Sommerzeit ist Kirschenzeit. Seit mehr als 20 Jahren baut Landwirt Markus Miller aus Reute Kirschen an – und doch ist dieses Jahr ein ganz besonderes. Denn seit April darf der 49-Jährige seine Kirschen offiziell als Bio-Kirschen verkaufen. Die Früchte wachsen und reifen nach strengen Bioland-Richtlinien des ökologischen Anbauverbands und die Umsetzung wird regelmäßig kontrolliert.

Drei Jahre Umstellungsphase liegen hinter dem Landwirt, der 2019 damit begonnen hat, den kompletten Hof auf Bioland umzustellen. Aus dem Baindtlehof, den Miller 1992 von seinen Eltern damals noch mit konventionellem Apfelanbau übernommen hat, wird Miller‘s Biohof. „Wir haben den Namen geändert, damit es mehr Bezug zu uns und unserer Arbeit hat“, sagt Markus Miller.

Wer von Ittendorf nach Kippenhausen fährt, kommt bei Miller‘s Biohof vorbei. Hier kann man vor Ort direkt Bio-Kirschen kaufen.
Wer von Ittendorf nach Kippenhausen fährt, kommt bei Miller‘s Biohof vorbei. Hier kann man vor Ort direkt Bio-Kirschen kaufen. | Bild: Nosswitz, Stefanie

Schmackhafte Sorten und hervorragende Qualität

Der Anbauschwerpunkt von Markus Miller liegt beim Kirschenanbau im Nebenerwerb. Der 49-Jährige arbeitet in Teilzeit bei ZF in der Montage. Beim Kirschanbau legt er großen Wert auf schmackhafte Sorten und hervorragende Qualität. Elf Sorten baut er an, diese werden alle nacheinander zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt reif.

Die Saison beginnt mit „Sweet Early“, es folgen unter anderem „Cavalier“, „Sandra Rose“, „Black Star“ bis hin zu „Lapins“ und „Sweetheart“. „Die Kirschen sollen nach Kirschen schmecken“, sagt Markus Miller. Ob seine Sorten ankommen, bekommt er im direkten Gespräch mit seinen Kunden am Verkaufsstand in der Markdorfer Hauptstraße mit. 500 Gramm kosten derzeit 4,50 Euro, das Kilogramm 9 Euro, die Preise variieren.

Markus Miller und seine Nichte Hanna Knecht am Verkaufsstand in der Markdorfer Hauptstraße.
Markus Miller und seine Nichte Hanna Knecht am Verkaufsstand in der Markdorfer Hauptstraße. | Bild: Nosswitz, Stefanie

„Letztlich bestimmt der Kunde, ob er bereit ist, für regionale Bio-Kirschen mehr zu zahlen als für türkische Kirschen im Supermarkt“, sagt Markus Miller. Er hofft, dass der Trend zu Bioprodukten weitergeht – viele Verbraucher würden sich eine nachhaltige ökologische Landwirtschaft wünschen.

Kundin Claudia Rid ist bereit, mehr zu zahlen. „Die sind sehr lecker und ich kaufe gerne regionale Produkte. Die Kirschen schmecken einfach gut.“ Auch Wolfgang Schäfer ist voll des Lobes. „Die Kirschen haben eine gute Qualität und sie kommen aus der Region.“

Bio-Kirschen haben ihren Preis: 500 Gramm kosten 4,50 Euro, 1 Kilogramm gibt es für 9 Euro. Die Preise variieren.
Bio-Kirschen haben ihren Preis: 500 Gramm kosten 4,50 Euro, 1 Kilogramm gibt es für 9 Euro. Die Preise variieren. | Bild: Nosswitz, Stefanie
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Kirschen im Bioanbau sind eine schwierige Kultur

Als Markus Miller vor drei Jahren seine Produktion umstellt, sei ihm gesagt worden, Kirschen im Bioanbau seien eine schwierige Kultur. Bio-Kirschenanbau ist daher auch nicht sehr verbreitet. „Ich bin sozusagen ein Pionier“, sagt Miller.

Für den Landwirt war damals aber klar gewesen, dass er etwas ändern muss. Ein „Weiter so“ sei für ihn nicht mehr in Frage gekommen. Ihm war aufgefallen, dass unter den Bäumen nur noch trockenes Moos wuchs und kein Leben mehr vorhanden war. „Wir brauchen aber lebendige Böden mit vielen Mikroorganismen, um vitale Bäume zu haben und gute Früchte ernten zu können“, beschreibt er seinen Umdenkungsprozess. Vor ihm lag damals eine große Herausforderung mit einem nicht zu kalkulierbaren Risiko. Markus Miller ging das Risiko ein.

Noch bis Ende Juli ist Kirschenzeit.
Noch bis Ende Juli ist Kirschenzeit. | Bild: Nosswitz, Stefanie

Neue Erfahrungen durch den Bioanbau

Wenn er heute zurückblickt, sagt er: „Es war nicht einfach und es ist nicht einfach. Biologischer Anbau ist zeitaufwändiger, arbeitsintensiver und kostspieliger als der konventionelle Anbau. Aber es war hoffentlich der richtige Weg“. Durch den Bioanbau schätzt er Insekten, Nützlinge und deren Vorzüge mittlerweile ganz anders ein.

So muss Markus Miller wissen und abschätzen können, wie und ob er gezielte Pflanzenschutzmaßnahmen anwenden muss oder der Kultur die Zeit gibt, sich von sogenannten „Schädlingen“ mit Hilfe der Nützlinge selbst zu befreien. „Da kommt es auf eine gute Einschätzung zum richtigen Zeitpunkt an, sonst kann eine komplette Ernte kaputt sein“, erklärt der Landwirt.

Mit der Zeit fühlt sich das Körbchen bei der Ernte, hier die Sorte „Sandra Rose“.
Mit der Zeit fühlt sich das Körbchen bei der Ernte, hier die Sorte „Sandra Rose“. | Bild: Nosswitz, Stefanie

Landwirt hofft auf eine gute Ernte in diesem Jahr

Auf insgesamt 3,2 Hektar baut Markus Miller Biokirschen in Reute – zwischen Ittendorf und Kippenhausen gelegen – an. Nachdem die Ernte in den vergangenen zwei Jahren aufgrund von Frühfrost „katastrophal“ gewesen sei, hofft er nun auf einen besseren Ertrag. Noch bis Ende Juli ist Erntezeit, Unterstützung bekommt er von vier polnischen Erntehelfern.

Erntehelfer Mateusz Skiba aus Polen gehört zum Team.
Erntehelfer Mateusz Skiba aus Polen gehört zum Team. | Bild: Nosswitz, Stefanie

Die Hauptzeit liegt noch vor ihnen. Die Lieblingssorte von Markus Miller ist „Lapins“. Sie schmeckt saftig, süß, mit einem Mokkageschmack im Abgang, ist karminrot und fest. „Einfach lecker“, so der Landwirt.

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