die Lokale wieder öffnen dürfen, dass die Leute beim Einkaufen oder danach auch wieder einen Kaffee trinken können.“

Nach wie vor fehlt die Kultur in der Stadt

Die Marketingfrau vermisst auch die Kultur in der Stadt. Sie schaut aufs Gesamterlebnis. Nur, wenn alle Elemente zusammenspielen, könne die Stadt auch ihren Charme ausspielen. „Click & Meet“ sei da nur ein kleiner Schritt auf dem langen Weg zurück zur Normalität.

Keine Lust mehr auf Online-Shopping: Die Kunden wollen wieder lokal vor Ort einkaufen, berichtet Sylvia Wollschläger vom Bekleidungsgeschäft M3 in der Hauptstraße.
Keine Lust mehr auf Online-Shopping: Die Kunden wollen wieder lokal vor Ort einkaufen, berichtet Sylvia Wollschläger vom Bekleidungsgeschäft M3 in der Hauptstraße. | Bild: Jörg Büsche

Gleichwohl, bei allen Sorgen vor wieder ansteigenden Inzidenzwerten geben sich die angesprochenen Geschäftsleute zuversichtlich. „Wir feiern 2021 unser 100-jähriges Jubiläum“, erklärt Dietmar Bitzenhofer. Nach der Weltwirtschaftskrise in den 20ern und dem Zweiten Weltkrieg gab‘s zu lernen: „Es geht weiter.“ Die Frage ist, wie? Insbesondere für jene Geschäftsleute, die unterdessen ihre Rücklagen, ihre Altersversorgung aufzehren müssen.