Endlich wieder ganz normaler Unterricht – „und endlich können wir unsere Schüler wieder gut verstehen“, freut sich Diana Amann, Direktorin des Gymnasiums am Markdorfer Bildungszentrum (BZM). Seit etwas mehr als einer Woche muss im Unterricht keine Maske mehr getragen werden. Das gilt allerdings nur für den Sitzplatz in der Klasse. Auf dem Weg dorthin und draußen auf den Fluren heißt es auch weiterhin: nicht ohne Mund-Nasenschutz, gleich ob FFP2 oder OP-Maske.

Die Sprachlehrer können seitdem wieder vormachen, wie die berühmten englischen th-Laute zwischen den Schneidezähnen oder die französischen Nasale am Gaumen gebildet werden. „Das erleichtert die Arbeit erheblich“, kann Schulleiterin Amann von den Gesprächen mit ihren Kolleginnen berichten. Ganz persönlich freut sich Diana Amann: „Manche meiner Schüler sehe ich jetzt zum ersten Mal richtig – ohne Maske.“

Gymnasialdirektorin Diana Amann freut sich, dass sie ihre Schüler endlich wieder ohne Maske sehen kann.
Gymnasialdirektorin Diana Amann freut sich, dass sie ihre Schüler endlich wieder ohne Maske sehen kann. | Bild: Jörg Büsche

Auf die Mimik kommt es an

Was das Unterrichten erheblich erleichtert, erklärt Veronika Elflein, Rektorin der Realschule beziehungsweise des Schulverbunds am Bildungszentrum. „Jetzt können wir wieder an der Mimik erkennen, ob ein Schüler auch wirklich verstanden hat, was wir ihm erklären.“ Es bleibt nicht mehr beim Blick in die großen, weit geöffneten Augen über dem Rand der Maske. Auch wenn die Maskenpflicht am Arbeitsplatz fortfällt, die Möglichkeit, den Mund-Nasen-Schutz weiterhin zu tragen, besteht trotzdem.

In diesem Zusammenhang lobt Elflein die Eltern. „Bis auf ganz, ganz wenige Ausnahmen haben wir für alle Maßnahmen, die uns ja angeordnet worden sind, immer viel Verständnis gefunden.“ Von ihren Schulleiter-Kollegen im Umland höre sie da mitunter anderes.

Vorsichtsmaßnahmen werden immer noch getroffen.
Vorsichtsmaßnahmen werden immer noch getroffen. | Bild: Jörg Büsche

Das sagen die Schüler: Weniger Luft unter der Maske

Elftklässler Ferhat ist froh, „die Maske nicht mehr bei Klassenarbeiten tragen zu müssen.“ Sie sei nicht nur lästig gewesen, sondern man bekommt schlechter Luft. „Man kann sich weniger gut konzentrieren.“ Es sei erheblich schwieriger, mit Maske bei Klausuren gute Ergebnisse zu erzielen, erklärt der 17-Jährige.

„Dass wir jetzt auf dem Platz keine Maske mehr tragen müssen, finde ich viel besser.“Wiebke, 10 Jahre, Fünftklässlerin
„Dass wir jetzt auf dem Platz keine Maske mehr tragen müssen, finde ich viel besser.“Wiebke, 10 Jahre, Fünftklässlerin | Bild: Jörg Büsche
„Ohne die Maske bekommt man besser Luft. Ich kann mich auch besser konzentrieren als mit der Maske.“Emil, 10 Jahre, Fünftklässler
„Ohne die Maske bekommt man besser Luft. Ich kann mich auch besser konzentrieren als mit der Maske.“Emil, 10 Jahre, Fünftklässler | Bild: Jörg Büsche

Ferhats Mitschüler, der 16-jährige Max, berichtet, dass nun überall die sogenannten CO2-Ampeln stehen. Die zeigen an, wann allerspätestens gelüftet werden muss. Stoßlüftungen haben unabhängig davon aber grundsätzlich alle 20 Minuten zu erfolgen. Was Max vermisst, das sind Luftreinigungsgeräte.

Insgesamt, so das Urteil etlicher Schüler, gehören die Corona-Vorsichtsmaßnahmen inzwischen zum schulischen Alltag – etwa die regelmäßigen Testungen an drei Tagen in der Woche. Nach wie vor störend aber sei, „dass wir seit Corona weniger Kontakt zu anderen Klassen haben als vorher“, erklärt die 15-jährige Kirana.

Lehrer Richard Uhl hat den Eindruck, dass es beim Thema Sozialverhalten seit Corona einen gewissen Nachholbedarf gebe. „Manch einer muss sich erst wieder in den Klassenverband einfinden. Und mit dem Zuhören hapert es auch manchmal“, so Uhl. Viele Schüler seien zu ungeduldig.

„Mein Eindruck ist, dass es beim Thema Sozialverhalten seit Corona einen gewissen Nachholbedarf gibt.“Richard Uhl, Lehrer
„Mein Eindruck ist, dass es beim Thema Sozialverhalten seit Corona einen gewissen Nachholbedarf gibt.“Richard Uhl, Lehrer | Bild: Jörg Büsche
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Kohorten-Unterricht als Herausforderung

Extrem reduziert werden die Kontaktmöglichkeiten, wenn in einer Klasse jemand positiv getestet wird. Von vier Fällen weiß Direktorin Diana Amann zu berichten. Von einem guten Dutzend spricht Klaus Spatzier, stellvertretender Schulleiter am Schulverbund. In der Regel, so Spatzier, stellen sich die vermeintlichen Positiv-Ergebnisse im Nachhinein als Falschalarme heraus.

Trotzdem werden die betreffenden Lerngruppen abgesondert. „Keine leichte Aufgabe“, erklärt Realschulrektorin Veronika Elflein. Das BZM ist derzeit Großbaustelle. Die Pausen-Flächen seien knapp. Überdies brauche es zusätzliche Aufsichtskräfte. Der Name für diese Abtrennen und schließen von Lerngruppen lautet „Kohorten-Bildung“.

Veronika Elflein und Klaus Spatzier, Schulleitungsteam der Realschule, berichten vom Unterrichtsalltag.
Veronika Elflein und Klaus Spatzier, Schulleitungsteam der Realschule, berichten vom Unterrichtsalltag. | Bild: Jörg Büsche

Schüler brauchen die Begegnung

„Die steigenden Inzidenzwerte bereiten mit schon Sorgen“, erklärt Direktorin Diana Amann. Sie hofft, dass der Präsenzunterricht auch weiterhin stattfinden kann. „Schüler brauchen den Präsenzunterricht“, betont die Pädagogin. Weil das Lernen leichter fällt. Und weil Kinder und Jugendliche die Begegnung mit Gleichaltrigen für ihre Entwicklung brauchen. Von daher ist die Schulleiterin auch froh, dass Landschulaufenthalte Klassenausflüge wieder möglich sind.

Der derzeitige Haupteingang des Bildungszentrums. Im Gebäude herrscht immer noch Maskenpflicht, außer am Arbeitsplatz.
Der derzeitige Haupteingang des Bildungszentrums. Im Gebäude herrscht immer noch Maskenpflicht, außer am Arbeitsplatz. | Bild: Jörg Büsche