Jörg Büsche markdorf.redaktion@suedkurier.de

Wohin die Stadtpolitik steuert, das sollte die Leitfrage der jüngsten „I mein‘ halt“-Bürgerrunde von Ernst Arnegger sein. Mit Blick auf die 2024 stattfindenden Kommunalwahlen hatte Arnegger die Vorsitzenden der im Gemeinderat vertretenen Fraktionen eingeladen, außerdem Stadtrat Rolf Haas, der für die FDP im Rat sitzt. Christiane Oßwald (Umweltgruppe) in Vertretung von Joachim Mutschler, Kerstin Mock (CDU), Dietmar Bitzenhofer (Freie Wähler), Uwe Achilles (SPD) und Haas hatten Gelegenheit, ihre kommunalpolitischen Ziele darzulegen. Was sich die Bürger wünschen, lautete die Frage. Zu Wort kommen sollte freilich auch das Publikum.

Ausgangspunkt war das Areal Bischofschloss. Was sich gut traf, da alle fünf Stadträte kurz vor der Bürgerrunde an einer Arbeitsgruppensitzung zum Schloss teilgenommen hatten. Was nun geschieht? „Nichts anderes, als 2019 beim Bürgerdialog festgehalten wurde“, erklärte Bitzenhofer. Das Motto damals: „Zukunft im Bestand“ – und der Bestand soll erhalten bleiben. Man suche nach einem Investor. Öffentlich zugänglich werde der Innenhof bleiben. Und gerne sähe die Stadt einen Gastronomiebetrieb in dem Gebäudekomplex. So viel aber sei klar, sagte Bitzenhofer: Anbetrachts klammer Kasse stünden der Stadt kaum die nötigen 20 Millionen Euro zur Verfügung, um die Zukunft des Schlosses selbst in der Hand zu behalten.

Wer bekommt das Bischofschloss? Ein Hauptthema der Veranstaltung.
Wer bekommt das Bischofschloss? Ein Hauptthema der Veranstaltung. | Bild: Jörg Büsche

Sorge wegen städtischer Schulden

Diese Chance sei vertan, sagte Mock. Das Rathaus werde saniert, damit die Verwaltung dorthin zurückziehe und nicht im Schloss bleibe. Mock wünschte sich allerdings, dass auch Teile des Schlosses der Markdorfer Öffentlichkeit weiterhin offen stehen. „Mir haben sie aus dem Herzen gesprochen“, wandte sich Christiane Oßwald an Konrad Jegler. Der hatte sich darüber empört, dass man nicht eine Nase aus dem Gesicht heraus verkaufen dürfe. Die Mehrheit habe entschieden: Die Stadt will ihr Schloss veräußern. Vor Jahresende sei dieser Prozess indes kaum abzuschließen, wenn sich überhaupt ein geeigneter Investor findet. Martin Belser hofft, dass eine attraktive Lösung gefunden wird. Er zumindest könnte sich gut ein Wissenschaftszentrum à la Winterthurer Technorama vorstellen.

„Wir haben der Stadt gegenüber bereits vor drei Jahren unser Interesse am Bischofschloss geäußert“, meldete sich aus dem Publikum Alexander Weber für die Betz und Weber Baupartner GmbH zu Wort. Doch wie bei etlichen anderen Anfragen des Unternehmens habe es keine Antwort aus dem Rathaus gegeben, sagte Weber. Bitzenhofer verwies auf das Ausschreibungsverfahren, an dem sich Betz und Weber ja beteiligen könne. Im Übrigen, spielte er auf den Heggbacher Hof in der Spitalstraße an, verantworte das Unternehmen „genügend Bauruinen in der Stadt“.

Ernst Arnegger (von links) hat Christiane Oßwald, Kerstin Mock, Dietmar Bitzenhofer, Uwe Achilles und Rolf Haas zum Gespräch mit den ...
Ernst Arnegger (von links) hat Christiane Oßwald, Kerstin Mock, Dietmar Bitzenhofer, Uwe Achilles und Rolf Haas zum Gespräch mit den Bürgern eingeladen. | Bild: Jörg Büsche

„Unsere Stadt sollte jünger werden“, war der Wunsch, den Helmut Jetter den Räten mit auf den Weg in den Wahlkampf gab. „Unsere Hauptstraße ist relativ trist, es fehlt an interessanter Architektur“, findet Jetter. Kaum etwas in der Stadt spreche junge Familien an. „Wo sich aber die Jungen wohlfühlen, da fühlen auch wir Alten uns wohl“, sagte Jetter. Um den Haushalt, um die städtische Schuldenlast sorgte sich Franz Frick und schlug deshalb vor, Personalkosten einzusparen. Ihm antwortete unter anderem Achilles. Die städtischen Personalkosten seien angestiegen, weil mehr Erzieherinnen bezahlt werden müssten. Dies sei Folge des Rechts auf Kinderbetreuung.

Thomas Zink warf das Thema Photovoltaikanlagen auf Freiflächen ein. Aus seiner Sicht ist es problematisch, dass es Markdorf an Flächen mangelt. Laut Mock ist in dieser Hinsicht noch nichts beschlossen, die EnBW habe der Stadt lediglich einen Vorschlag unterbreitet. Achilles warnte vor voreiligen Denkverboten und argumentierte mit dem Klimaschutz. Bitzenhofer wiederum baut auf baldige Neuregelungen für die Dächer der Bürger. Und Unternehmer Karl Heinz Linnig verwies auf die Chancen der Solarstromerzeugung, sobald die auf Firmendächern wieder wirtschaftlich werde, was zurzeit nicht der Fall sei: „Die Module sind einfach viel zu teuer.“

Die Hauptstrape könnte attraktiver sein, kommt als Wunsch aus dem Publikum.
Die Hauptstrape könnte attraktiver sein, kommt als Wunsch aus dem Publikum. | Bild: Jörg Büsche

Geld und Haushalt waren die Punkte, bei denen sich die Fraktionen noch am ehesten aneinander rieben. So erntete Achilles‘ Gedanke, den Bau der dritten Grundschule zu verschieben, heftiges Kopfschütteln seitens Christiane Oßwalds. Und das „Gemeinderats-Nesthäkchen“, so Rolf Haas über sich selbst, erklärte, warum er gegen den Stadtbus, aber für Straßenbau und Parkplätze sei: „Weil diese Infrastruktur Rückgrat und Knochenmark der Innenstadtentwicklung sind.“ Sein Grundsatz für die Stadtpolitik laute: „Fort mit den Luxuslösungen“ – etwa beim Schulbau.