Anwohner Rolf Schnekenbühl stellt durchaus eine Verbesserung der Verkehrssituation im Schießstattweg fest. „Es ist auf jeden Fall ruhiger geworden“, sagt er. Um einschränkend zu ergänzen: „Ich schätze, dass mindestens 50 Autofahrer pro Tag aus Macht der Gewohnheit immer noch falsch von der Bahnhofstraße in den Schießstattweg abbiegen.“ Schnekenbühl vermutet, dass es Berufspendler sind. Oder jene, die im östlichen Schießstattweg zum Einkaufen oder zum Tanken wollen.

Anwohner Rolf Schnekenbühl zeigt im August 2021: Auch an dieser betonierten Einfriedung sind immer wieder Schäden zu reparieren, die ...
Anwohner Rolf Schnekenbühl zeigt im August 2021: Auch an dieser betonierten Einfriedung sind immer wieder Schäden zu reparieren, die durch Schwerlastverkehr verursacht werden. | Bild: Ganter, Toni

Schnekenbühl glaubt auch, dass die Beschilderung „Einbahnstraße“ von Autofahrern nicht wahrgenommen wird, weil die Verkehrszeichen etwas zu hoch montiert sind. So zumindest sein Eindruck nach Gesprächen mit Autofahrern, die verkehrswidrig von der Bahnhofstraße in den Schießstattweg unterwegs sind. Es werde gesagt: „Ich habe die Schilder gar nicht gesehen.“ Und oft wird Schnekenbühls Hofeinfahrt von den Falschfahrern zum Wenden genutzt, wie er erzählt.

Die Beschilderung „Einbahnstraße“ an der Einmündung Schießstattweg/Bahnhofstraße. Nur Fahrradfahrer dürfen von der ...
Die Beschilderung „Einbahnstraße“ an der Einmündung Schießstattweg/Bahnhofstraße. Nur Fahrradfahrer dürfen von der Bahnhofstraße in den Schießstattweg weiter. | Bild: Ganter, Toni
„Gut wäre doch, wenn man auf dem Schießstattweg eine Markierung ‚Einbahnstraße‘ machen würde.“
Rolf Schnekenbühl, Anwohner

Schnekenbühl hat eine Idee: „Gut wäre doch, wenn man auf dem Schießstattweg eine Markierung ‚Einbahnstraße‘ machen würde.“ Das falle den Autofahrern eher auf, meint der Anwohner. Und er hegt die Hoffnung, „dass sich die Situation weiter verbessert, wenn im Schießstattweg die Fahrradstraße eingerichtet und entsprechend markiert wird“. Bis auf Weiteres bekomme er besonders zu den Stoßzeiten – morgens, mittags und abends – Hupkonzerte mit, weil Autofahrer, die von Osten her kommend in Richtung Bahnhofstraße unterwegs sind, die anderen Fahrer auf deren falsches Abbiegen aufmerksam machen.

Die Beobachtungen und Eindrücke von Nachbar Christoph Wohlrab sind sehr ähnlich. „Das Chaos aus früheren Zeiten vor der Einbahnregelung, besonders während des Berufsverkehrs und abends, gibt es nicht mehr.“ Auch er schränkt ein, es sei schon erstaunlich, wie viele immer noch in die falsche Richtung fahren. „Ich habe phasenweise beobachtet, dass innerhalb von 30 Minuten schon vier, fünf Fahrer falsch abgebogen sind.“

Weniger Lastwagen und Sattelzüge?

Ob inzwischen weniger Lastwagen und Sattelzüge unterwegs sind? „Das kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Jedenfalls haben es die Brummifahrer leichter, wenn sie vom Schießstattweg in die Bahnhofstraße abbiegen, weil ja kein Gegenverkehr mehr in den Schießstattweg darf.“ Wie Nachbar Rolf Schnekenbühl hofft auch Wohlrab auf weitere Verkehrsberuhigung. „Mit Einführung der Fahrradstraße und Anliegerregelung sollte man annehmen, dass die Situation besser wird.“ Dann hat Wohlrab noch ein Bonmot auf Lager: Eines Tages ist ein Autofahrer mit Züricher Kennzeichen als Falschfahrer unterwegs. Wohlrab spricht ihn darauf an. Der Eidgenosse habe sinngemäß schlicht geantwortet: „Aber hier geht‘s doch zum Lidl.“

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Die Bewertung seitens des Ordnungsamtes? Als die Einbahnregelung neu war „gab es laut Hinweisen aus der Anwohnerschaft insbesondere anfangs sehr viele Verstöße. Dabei handelte es sich wahrscheinlich um ortskundige Verkehrsteilnehmer, welche die Straße ‚aus Gewohnheit‘ entgegen der zulässigen Fahrtrichtung befuhren“, berichtet Jürgen Hess vom Ordnungsamt. Einerseits sei es verständlich, dass Ortskundige weniger auf Verkehrszeichen achten, andererseits müsse „von jedem verantwortungsbewussten Verkehrsteilnehmer erwartet werden, dass er alle – auch neue – Verkehrszeichen beachtet“.

