Sie proben. Während sich viele ihrer Altersgenossen am Strand und im See tummeln, üben sie für ihren Auftritt. Die Musikschüler spielen ein Stück aus Handels Wassermusik. Was ihnen ebenso wenig Abkühlung verschafft wie das andere Stück, die traditionelle Melodie aus Israel. Immerhin: Johannes Eckmann, der Leiter des Ensembles, zeigt sich bereits zufrieden. „Das war schön“, lobt er die jungen Streicher von seinem Orchester Avant, „die Version nehmen wir nachher.“ Wenn alles klappt, hatte er zu Beginn der Probe versprochen, „sind wir in fünf Minuten durch“, Ein bisschen länger hat es am Ende doch noch gedauert. Beim zweiten Stück kamen ihm die Einsätze eine Spur zu zögerlich. „Etwa mehr Gas geben“, war sein Rat ans Orchester. Der wurde prompt befolgt.

Zahlreiche Mütter und Väter sind zum Sommerkonzert in die Stadthalle gekommen, um sich die Auftritte ihrer Kinder nicht entgehen zu lassen.
Zahlreiche Mütter und Väter sind zum Sommerkonzert in die Stadthalle gekommen, um sich die Auftritte ihrer Kinder nicht entgehen zu lassen. | Bild: Jörg Büsche, Angelina Sortino, Andreas Lang

„Wenn ihr Fehler macht“, gibt Musikschulleiter Gerhard Eberl einer Gruppe junger Musiker eine Lektion in Fehlerkultur, „dann lasst es niemanden merken.“ Kein Mensch wolle wissen, dass ein Malheur passiert sei. Passiert ist passiert – weiterspielen, aber richtig! Anschließend bittet Eberl um Applaus aus der Halle. Noch ist der eher spärlich. Noch klatschen einige weniger Mütter und Väter, die sich schon einmal hingesetzt haben, um ihren Töchtern und Söhnen beim Proben zuzuhören. Am Nachmittag wird das ganz anders aussehen. Weil die Stadthalle dann voll ist. Doch die wenigen klatschenden Hände reichen vollkommen. Dient dieser Applaus doch auch nur zur Probe. Musikschuldirektor Eberl übt mit den Schülern eine formvollendete Verbeugung vor dem Publikum ein.

Marlon, 12, bei seinem Hornsolo in der Stadthalle.
Marlon, 12, bei seinem Hornsolo in der Stadthalle. | Bild: Jörg Büsche, Angelina Sortino, Andreas Lang

„Zwei Jahre Coronapause hinterlassen Spuren“, erklärt Eberl. Deshalb sei er auch überaus froh, dass die Musikschule endlich wieder zu ihrem traditionellen Sommerkonzert einladen dürfe. Damit die Eltern sehen, welche Fortschritte ihre Kinder in den zurückliegenden Monaten gemacht haben. Damit die jungen Schüler Bühnenerfahrungen sammeln können. Und – noch wichtiger – damit sie durch ihren erfolgreich absolvierten öffentlichen Auftritt noch zusätzliche motiviert werden, begründet der Musikschuldirektor.

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Marlon steht nachher allein auf der Bühne. Wenn er auf seinem Horn „Le Voyage d‘Hadrien“ von Alain Crepin bläst, begleitet ihn nur Andrea Kahlo-Ringendahl – so wie die anderen Solisten auch. „Ich spiele ja sonst im Gemeinschaftsjugendorchester“, erklärt der Zwölfjährige. Er tue das mit großem Vergnügen. Zusammen mit anderen zu musizieren, sei einfach toll. Sein Hornsolo wird Marlon später ganz vorzüglich gelingen. Das gleiche gilt für Camille Lombard. „Mein erster Auftritt vor Publikum“, sagt die 15-Jährige. Sie fühle sich aber gut vorbereitet, habe auch fleißig geübt mit ihrem Cello. Das Andante aus Mendelssohn-Bartholdys „Lied ohne Worte“ wird sie spielen. Und sehr viel Applaus dafür ernten.

Letzte Tipps für den Schlagzeugernachwuchs gibt Musikschuldirektor Gerhard Eberl. Nils, Tom, Mark und Benjamin hören aufmerksam zu.
Letzte Tipps für den Schlagzeugernachwuchs gibt Musikschuldirektor Gerhard Eberl. Nils, Tom, Mark und Benjamin hören aufmerksam zu. | Bild: Jörg Büsche, Angelina Sortino, Andreas Lang