Jüngst wurde der Gutachterausschuss erweitert. Mit Heiligenberg, Frickingen und Salem sind weitere Gemeinden zu dem Gremium hinzugekommen, das sich nun „Gutachterausschuss Linzgau-Gehrenberg“ nennt.

Er ermittelt den Verkehrswert von bebauten und unbebauten Grundstücken. Er veröffentlicht die marktbestimmenden Daten aus seinen Kaufpreissammlungen. Und er bestimmt den Bodenrichtwert, nach dem die Gemeinden die Höhe ihrer Grundsteuer bemessen. Für Kommunen ist sie unverzichtbare Einnahme – eminent wichtiger Punkt im Haushalt.

Warum das Thema jeden angeht

Mithin geht die Arbeit der Gutachterausschüsse jeden an. Denn jeder wohnt. Das ist auch der Grund, weshalb das Thema Grundsteuer nicht erst, seitdem das bestehende Grundsteuergesetz vom Bundesverfassungsgericht als verfassungswidrig moniert wurde, zur Diskussion steht. Uneins ist man sich nicht in Bezug auf das Ob, sondern bei der Frage, wie sie erhoben wird. Eigentümer haben sie zu zahlen – und indirekt auch die Mieter, als Teil der Betriebskosten.

Die Arbeit des Gutachterausschusses berührt alle – auch die Mieter.
Die Arbeit des Gutachterausschusses berührt alle – auch die Mieter. | Bild: Jörg Büsche

In ihrem Büro im Nebentrakt des Markdorfer Bischofschlosses, der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses Linzgau-Gehrenberg, werten vor allem Nicole Wiedholz und Monika Depta die Kaufvertragsdaten aus. „Herr Schneider hat mich damals gefragt“, erklärt Monika Depta. Da sei sie noch Mitarbeiterin des Hochbauamts im Markdorfer Rathaus gewesen. Und Torsten Schneider, damals noch nicht pensioniert und Leiter des Markdorfer Baurechtsamts sowie des Gutachterausschusses, trug ihr die Mitarbeit im Wertermittlungsgremium des Gemeindeverwaltungsverbands an.

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Einschätzungen müssen nachvollziehbar sein

Ohne Weiterbildung ging es allerdings nicht. Monika Depta, die studierte Bauingenieurin, musste zunächst Kurse bei der Deutschen Immobilien-Akademie besuchen, bevor sie das notwendige Rüstzeug hatte, um den Verkehrswert von Grundstücken zu ermitteln. Diese Zusatzqualifikation ist vor allem Bauingenieuren und Architekten vorbehalten.

Sie bekommen Instrumente in die Hand, mit deren Hilfe sie den Wert von bebautem wie von unbebauten Flächen ermitteln, ebenso den Wert von Gebäuden oder die Liegenschaftszinsen. Und am Ende sollen diese Einschätzungen nachvollziehbar sein, objektiven Maßstäben genügen. Mit der sogenannten Gerichtszulassung erhalten die Gutachter quasi die höheren Weihen für ihre Expertise.

Der Gutachterausschuss nimmt die Grundstückspreisentwicklung in den Blick.
Der Gutachterausschuss nimmt die Grundstückspreisentwicklung in den Blick. | Bild: Jörg Büsche

Die Kaufpreise auszuwerten, das Erstellen einer Kaufpreissammlung – als Grundlage für die Bodenrichtwerte – sei aber nur eine Aufgabe, erklärt Pirmin Strobel, Diplomsachverständiger für Immobilienbewertung im Gutachterausschuss. Daneben gelte es, Gutachten für private Auftraggeber zu erstellen, außerdem Immobilien- beziehungsweise Grundstücksmarktberichte.

Der Gutachterausschuss nimmt die Grundstückspreisentwicklung in den Blick.
Der Gutachterausschuss nimmt die Grundstückspreisentwicklung in den Blick. | Bild: Jörg Büsche

Torsten Schneider, der ehrenamtlich arbeitende Vorsitzende des Gutachterausschusses, erklärt: „Was wir hier machen, finde ich hoch spannend.“ Die Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt habe der studierte Architekt von je her aufmerksam verfolgt.

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Ließen sich daran doch auch Veränderungen im sozialen Gefüge einer Gemeinde ablesen. Darüber hinaus aber lieferten die Informationen über bebauten und unbebauten Grund und Boden Planern, Politikern, Investoren, der gesamten Immobilienwirtschaft wertvolle Anhaltspunkte für deren Arbeit und Entscheidungen.

Häuslebauer profitieren

Vor allen anderen aber profitierten wohl die Architekten, somit auch die Häuslebauer von den Datenerhebungen des Gutachterausschusses. Und nicht zuletzt lieferten die Ausschüsse, so erklärt Schneider, auch wichtige Informationen, wenn Erben oder in Scheidung Lebende streiten.

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