Anwohner möchten, dass kontrolliert wird

Von Anwohnern wurden und werden regelmäßige Kontrollen erwartet. Dazu erklärt Jürgen Hess: „Da die Stadt Markdorf nicht befugt ist, den fließenden Verkehr zu überwachen, haben wir seinerzeit aufgrund der Anwohnerbeschwerden die Polizei um Kontrollen gebeten. Von der Polizei haben wir keine genauen Angaben zur Anzahl von beanstandeten Verkehrsteilnehmern erhalten.“

Jürgen Hess, Ordnungsamt Markdorf: „Nach meiner Einschätzung hat sich das Ganze inzwischen recht gut eingespielt.“
Jürgen Hess, Ordnungsamt Markdorf: „Nach meiner Einschätzung hat sich das Ganze inzwischen recht gut eingespielt.“ | Bild: Volk, Siegfried

Jürgen Hess zieht eine positive Halbjahresbilanz: „Nach meiner Einschätzung hat sich das Ganze inzwischen recht gut eingespielt. Aus der Anwohnerschaft gingen abgesehen von den Hinweisen auf Verstöße ausschließlich positive Rückmeldungen bei uns ein.“ Demnach habe die Einbahnregelung zu einer „deutlichen Reduzierung der Verkehrsbelastung geführt, denn es ist ja eine Fahrtrichtung entfallen“.

Ordnungsamtsleiter: Verkehrssicherheit verbessert

Auch die Verkehrssicherheit für Fußgänger und Fahrradfahrer ist nach Hess‘ Dafürhalten durch die Einbahnregelung verbessert worden, „denn der problematische Begegnungsverkehr im relativ schmalen Abschnitt des Schießstattwegs westlich der Einmündung Marienstraße ist entfallen“. Seit zirka vier Wochen sind laut Hess „bei uns überhaupt keine Beschwerden mehr eingegangen“.

Rangiermanöver beim Mehrfamilienhaus?

Anwohner Rolf Schnekenbühl hegte im August vergangenen Jahres die Befürchtung, dass es Probleme beim Rechtsabbiegen vom Schießsstattweg auf das Grundstück eines benachbarten neuen Mehrfamilienhauses geben könnte, weil der Radius schon mit einem kleinen Auto kaum zu bewerkstelligen sei. Ordnungsamtsleiter Hess‘ Sicht ist eine andere. „Dies wurde vor Einrichtung der Einbahnstraße geprüft. Beim Einfahren muss mit größeren Fahrzeugen eventuell einmal rangiert werden, was aber zu keinen größeren praktischen Problemen führt.“

Das oberste Schild zeigt es: Kraftfahrer müssen auf der Bahnhofstraße geradeaus weiter und dürfen nicht nach rechts in die Straße ...
Das oberste Schild zeigt es: Kraftfahrer müssen auf der Bahnhofstraße geradeaus weiter und dürfen nicht nach rechts in die Straße Schießstattweg abbiegen. Die gleiche Beschilderung ist für die Verkehrsteilnehmer aus der Gegenrichtung installiert. | Bild: Ganter, Toni

Keine Tonnagenbegrenzung

Auch eine Tonnagenbeschränkung sei notwendig, erklärte Anwohner Christoph Wohlrab, als die Verkehrsregelung Einbahnstraße neu eingerichtet war. „Eine Tonnagenbegrenzung ist aus unserer Sicht derzeit nicht erforderlich“, sagt Ordnungsamtsleiter Hess. „Die Einbahnregelung hat bereits zu den oben beschriebenen Verbesserungen geführt. Bei den Lastwagen, die den Schießstattweg jetzt noch befahren, dürfte es sich ganz überwiegend um Lieferverkehr handeln, zumal mit der Eisenbahnstraße eine weit besser geeignete Umfahrungsmöglichkeit vorhanden ist.“

Und was ist mit der geplanten Fahrradstraße?

„Das Radverkehrskonzept der Stadt Markdorf sieht vor, den westlichen Schießstattweg als Fahrradstraße auszuweisen. Allerdings hat die Verkehrsbehörde dazu noch keine Entscheidung getroffen“, erklärt Jürgen Hess. Er blickt voraus: „Wenn der westliche Schießstattweg als Fahrradstraße beschildert wird, ist dort nur noch Anliegerverkehr erlaubt. Dies würde nicht nur für den Radverkehr eine weitere Verbesserung bringen, sondern auch für die Anwohner.“